Der Flughafen Lissabon hat seit Mitte April einen Dauergast. Der Airbus A330 Neo von Azul Linhas Aéreas mit dem Kennzeichen PR-ANY landete am 17. April als Flug AD8750 aus Campinas-Viracopos kommend. Eigentlich hätte das rund siebeneinhalb Jahre alte Flugzeug nach wenigen Stunden wieder nach Brasilien zurückfliegen sollen. Doch daraus wurde nichts. Stattdessen steht der Großraumjet seit fast 26 Wochen in der portugiesischen Hauptstadt.
Der Grund: Als das Bodenpersonal kurz nach der Landung den vorderen Frachtraum öffnete, sah es, dass die tonnenschwere Ladung sich nicht mehr dort befand, wo sie sein sollte. In Campinas hatte man zwei Paletten in den vorderen Frachtraum geladen, eine mit 2608 und eine mit 2570 Kilogramm. Als der A330-900 nach dem Aufsetzen abbremste, rutschte die vordere Palette nach vorne und prallte gegen die Wand des Frachtraums. Das geht aus dem neuen Quartalsbericht der portugiesischen Untersuchungsbehörde GPIAAF hervor.
Tonnenschwere Frachtpalette stand ungesichert im Frachtraum
Während die hintere der beiden Paletten korrekt im Boden verriegelt war, hatte das Ladepersonal in Campinas bei der vorderen Palette die Halterungen nicht hochgeklappt. Diese sogenannten XZ-Verriegelungen sitzen in den Bodenschienen des Frachtraums und sollen verhindern, dass Paletten und Container im Flug oder beim Bremsen verrutschen. Flach im Boden liegend halten sie nichts fest. Die fast 2,6 Tonnen schwere Palette stand daher ungesichert im Frachtraum.
Der Schaden ist erheblich. Verkleidung und tragende Struktur des Frachtraums wurden beschädigt, ebenso das angrenzende vordere Avionikabteil. Ein Querträger direkt davor ist verformt und gebrochen. Im Cockpit blieb der Aufprall unbemerkt. Die Piloten hörten nach Angaben der Untersuchungsbehörde kein Geräusch, die Systeme meldeten weder Warnungen noch Fehler. Die Fluggäste stiegen ganz normal aus.
Azul arbeitete den Vorfall auf
Die interne Untersuchung von Azul stieß auf mehrere Schwachstellen beim Beladen in Campinas. Das eingesetzte Personal hatte wenig Erfahrung, der zuständige Vorgesetzte war zu Beginn nicht anwesend. Zudem habe der Abfertigungsdienstleister seine Mitarbeitenden nur unzureichend geschult. Azul verschickte daraufhin eine Sicherheitswarnung an das eigene Personal und das des Dienstleisters, schulte das Bodenpersonal nach und verschärfte an allen Stationen mit Großraumflugzeugen die Sicherheitsvorkehrungen beim Beladen.
Bilder aus dem Frachtraum des beschädigten Airbus A330-900. Screenshot GPIAA
Flugzeug soll in Teruel für Gol vorbereitet werden
Azul wollte das Flugzeug zunächst für die Ausflottung nach Brasilien bringen. Airbus gab den Flug wegen des technischen Zustands jedoch nicht frei. Deshalb geht die PR-ANY nun direkt in Lissabon an Leasinggeber Avolon zurück. Seit dieser Woche wird der A330-900 bei TAP Maintenance & Engineering repariert, schreibt das Portal Aeroin. Ist er wieder flugfähig, soll er ins spanische Teruel fliegen und dort für seinen neuen Betreiber Gol vorbereitet werden.
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