Letzte Aktualisierung: um 7:25 Uhr

Dreamliner-Probleme

FAA schaut Boeing bei 787 genauer auf die Finger

Nach Produktionsproblemen bei Boeing überprüft die Luftfahrtbehörde der USA mindestens vier 787 selber. Die FAA muss das Vertrauen in ihre Zertifizierungen wiederherstellen.

Boeing

Boeing 787 Dreamliner: Die FAA guckt sich das selber an.

Seit mehr als vier Monaten hat Boeing keine Dreamliner mehr ausgeliefert. Der Grund dafür ist eine ganze Reihe von Problemen bei der Produktion. Noch im März will Boeing erstmals wieder neue Exemplare des Langstreckenjets an Kunden übergeben. Dazu müssen sie inspiziert und mögliche Probleme behoben sein – beispielsweise zu große Abstände, die beim Zusammenbau von Sektionen am hinteren Rumpf gelassen wurden.

Die amerikanische Luftfahrtbehörde Federal Aviation Administration FAA stellt jetzt klar, dass sie selber vier Boeing 787 auf deren Lufttüchtigkeit überprüfen und diese zertifizieren wird. Bei Bedarf könne das auch bei weiteren Exemplaren erfolgen, so die Behörde in einer Stellungnahme. Das klingt im ersten Moment gar nicht ungewöhnlich, doch es berührt den Kern des Problems rund um die Zulassung von Boeing-Flugzeugen in den USA.

Boeing kontrollierte sich selbst

Dahinter steht ein System namens Organization Designation Authorization, kurz ODA. Es ermöglicht der FAA, Aufgaben an Angestellte der Unternehmen zu delegieren, die sie überwacht. Diese Firmen stellen dafür Mitarbeitende ab.

Im Februar veröffentliche das Office of Inspector General als Aufsichtsabteilung des Verkehrsministeriums einen ausführlichen Bericht zu den Problemen dieses Systems bei der Zertifizierung der Boeing 737 Max 8. Eine Grafik darin zeigt, dass die FAA Anfang 2017 die Arbeiten zu 100 Prozent an den Flugzeugbauer delegiert hatte. Der Hersteller kontrollierte sich selbst.

ODA-Mitarbeitende schikaniert

Doch auch bei der 787 führte die Organization Designation Authorization zu Problemen. Im Sommer 2020 berichtete die FAA, Boeing habe bei der Dreamliner-Produktion in North Charleston gegen die Regeln des Systems verstoßen. Zum einen sollen von Boeing abgestellte ODA-Mitarbeiter an Boeing-Vorgesetzte berichtete haben, die dem Programm gar nicht angehörten.

Zum anderen sollen mindestens vier leitende Boeing-Manager in dem Werk unangemessen Druck auf ODA-Mitarbeiter ausgeübt haben, die mit der Überwachung der Qualitätskontrolle bei der Produktion des 787 Dreamliners beauftragt waren. Die Führungskräfte haben die abgestellten Mitarbeiter demnach unter anderem zu schnelleren Freigaben gedrängt, sie schikaniert und ihnen gedroht, sie ersetzen zu lassen. Genau dieser Standort North Charleston ist mittlerweile das einzige Werk für die Endmontage der 787.

787-Inspektion ist nur ein Schritt

Die amerikanische Luftfahrtbehörde plant, das ODA-System bis Juli 2021 zu überarbeiten. Das macht das Office of Inspector General in seinem Bericht klar. Es stellt aber auch fest, wie dringend nötig das ist.

«Es bleibt noch viel zu tun, um Schwächen in den Zertifizierungsrichtlinien und -prozessen der FAA zu beheben und die Kommunikation mit den Herstellern und innerhalb der Behörde zu verbessern», heißt es. Weitere Schritte seien erforderlich, um das Vertrauen in den Zertifizierungsprozess wiederherzustellen. Dass die FAA nun mindestens vier 787 nach den Produktionsproblemen selber freigeben wird, ist ein Schritt in diese Richtung.



Die Redaktion behält sich das Recht vor, Kommentare zu moderieren und zu kürzen. Kritische Diskussionen sind willkommen. Beschimpfungen oder Kommentare mit rassistischem, sexistischem, themenfremdem, rein politischem, beleidigendem oder rein polemischem Inhalt hingegen werden entfernt. Es besteht kein Recht auf Veröffentlichung. Über die Entscheide der Moderatoren wird keine Korrespondenz geführt.

>