Alle so adrett: Die Economy Class in einer Boeing 707 von Lufthansa um 1960.

60 Jahre Economy ClassDer große Sandwich-Krieg

Vor 60 Jahren führten Lufthansa und Co. die Economy Class ein. Das führte zu einem wüsten Streit zwischen Airlines in Europa und den USA. Er drehte sich um die Definition eines Sandwiches.

Top-Jobs

Pilatus Logo

Systems Engineer - Electrical Focus

Pilatus Flugzeugwerke AG
Vollzeit
Top jobs
Schweiz
Feste Anstellung
Flugzeughersteller
Pilatus Logo

Lizenzierter Luftfahrzeugmechaniker (a)

Pilatus Flugzeugwerke AG
Vollzeit
Top jobs
Schweiz
Feste Anstellung
Flugzeughersteller
Pilatus Logo

Luftfahrzeugmechaniker Flugbetrieb (a)

Pilatus Flugzeugwerke AG
Vollzeit
Top jobs
Schweiz
Feste Anstellung
Flugzeughersteller
Pilatus Logo

Teamleiter Montage & Support (a)

Pilatus Flugzeugwerke AG
Vollzeit
Top jobs
Schweiz
Feste Anstellung
Flugzeughersteller

Lange Zeit war Fliegen ein Luxus. Nur Gutbetuchte konnten sich Reisen mit dem Flugzeug leisten. Und so wurde an Bord auch viel geboten. Essensservice am Tisch, bequeme Sofas, riesige Sessel - selbst Betten gab es in den Fliegern der Dreißigerjahre.

Mit dem Aufkommen größerer Flugzeuge wie der Douglas DC-7 erkannten die Fluggesellschaften in den Fünfzigerjahren das Potenzial der Preisdifferenzierung. Mit verschiedenen Klassen könnten sie breitere Bevölkerungsschichten ansprechen und so mehr verdienen. Die Internationale Luftverkehrs-Vereinigung Iata – damals eine Art Kartell – willigte 1952 in die Einführung einer zweiten Klasse ein. Airlines durften ab dann eine Tourist Class führen. Die Ticketpreise lagen rund 30 Prozent tiefer als in der First Class. Das neue Angebot war aber auch weniger komfortabel.

Zuerst auf Nordatlantik-Routen

Die Tourist Class war dennoch ein riesiger Erfolg. Bei KLM stiegen die Passagierzahlen im ersten Jahr nach der Einführung um zwei Drittel. Kein Wunder, dass sich Fluglinien weltweit schnell noch mehr wünschten, zumal mit der Douglas DC-8 und der Boeing 707 nochmals größere und effizientere Flieger auf den Markt kamen und neue Möglichkeiten eröffneten. Die Iata war zuerst zurückhaltend, gab schließlich aber nach.

Ab August 1958 wurde die Economy Class als dritte Reiseklasse zugelassen - zuerst auf Nordatlantik-Routen. Die neue Klasse bot 20 Prozent günstigere Tickets. «Buchen Sie Economy - die Spar(kl)asse über dem Nordatlantik», warb Lufthansa damals für das neue Angebot und strich eine Ersparnis von 427 DM hervor. Spottbillig war es trotzdem nicht. Ein Flugticket von Frankfurt nach New York kostete damals 2672 Mark. Berücksichtigt man die veränderte Kaufkraft wären das umgerechnet in heutige Preise fast 1000 Euro.

«Nur Mahlzeiten bestehend aus einem Sandwich»

Die neue Klasse unterlag strikten Regeln. Die Iata schrieb vor, dass Reisenden lediglich eine einfache Mahlzeit vorgesetzt werden dürfe. «Nur Mahlzeiten bestehend aus einem Sandwich dürfen den Passagieren in der Economy zur Verfügung gestellt werden», hieß es in der entsprechenden Resolution. Angefügt wurde, sie sollten «einfach, klar und nicht teuer» sein. Nicht-alkoholische Getränke waren gratis, wer Wein wollte, musste dafür zahlen.

Bald entbrannte jedoch ein Streit darüber, was ein Sandwich sei. Die Europäer servierten ihren Economy-Passagieren kalte Platten. «Mit Vergnügen werden Sie die delikaten Häppchen verspeisen», warb Lufthansa. SAS servierte fünf Scheiben Ochsenzunge auf einem Salatblatt sowie Spargel auf einer Brotscheibe. Das gefiel den Amerikanern gar nicht, die klassische Sandwiches servierten - etwa Käse zwischen zwei Brotscheiben. Der Sandwich-Krieg brach aus.

«Verpacktes, gummiges Unverdaubares»

Pan Am und TWA klagten bei der Iata gegen Air France, KLM, SAS und Swissair, weil diese ihre Economy-Passagiere zu großzügig behandelten. Was die Konkurrenten auftischten, sei «weder einfach noch günstig». In einem Brief an die Organisation verteidigte sich Swissair, jeder «habe das Recht auf eine eigene Interpretation des Sandwiches. Wir haben unsere». Die Skandinavier mokierten sich in einem Brief an Kunden über die US-Anbieter. «In unseren Fliegern finden Sie kein in Zellophan verpacktes, gummiges Unverdaubares», so SAS.

Es kam soweit, dass die amerikanischen Airlines den Europäern die Landerechte in den USA entziehen wollten. Die Iata schritt ein - und entschied zugunsten der Amerikaner. Wer sich dem widersetzte, dem wurde mit Strafen gedroht.

Das Schiff überholt

Die neue Klasse setzte sich so oder so durch. 1958 reisten zum ersten Mal mehr Menschen mit dem Flugzeug nach Nordamerik als mit dem Schiff. Es war der Beginn des Zeitalters des Fliegens für alle.

Sehen Sie in der oben stehenden Bildergalerie Aufnahmen aus der Anfangszeit der Economy Class bei Lufthansa und KLM.

Mehr zum Thema

Mit einer DH86 Express ging die Reise in Brisbane los. An Bord neben den maximal zehn Fluggästen: jede Menge Postsäcke.

In 12 Tagen um die halbe Welt

Die nach vorne gekippte Boeing 787 von Lufthansa: Das Heck ragt in den Himmel.

Lufthansa-Dreamliner: Wie lange dauert die Reparatur nach dem Fahrwerksunfall?

ticker-lufthansa

Passagierin greift andere Passagierin an: Airbus A380 von Lufthansa muss außerplanmäßig in Boston landen

ticker lufthansa group

Lufthansa Group und Airbus feiern 50 Jahre Partnerschaft

Video

INNA und Wizz Air: Das Video zu Wizz Away wurde am Flughafen Bukarest gedreht.
Wizz Air bringt mit dem Popstar Inna einen Song heraus. Wizz Away soll zum Sommerhit werden. Die Kombination Fluggesellschaft und Musik ist nicht neu. Ein Überblick von Fantasiesprache über Kerosin im Blut bis zu Mr. Trololo.
Benjamin Recklies
Benjamin Recklies
Airbus A350-1000 ULR von Qantas: Spezieller Flieger für spezielle Route.
Mehr als zehn Jahre nach der Ankündigung steht der Starttermin fest: Ab Oktober 2027 wird die australische Fluglinie nonstop von Sydney nach London fliegen. Die ultralange Strecke knüpft an ein legendäres Kapitel der Geschichte von Qantas an.
Stefan Eiselin
Stefan Eiselin
boeing 777 klm amsterdam durchstarten
Eine Boeing 777 von KLM startete bei der Landung in Amsterdam bei starkem Seitenwind durch. Ein Video zeigt den entscheidenden Moment.
Timo Nowack
Timo Nowack