Boeing 777F, hier von Lufthansa Cargo: Das Modell erfüllt die internationalen Vorgaben auch 2027 nicht mehr.

Antrag an FAABoeing 777X kommt zu spät: Boeing kämpft um längeres Leben für die 777 F

Eigentlich sollte für die 777 F Ende 2027 Schluss sein. Doch Verzögerungen beim Nachfolger 777-8 F, fehlende Frachterkapazitäten und ein unerwartetes Grounding bringen Boeing dazu, die Regeln infrage zu stellen. Der Flugzeugbauer beantragt eine Ausnahme.

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Boeing will länger an der Boeing 777 F festhalten, als ursprünglich geplant. Das geht aus einem FAA-Dokument vom 19. Dezember hervor. Der Flugzeugbauer hat bei der Luftfahrtbehörde der USA offiziell beantragt, auch nach Ende 2027 weitere Boeing 777 F ausliefern zu dürfen. Der Antrag ist nötig, weil das Modell die ab 2028 geltenden internationalen Vorgaben zum Verbrauch nicht erfüllt.

In einem bei der FAA eingereichten Antrag bittet Boeing um eine Ausnahme von den Vorschriften der USA, die auf den Klimaregeln der Internationalen Zivilluftfahrtorganisation Icao von 2017 basieren. Diese sehen vor, dass Flugzeuge, die bestimmte Effizienzgrenzen überschreiten, ab dem 1. Januar 2028 keine Lufttüchtigkeitszeugnisse mehr erhalten dürfen. Die 777 F liegt über diesen Grenzwerten und dürfte deshalb regulär nur noch bis Ende 2027 produziert werden. Boeing beantragt nun eine Ausnahme für insgesamt 35 zusätzliche Exemplare.

Boeing 777-8 F erst 2029 auf dem Markt

Zur Begründung verweist der Hersteller auf die anhaltenden Verzögerungen bei der Boeing 777X. Das führt auch dazu, dass die Frachtversion 777-8 F nicht rechtzeitig verfügbar sein wird. «Die beantragte Ausnahme wird es Boeing ermöglichen, die erwartete Kundennachfrage zu bedienen und das erhebliche öffentliche Interesse an einem stabilen Luftfrachtangebot zu unterstützen, bevor die 777-8 F in Dienst geht», schreibt Boeing im Antrag an die FAA. Ziel sei es, die Lücke bis zur ersten Auslieferung und Indienststellung des neuen Musters zu überbrücken.

Ursprünglich sollte die 777-9 als erste Variante der 777X-Familie bereits 2020 in den Liniendienst gehen. Inzwischen peilt Boeing für das Passagiermodell das Jahr 2027 an. Der Frachter 777-8 F soll nach aktuellem Stand erst 2029 folgen. Ohne Ausnahmegenehmigung entstünde damit eine mehrjährige Lücke bei großen neuen Frachtern aus den USA. Und es könnte auch für die Konkurrenz eine Tür öffnen und Boeing Kundschaft kosten.

Grounding der McDonnell Douglas MD-11 verstärkt Bedürfnis

Hinzu kommt ein weiteres Problem, das im FAA-Antrag selbst nicht erwähnt wird: das jüngste Grounding der McDonnell Douglas MD-11 F. Nach einem tödlichen Unfall Anfang November empfahl Boeing, alle Exemplare am Boden zu lassen. Die FAA folgte innerhalb weniger Stunden. Rund 60 Maschinen, betrieben unter anderem von Fedex und UPS, sind seitdem außer Betrieb. Intern geht Boeing laut einem Bericht des Portals Leeham News davon aus, dass die Chancen für eine Rückkehr des Musters in den regulären Betrieb nur bei etwa fünfzig Prozent liegen. Das liegt auch am hohen Alter der Flotte.

Auch, wenn Boeing im Antrag die MD-11 nicht erwähnt - der Hersteller argumentiert, dass zusätzliche 777 F nötig seien, um «eine unterbrechungsfreie Versorgung des Marktes mit großen Frachtern» sicherzustellen. Der Hersteller warnt zugleich davor, dass Airlines sonst gezwungen wären, ältere und deutlich ineffizientere Muster weiter zu betreiben. Das würde – so das Argument von Boeing – am Ende sogar zu höheren Emissionen führen als der Weiterbau der vergleichsweise effizienten 777 F.

Boeing will Ausnahme nicht nur in den USA

In seinem Antrag führt Boeing auch wirtschaftliche und sogar verteidigungspolitische Gründe an. Große Frachter spielten eine zentrale Rolle im Welthandel und in der Versorgungskette der USA. Zudem sei die 777 F für die Civil Reserve Air Fleet zugelassen, die dem Verteidigungsministerium der Vereinigten Staaten im Krisenfall zusätzliche Transportkapazitäten sichert. Ohne neue Flugzeuge drohe hier ein schleichender Kapazitätsverlust.

Die Ausnahme soll nicht nur in den USA gelten. Boeing bittet die FAA ausdrücklich darum, die Genehmigung auch international anzuerkennen, da viele Abnehmer der zusätzlichen 777 F außerhalb der Vereinigten Staaten sitzen und Länder weltweit die entsprechenden Icao-Standards übernommen haben. Ob die Luftfahrtbehörde dem Antrag zustimmt, ist offen. Boeing hofft auf eine Entscheidung bis zum 1. Mai 2026.

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