Violine im Flugzeug. So wird sie eigentlich nicht transportiert.

Zu groß fürs HandgepäckStar-Musikerin muss ihre Geige ungeschützt an Bord von Lufthansa transportieren

Für eine deutsche Violinistin geriet eine Routinereise aus dem Takt: Auf dem Rückflug aus Finnland verweigerte das Bodenpersonal in Helsinki plötzlich die Mitnahme ihres Geigenkastens an Bord des Jets von Lufthansa. Sie musste improvisieren.

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Für Carolin Widmann gehört das Fliegen zum Alltag. Rund 60 internationale Auftritte absolviert die deutsche Violinistin pro Jahr. Dahin reist sie meist mit Lufthansa, wo sie auch den Vielfliegerstatus Senator hält. Unterwegs ist sie meist gemeinsam mit ihrer Geige, einer 1782 gebauten Guadagnini. Bislang ging das immer gut. Doch die Rückreise von einem Konzert in Finnland wurde nun zur Nervenprobe, wie zuerst der Blog The Violinist berichtete.

Am Flughafen Helsinki hieß es vom Bodenpersonal am Flughafen, ihr Geigenkasten sei zu groß für die Kabine. Die Standardmaße von Lufthansa würden überschritten, ein Mitnehmen damit ausgeschlossen. Laut eigenen Angaben war sie bislang immer problemlos mit der Geige gereist, erklärt Widmann bei Instagram.

Einchecken der Geige war die einzige, nicht tragbare Option

Die Bodenmitarbeiterin holte ihre Vorgesetzte und bot an, einen zusätzlichen Sitz für die Geige zu verkaufen. Doch auf beiden Teilstrecken war kein Platz mehr, und für ein Segment allein durfte ein Ticket nicht ausgestellt werden. Check-in des Geigenkastens als Aufgabegepäck wäre die einzige Option gewesen. Für die wertvolle Geige aber undenkbar.

Also tat sie das, was für sie eigentlich tabu ist: Sie nahm das Instrument aus dem Kasten, und reiste so von Helsinki über Frankfurt nach Leipzig. «Ich hielt meine Geige die ganze Zeit im Arm», berichtet Widmann bei The Violonist. Die Crew an Bord sei im Gegensatz zum Bodenpersonal hilfsbereit gewesen. Auf dem Foto bei Instagram sieht es auch so aus, als hätte man Widmann eine Decke zur Verfügung gestellt.

Formal bei Lufthansa nicht erlaubt

Widmann rechnete bei Instagram vor: Ein typischer Geigenkasten fasst rund 34 Liter – zugelassenes Handgepäck dagegen 55 Liter. Mehr als ein Drittel weniger Volumen. Doch wegen der Länge sind sie formal nicht erlaubt. Tatsächlich steht das auch so in den Beförderungsbedingungen von Lufthansa, die für alle Reisenden gelten.

Wenn das Instrument nicht die Maße für Handgepäck einhält, muss man einen eigenen Sitz kaufen oder es als Aufgabegepäck angeben. Wie auch generell bei Handgepäck liegt es also im Ermessen der Mitarbeitenden beim Boarding, zu entscheiden, ob sie eine Ausnahme machen oder nicht - bislang hatte Widmann dabei offenbar Glück.

Geigerin kam wohlbehalten mit Lufthansa in Leipzig an

In den USA sieht das anders aus: Eine Regel der FAA verpflichtet Airlines, Instrumente mitzunehmen, sofern sie sicher verstaut werden können. In der EU gibt es solche Vorgaben nicht. Hier dürfen Fluglinien selbst festlegen, wie sie mit Geigen, Bratschen oder Gitarren verfahren. Die Internationale Musikerföderation fordert seit Jahren einheitliche Regeln, bislang ohne Erfolg.

Auch, wenn die Reise beschwerlich war, sie ging gut aus. Widmann und Geige kamen wohlbehalten in Leipzig an.

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