An anderer Stelle ist die Verjüngung dagegen bisher noch nicht so weit vorangeschritten. Denn das sogenannte Lufthansa Cargo Center, kurz LCC, am Flughafen Frankfurt ist seit 1982 ununterbrochen in Betrieb - und damit seit mittlerweile rund 44 Jahren.
Lufthansa Cargo Center seit 1982 ununterbrochen in Betrieb
Im LCC kommt Fracht an, wird zwischengelagert, für den Flug oder Weiterflug vorbereitet und rausgeschickt zur Verladung ins Flugzeug. Natürlich ist es nicht so, dass sich seit 1982 nichts verändert hätte. So wurde etwa 2018 der Pharma Hub für medizinische Spezialfracht ausgebaut, den aeroTELEGRAPH in der Covid-19-Pandemie im Jahr 2020 besuchte.
Dennoch ist im normalen Frachtlager tatsächlich einiges noch auf einem technischen Stand, der einige Jahrzehnte auf dem Buckel hat - gut gepflegt, funktional, aber eben nicht mehr optimal. Daher arbeitet Lufthansa Cargo seit 2021 auch hier an einer Modernisierung.
Neues Hochregallager hat fast 3000 Paletten-Lagerplätze
Das Projekt trägt den Namen LCC Evo, wobei Evo für Evolution steht. In der ersten Phase namens Zero wurde von 2021 bis 2023 viel geplant, beantragt und kleinere Abbrucharbeiten vorgenommen. Aktuell befindet sich das Projekt in der zweiten Phase namens Alpha und 2024 war Baubeginn für ein neues Lagersystem. Dessen Herzstück ist ein neues Hochregallager mit 2912 Paletten-Lagerplätzen. Das neue Gebäude, in dem es sich befindet, ist 42 Meter hoch - höher sind im operativen Teil des Flughafens nur die Kontrolltürme.
Der Bau ist nun abgeschlossen, am Donnerstag (25. Juni) wurden Fertigstellung und Inbetriebnahme offiziell gefeiert. aeroTELEGRAPH hatte schon vorab die Möglichkeit, einen Blick in die neuen Lager von Lufthansa Cargo am Flughafen Frankfurt zu werfen.
So sind die neuen Lager von Lufthansa Cargo aufgebaut
Das Ganze ist vereinfacht gesagt so aufgebaut: Es gibt das große Hochregallager für große Ladungspaletten und ein kleineres Lager für mittelgroße Paletten. Beide Palettenarten werden nur im Lager genutzt. Auf den Palettierungsplätzen im Erdgeschoss laden die Mitarbeitenden die Waren für den Transport im Flieger um auf Flugzeugpaletten.
Die Waren auf den mittelgroßen Kunststoffpaletten erhalten sie dabei per Gabelstapler an ihren Platz geliefert. Die großen Ladungspaletten aus Metall, die bis zu 2400 Kilogramm tragen, werden derweil auf drei Stockwerken durch den Gebäudeteil transportiert, den Lufthansa Cargo als zentrale Materialflussachse bezeichnet. Das geschieht über ein automatisiertes Transportsystem mit Förderbändern und Aufzügen.
Bildergalerie: Das neue Lager von Lufthansa Cargo am Flughafen Frankfurt
Das neue Lager-Gebäude von Lufthansa Cargo am Flughafen Frankfurt: In dem ...
... 42 Meter hohen Teil des Gebäudes befindet sich das neue Hochregallager.
Ein Blick ins Innere: Im Hochregallager für große Ladungspaletten ...
... gibt es fast 3000 Plätze, die von automatisierten Fahrzeugen bedient werden.
Diese großen Paletten sind im Testbetrieb noch leer, künftig werden sie hier mit Fracht darauf zu sehen sein.
Links gehen die Paletten rein ins Lager, rechts kommen sie heraus.
