«Ich konnte nicht einmal auf die Toilette gehen», schilderte sie später. Turbulenzen oder ein verschütteter Rotwein hätten das Instrument beschädigen können. Der Vorfall vom 28. November 2025 löste eine breite Debatte aus. Widmann, die rund 60 internationale Auftritte im Jahr absolviert und bei Lufthansa den Senator-Status hält, machte ihrem Ärger öffentlich Luft. Sie schrieb einen offenen Brief an Konzernchef Carsten Spohr und forderte eine Anpassung der Regeln.
Formal hatte Bodenpersonal von Lufthansa korrekt gehandelt
Formal hatte das Bodenpersonal nämlich korrekt gehandelt: Die Standardmaße für Handgepäck bei Lufthansa sahen bislang eine maximale Länge von 55 Zentimetern vor. Instrumente, die diese überschreiten, mussten eingecheckt oder auf einem eigenen Sitz transportiert werden. Bei Widmann hatte sich das Personal allerdings bis dahin immer kulant verhalten und den Kasten zugelassen.
Geige im Flugzeug: Für Widmann war es ein heikler Flug. Carolin Widmann/Instagram
Nun reagiert die Airline. Ab März gilt bei den Fluggesellschaften von Lufthansa Group eine neue Regelung für kleine Musikinstrumente wie Violine, Trompete oder Ukulele. Statt einer starren Längenbegrenzung greift künftig eine sogenannte Summenregel: Höhe plus Breite plus Tiefe des verpackten Instruments dürfen zusammen maximal 125 Zentimeter betragen.
Keine einheitlichen Vorschriften zu Instrumenten in der EU
Damit können künftig auch längere Instrumentenkästen mit an Bord genommen werden, solange sie insgesamt die neue Maßvorgabe einhalten. Laut Lufthansa wurde die Anpassung «aufgrund verschiedener Kundenfeedbacks» umgesetzt, berichtet der Sender NDR Kultur.
In der EU gibt es bislang keine einheitliche Vorschrift zur Mitnahme von Musikinstrumenten in der Kabine – anders als in den USA, wo Airlines verpflichtet sind, Instrumente mitzunehmen, sofern sie sicher verstaut werden können. Für viele Musikerinnen und Musiker bleibt das Reisen daher ein Unsicherheitsfaktor.
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