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Handy nicht im Flugmodus

Im Handgepäck lauert eine Kostenfalle

Ein Passagier bekam eine hohe Mobilfunk-Rechnung, obwohl er sein Handy im Flugzeug gar nicht anrührte. Das kann bei vielen Airlines passieren, auch bei Lufthansa, Swiss und Eurowings.

Mobiltelefon im Handgepäck: Den Flugmodus nicht vergessen – das hilft, Geld zu sparen.

Für einen Passagier von Aer Lingus wurde ein Transatlantikflug in die USA teurer als geplant. Nach der Reise bekam er von seinem Mobilfunkanbieter AT&T eine Rechnung über mehr als 300 Dollar. Dies wurde ihm verrechnet, obwohl er sein Smartphone während des Fluges gar nicht angerührt hatte, wie der Mann Anfang Dezember der Zeitung The Irish Times berichtete.

AT&T erklärte, die Kosten seien entstanden durch «am Flugzeuge installierte Antennen», die dazu in der Lage seien, «sich automatisch mit Telefonen zu verbinden, die sich nicht im Flugmodus befinden». So liefen Gebühren auf «selbst, wenn die Telefone nicht in Gebrauch sind». Auch Aer Lingus teilte mit, dass Passagiere, die ihr Handy nicht in den Flugmodus versetzten, mit unerwartet hohen Rechnungen rechnen müssten.

Viele große Airlines

Die Fluglinie betont, dass sie selber nichts daran verdiene, aber auch nicht dafür zur Verantwortung gezogen werden könne, wenn Fluggäste die Anweisungen der Flugbegleiter ignorierten. Da der Reisende sein Telefon im Gepäckfach über sich verstaut hatte, ist es wahrscheinlich, dass ein automatisches Update oder eine Synchronisation einer App oder von Cloud-Diensten für die hohe Rechnung sorgte.

Offenbar hat sich das Handy des Passagiers, der auch Daten-Roaming nicht ausgeschaltet hatte, mit dem System von Aeromobile verbunden. Die auf Luftfahrt spezialisierte Mobilfunkfirma arbeitet mit 23 Fluglinien zusammen, darunter Aer Lingus, Air France, Etihad, Emirates, KLM, Lufthansa, Qatar Airways, Singapore Airlines, Swiss und Eurowings. «Wenn Sie Ihr Mobiltelefon aus dem Flugmodus nehmen, wird sein Signal von der Flugzeugantenne via Satellit zum Bodennetz von Aeromobile weitergeleitet», erklärt das Unternehmen auf seiner Webseite.

Auch bei Lufthansa Kosten ohne aktive Nutzung möglich

«Das Bodennetz benutzt die eindeutige Nummer Ihrer Sim-Karte, um zu bestätigen, dass Ihr Mobilfunkanbieter eine Roaming-Vereinbarung mit Aeromobile hat.» Fürs Telefonieren, Verschicken von SMS und Internetnutzung sei zudem nötig, dass beim Telefon Roaming aktiviert sei. Die Rechnung kommt dann vom eigenen Mobilfunkanbieter, von dem auch die Preise bestimmt werden.

Zu den weltweit rund 350 Mobilfunkpartnern von Aeromobile gehören in Deutschland etwa O2, Telekom und Vodafone, in der Schweiz Swisscom, Salt und Sunrise. Was die Flugzeuge angeht, ist Aeromobile bei Lufthansa verfügbar in Airbus A330, A340, A350, A380 sowie Boeing 747, bei Eurowings in Airbus A330-200 und bei Swiss in Airbus A330 sowie Boeing 777.

Verbindung über Wlan oder Mobilfunk-Roaming

«Tatsächlich können auch auf Lufthansa-Flügen Kosten für Datenroaming entstehen, ohne dass der Fluggast das Mobiltelefon aktiv nutzt», so eine Sprecherin der Airline. Es liege in der Fürsorge und Entscheidung des Fluggastes, vor dem Abflug die Einstellungen seiner elektronischen Geräte zu prüfen und den Flugmodus einzustellen sowie das Datenroaming zu deaktivieren. «Außerdem werden unsere Passagiere vor dem Abflug mittels einer Crew-Ansage über eine mögliche Nutzung des Mobilfunkservices informiert, ebenso über verfügbare Detailinformationen im Lufthansa Magazin», so die Sprecherin.

Im Lufthansa Magazin ist zu lesen: «Es gibt zwei Möglichkeiten, sich mit dem Internet an Bord zu verbinden: über Wlan-Zugang (Deutsche Telekom) oder per Datenroaming
über das Mobilfunknetz (Aeromobile).» Dann wird die Nutzung beider Varianten erklärt. Bei der Roaming-Variante erhält der Passagier eine Info-SMS von seinem Mobilfunkanbieter. Von diesem hängt es auch ab, ob der Fluggast einer Datennutzung noch aktiv zustimmen muss oder ob sein Telefon sich – etwa für das automatische Update einer App – ohne Zustimmung verbinden kann, wie bei dem Aer-Lingus-Reisenden geschehen.

Unterschiede von Anbieter zu Anbieter

Ein Sprecher des größten deutschen Mobilfunkkonzerns Telekom, Mutter von T-Mobile, erklärt, unerwünschte Kosten könnten den eigenen Kunden in solch einem Fall nicht entstehen. «Endgeräte von Telekom-Kunden können nur innerhalb der Länder der EU mobile Daten wie zuhause nutzen, ohne sich aktiv freizuschalten», so der Sprecher. Bei Flugzeug- und Schiffsnetzen sei – wie auch im Nicht-EU-Ausland – immer eine «aktive Zustimmung zur Nutzung des Mobilfunknetzes» nötig. «Der Kunde wird immer auf eine Seite geleitet, wo er dem Datenroaming zustimmen muss.»

Per Prins, Telekommunikationsexperte der Verbraucherzentrale Schleswig-Holstein, erklärt auf die Frage nach den unterschiedlichen Anbietern: «Von Sachverhalten mit ungewollt hohen Mobilfunkrechnungen sind nach unseren Beobachtungen insbesondere Kunden im Telefónica-Netz betroffen.» Dazu zählt etwa auch O2.



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