Flughafen St. Gallen Altenrhein: «Der Staatsvertrag mit Österreich engt uns enorm in unserer unternehmerischen Freiheit ein», sagt Chef Daniel Steffen.

People's Viennaline«Wir prüfen Verbindungen nach Deutschland»

St. Gallen Altenrhein ist ein Unikum. Der Flughafen besitzt mit People's Viennaline eine eigene Airline. Im Interview spricht der neue Chef über einen Flotten- und Streckenausbau und Avancen gegenüber Austrian Airlines.

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Warum besitzt der Flughafen St. Gallen Altenrhein eine eigene Fluggesellschaft?

Daniel Steffen*: Es ist heute sehr schwierig, einen Regionalflughafen und eine Regionalairline unabhängig voneinander erfolgreich zu führen. Regionalflughäfen haben in der Regel nur sehr wenige Fluggesellschaften als Kunden. Da schlägt jeder einzelne strategische Entscheid der Airline mit voller Wucht auf den Airport durch und kann kaum abgefedert werden. Zum anderen können in dieser Konstellation Personalkosten optimal in Synergieeffekte umgewandelt werden. Der größte Vorteil liegt aber im Kundenservice. So bekommt der Kunde in der gesamten Transportdienstleistung die gleiche Servicequalität und Freundlichkeit. Einen Airport betreiben viele und viele auch besser als wir. Eine Airline betrieben ebenfalls viele. Aber in dieser Konstellation tun das nur wir und das hebt uns von allen anderen ab.

Ist die eigene Airline aber nicht auch ein Hinderungsgrund, weshalb Sie keine neuen Fluggesellschaften an den Flughafen St. Gallen Altenrhein locken können? Das Management dürfte ja die eigene Fluglinie sicherlich übervorteilen...

Nein, da sind wir völlig pragmatisch. Jede Airline ist uns hoch willkommen, die eine neue Strecke von und nach Altenrhein eröffnet. Es ist das Gesamtangebot, welches einen Flughafen und damit auch die einzelnen Akteure für den Kunden interessant macht.

Für welche Art von Airline könnte denn St. Gallen Altenrhein als Destination interessant sein?

Zum einen sind das weitere saisonale Ferienflüge Richtung Mittelmeer oder im Winter Skiflüge. Zum anderen wünscht die Region eine London-Anbindung. Für uns selber ist London in unserer aktuellen Kostenstruktur nicht darstellbar. Ein britischer Anbieter könnte da aber interessant sein. Ebenfalls interessant wäre eine Anbindung mit einem Hub-Carrier. Gerade Liechtenstein und Vorarlberg haben da eine große Nachfrage. Unsere Avancen, mit Austrian Airlines wieder ins Gespräch über Codeshare-Flüge zu kommen, sind leider nicht auf offene Ohren gestoßen.

Der Flughafen lebt aber trotz allem zu einem großen Teil von der eigenen Fluggesellschaft. Sie bringt mehr als 90 Prozent der Passagiere. Planen Sie hier einen Ausbau? Was sind die Ideen bezüglich neuer Routen?

Ja, es gibt ein Projekt bezüglich Anschaffung eines zweiten Flugzeugs. Der Verwaltungsrat hat uns beauftragt, die Evaluation anzugehen. Entschieden ist aber noch nichts. Für uns steht die Erweiterung des Ferienangebotes und die Evaluation deutscher Verbindungen im Vordergrund. Deutschland ist der wichtigste Handelspartner für unser vier Länder umfassendes Einzugsgebiet.

Bislang waren die Sommerflüge nur über Reisebüros buchbar, nun beginnen Sie mit dem Direktverkauf. Könnte das noch vermehrt geschehen?

Das ist durchaus möglich. Wir verzeichnen eine große Nachfrage nach Nur-Flügen nach Mallorca. Die Veranstalter geben aber verständlicherweise kaum Nurflug-Plätze frei. Momentan testen wir ein solches Angebot nach Prevezza und öffnen damit auch Rhomberg Reisen einen weiteren Vertriebskanal.

Ein Ausbau des Betriebs ist aber heikel. Es gibt schon jetzt immer wieder Einsprachen von Anwohnern wegen des Lärms.

Es gibt kaum einen Flughafen, der nicht mit dem Thema Lärm konfrontiert ist. Wir werden aber einen Weg finden, mit Politik und Bevölkerung in einen konstruktiven Dialog zu treten. Zur Zeit engt uns der Staatsvertrag mit Österreich enorm in unserer unternehmerischen Freiheit ein. Insbesondere die restriktiven Öffnungszeiten sind ein Problem.

Haben Sie eigentlich das Aus von Intersky im nahe gelegenen Friedrichshafen gespürt?

Nein, wir haben nichts gespürt – außer dass Friedrichshafen dafür öffentliche Gelder bekam und damit weiterhin extrem tiefe Gebühren anbieten kann.

Sie regten kürzlich an, zum Landesflughafen von Liechtenstein zu werden. Gab es da schon konkrete Gespräche? Was sind Ihre Vorstellungen?

Das war ein spontaner Einfall anlässlich eines Interviews mit einer Zeitung. Der Fürst hatte Ende Jahr in einem Interview bemängelt, dass Liechtenstein keinen Landesflughafen hat. Da habe ich ihm diesen spontan angeboten. Die Idee ist aber an sich spannend, wenn man etwas genauer darüber nachdenkt. Ich würde mir vor allem einen positiven Schub in der politischen Diskussion versprechen. Wir werden sehen, was da so an Echo kommt.

Ist der Name People's für die Airline in Stein gemeißelt?

In Stein gemeißelt ist gerade in der Luftfahrt selten etwas. People’s feiert am 28. März das fünfjährige Jubiläum. Ich denke, wir werden mindestens nochmals fünf Jahre unter diesem Namen erfolgreich fliegen.

* Daniel Steffen ist seit vergangenem Jahr Chef der People's Air Group. Zu ihr gehören die Tochterfirmen Altenrhein Luftfahrt mit der Airline People's Viennaline, Airport Altenrhein für den Betrieb des Flughafens St. Gallen Altenrhein und Altenrhein Realco AG (Immobilien). Zuvor war er sechs Jahre lang Chief Commercial Officer des Flughafens Bern.

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