Die Archer Midnight: Stammt aus Kalifornien - bekommt bald auch Technik aus Oberbayern.

Archer Aviation kauft PatenteDie Technik von Lilium lebt weiter - in einem kalifornischen Evtol

Die Rettung blieb aus, doch ganz verloren ist die Arbeit des deutschen Evtol-Entwicklers nicht: Archer Aviation übernimmt die Patente von Lilium und will damit sein eigenes Evtol Midnight weiterentwickeln – mit bayerischer Ingenieurskunst im Gepäck.

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In Oberbayern hatte man große Pläne. Am Flughafen Oberpfaffenhofen entwickelten die Fachleute von Lilium unter größter Geheimhaltung ein innovatives Evtol. Es wurde von 30 Elektro-Mantelpropellern angetrieben und sollte dereinst mit bis zu sechs Fluggästen Strecken von bis zu 400 Kilometern zurücklegen können. Schon 2026 sollten erste Exemplare des Lilium Jets ausgeliefert werden.

Doch es kam anders. Lilium ging im Oktober 2024 in die Insolvenz. Mehrere Verkaufsversuche für das Unternehmen scheiterten seither. Zuletzt hatte sich die niederländische Firma Ambitious Air Mobility Group um das insolvente deutsche Unternehmen bemüht - aber mehr vollmundige Versprechen geliefert als konkrete Taten. Und so kam die Übernahme nicht zustande.

Archer Aviation kauft Patente etwa zu Propellern und Motoren

Doch nun gibt es doch noch ein Happy Endchen für Lilium. Der amerikanische Konkurrent Archer Aviation übernimmt die Patente des gescheiterten deutschen Hoffnungsträgers. Dafür zahlt er 18 Millionen Euro an den Insolvenzverwalter, wie aus Luftfahrtkreisen zu vernehmen ist. Darunter befinden sich Erfindungen zu Propellersystemen, Batteriemanagement, Flugsteuerung und Elektromotoren.

Archer Aviation entwickelt selbst ein Evtol namens Midnight. Es bietet bis zu vier Reisenden und einem Piloten oder einer Pilotin Platz. Es ist anders als der Lilium Jet auf kürzere aufeinanderfolgende Flüge von 30 bis 80 Kilometern ausgelegt. Seine Stärke soll in der minimalen Ladezeit zwischen den Flügen liegen.

Archer Aviation kauft Patente etwa zu Propellern und Motoren

Angetrieben wird Midnight von zwölf Propellern. Sechs davon sind neigbar und befinden sich vorne an der Tragfläche. Sie bewegen das Evtol mit bis zu 240 Kilometern pro Stunde vorwärts. Sechs stationäre Propeller hinten sind für den senkrechten Start konzipiert. Testflüge laufen bereits. Am Teststandort Salinas in Kalifornien hat das Evtol im August eine Strecke von rund 89 Kilometern in 31 Minuten zurückgelegt. Es erreichte dabei eine Geschwindigkeit von mehr als 203 Kilometer pro Stunde.

Archer sieht den Flug als wichtigen Schritt im Zertifizierungs- und Kommerzialisierungsprozess, der zunächst in den USA und in den Vereinigten Arabischen Emiraten vorangetrieben wird. Und mit der oberbayerischen Technik von Lilium geht dies nun vielleicht noch etwas besser und schneller.

Interessent ist sauer, Insolvenzverwalter erklärt sich

Die Ambitious Air Mobility Group AAMG übt indes scharfe Kritik am Vorgehen des Insolvenzverwalters. Sie erklärt, sie habe ein vollständig finanziertes und rechtlich abgesichertes Angebot über 30 Millionen Euro zum Erwerb sämtlicher Vermögenswerte von Lilium abgegeben - inklusive Bankgarantie und Treuhandnachweis. Trotzdem habe sich der Insolvenzverwalter für ein konkurrierendes Angebot von Archer Aviation entschieden.

Im Bieterverfahren sei sehr wichtig gewesen, «dass wir die höchste Transaktions- und Umsetzungssicherheit sowie Finanzierungssicherheit gewährleisten» so ein Sprecher des Insolvenzverwalters. «Wir haben ein ordnungsgemäßes Bieterverfahren in Abstimmung mit beiden Gläubigerausschüssen durchgeführt; neben diesen haben auch die Sicherungsgläubiger der Veräußerung zugestimmt. Der Verkauf erfolgte auf einer klaren und transparenten Entscheidungsgrundlage.»

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