Es sind gigantische Zahlen. Am Flughafen Frankfurt tanken Flugzeuge durchschnittlich rund 15 Millionen Liter Kerosin täglich. Dafür steht ein Vorrat in zehn oberirdischen Tanks mit einer Gesamtkapazität von 186 Millionen Litern bereit. Das entspricht dem Fassungsvermögen von 71 olympischen Schwimmbecken. Von ihnen führt ein rund 60 Kilometer langes unterirdisches Rohrleitungssystem zu den Standplätzen der Flieger.
Der Vorrat reicht rechnerisch etwa für zwölf Tage, sofern keine neuen Lieferungen ankommen. Dennoch droht am Flughafen Frankfurt nun Kerosinknappheit, wie die Zeitung Bild berichtet. Auslöser ist gemäß dem Bericht der niedrige Pegelstand des Rheins. Der führt dazu, dass Tankschiffe seit Monaten kaum noch, oder nur noch mit reduzierter Ladung zum Terminal am Main gelangen, von wo aus der Airport mit Kerosin versorgt wird. Zudem ist aus ungenannten Gründen die Pipeline-Kapazität eingeschränkt, was die Situation verschärft.
Lufthansa: «Vorsorglich verschiedene Maßnahmen ergriffen»
Eine Folge: Lufthansa als größte Fluggesellschaft am Frankfurter Flughafen hat gemäß Bild ihre Pilotinnen und Piloten angewiesen, an anderen Flughäfen mehr zu tanken als eigentlich nötig. So können sie es vermeiden, in Frankfurt zu tanken, oder müssen dort zumindest weniger nachtanken. Im Jargon nennt man dieses Vorgehen Tankering. Betroffen sind laut dem Bericht vor allem Kurzstreckenflüge, zunehmend aber auch Langstreckenverbindungen.
Mit dem Tankering will Lufthansa verhindern, dass Fluggäste oder Fracht stehen gelassen werden müssen und Einnahmen verloren gehen. Der Konzern bestätigt die Maßnahme: «Bei der Versorgung mit Kerosin kann es am Flughafen Frankfurt aktuell zu Einschränkungen kommen», so eine Sprecherin. «Lufthansa hat vorsorglich verschiedene Maßnahmen ergriffen, um einen verlässlichen Flugbetrieb sicherzustellen. Dazu gehört unter anderem, dass Flugzeuge auf ausgewählten Verbindungen vor Abflug nach Frankfurt zusätzlichen Kraftstoff tanken. Mit Flugstreichungen ist deshalb derzeit nicht zu rechnen.»
aeroTELEGRAPH