Ein Blick ins kleinere Lager für mittelgroße Ladungspaletten - hier gibt es mehr als 1200 Plätze.
Aus den beiden Lagern geht die Fracht zu den Palettierungsplätzen, wo sie bereit gemacht wird ...
... für die Verladung ins Flugzeug.
Ein Blick in den bisherigen Palettierungsbereich von Lufthansa Cargo. In den roten Körben (oben im Bild) wird aktuell noch die mittelgroße Fracht im Lager transportiert.
13 Stockwerke, 52 automatisierte Fahrzeuge, acht Aufzüge
Das Lager für mittelgroße Paletten hat stets eine Temperatur von 20 Grad. «Hier gibt es 1270 Lagerpositionen für leichtere und temperaturempfindliche Fracht», sagt Katja Krafczyk, als Teamleiterin zuständig für die Lagersysteme. Auch hier geschieht der Transport zu und ab den Regalen des zehn Meter hohen Lagers automatisiert, erst am Ende holt ein Gabelstapler die Paletten vom Rollband ab. «Für temperatursensible Sendungen gibt es außerdem eine angebundene Kühlzelle mit einer konstanten Temperatur von 5 Grad», so Krafczyk.
Das Hochregallager für große Ladungspaletten ist deutlich größer. Es erstreckt sich über 13 Ebenen, quasi 13 Stockwerke. «Jede Ebene verfügt über vier Gänge und in jedem Gang fährt ein automatisiertes Shuttle-Fahrzeuge, das die Paletten zu ihren Plätzen bringt und von dort abholt», erklärt Krafczyk. «Insgesamt gibt es 52 Fahrzeuge.» Der Transport von oben nach unten erfolgt mit acht Liften. «So schaffen wir künftig mehr als 300 Ein- und Auslagerungen pro Stunde.» Das neue Lager ist nicht größer als das bisherige, funktioniert aber effizienter.
Was das Lager einer Airline von anderen Lagern unterscheidet
«In einem Lager beispielsweise von einem Versandhändler sind Waren bevorratet, damit sie in ausreichender Menge vorhanden sind», erklärt Krafczyk. «Bei uns ist das anders: Hier wird die Fracht lediglich zwischengelagert - im Durchschnitt ist sie nur rund 20 Stunden bei uns.»
Neben den beiden Lagern, der Materialflussachse und den Palettierungsplätzen gibt es im neuen Gebäude unter anderem auch Technik- und Werkstattbereiche sowie Büroräume. Das Dach wird künftig noch begrünt und mit Photovoltaik-Anlagen ausgestattet.
13-stöckiges Lager geht spätestens Anfang 2027 in Betrieb
Sollte es im neuen Lager brennen, übernimmt ein Druckbehälter die Erstversorgung der Sprinkler mit Wasser. Dieser hat ein Leergewicht von rund 8,7 Tonnen, musste mit einem Spezialkran in die Bodenplatte gelassen werden und hat eine Kapazität von 50.000 Litern.
Das Lager für die mittelgroßen Paletten geht Anfang Juli 2026 in Betrieb. Das Hochregallager für große Ladungspaletten soll spätestens im Januar 2027 folgen. Sobald sie sich eine Zeit lang in der Praxis bewährt haben, werden die alten Anlagen stillgelegt.
So treibt Lufthansa Cargo die Modernisierung nun weiter voran
In der nächsten Projektphase namens Bravo wird dann zwischen 2027 und 2029 ein alter, südlicher Gebäudeteil samt dem alten Hochregallager abgerissen. Dafür ist der Neubau weiterer Gebäudemodule mit Hallenflächen, Büros und Sozialräumen geplant sowie eine Erweiterung der zentralen Materialflussachse. Zudem wird das Dach mit Photovoltaikanlagen ausgestattet und teilweise begrünt. In der letzten Phase namens Charlie sollen dann von 2029 bis 2030 die älteren, nördlichen Gebäudeteile in drei Phasen saniert werden.
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