Letzte Aktualisierung: um 14:00 Uhr

Flüge nach Asien betroffen

Europäische Fluggesellschaften umfliegen Weißrussland

Die EU reagiert auf den Vorfall mit Ryanair in Weißrussland. Europäische Fluggesellschaften wurden aufgerufen, den Staat zu umfliegen. Das hat neue Routenführungen vor allem nach Asien zur Folge.

Lufthansa/Oliver Roesler

Lufthansa Boeing 747: Auf dem Weg nach Ostasien muss sie künftig Weißrussland umfliegen.

Am Sonntag (23. Mai) wurde Flug FR4978 von Ryanair von Athen nach Vilnius von Weißrussland abgefangen. Er wurde zur Landung in der Hauptstadt Minsk gezwungen. Daraufhin wurde ein regierungskritischer Journalist, der sich an Bord befand, von den Behörden festgenommen.

Die autokratische Regierung des Landes hat mit dem Eingriff, bei dem sogar ein Kampfflugzeug zum Einsatz kam, gegen internationale Luftfahrtregeln verstoßen, um einen politischen Gegner aufzugreifen. Der Vorfall soll jetzt auch von der Internationalen Zivilluftfahrtorganisation Icao ausführlich untersucht werden. Das Vorgehen sorgte sofort auch für Diskussionen, ob es noch sicher ist, über Weißrussland zu fliegen. Der Europäische Rat hat sich jetzt klarer ausgedrückt: Nein.

EU ruft Airlines zum Umfliegen auf

Am Montagabend einigten sich die EU-Mitgliedsstaaten als Reaktion auf den Ryanair-Vorfall an einem Gipfel auf Sanktionen gegen Weißrussland. Neben wirtschaftlichen Maßnahmen gegen Personen und Unternehmen ist auch die Luftfahrt betroffen. Weißrussische Fluggesellschaften dürfen nicht mehr in Länder der Europäischen Union fliegen. Im deutschsprachigen Raum sorgt das für die Einstellung von fünf Belavia-Routen nach Deutschland und Österreich.

Zudem ruft der Rat in seinem Beschluss Fluggesellschaften in Europa dazu auf, den Luftraum von Weißrussland zu umfliegen. Dieser wird nach der erzwungenen Landung der Boeing 737 von Ryanair nicht mehr als sicher angesehen. «Der Europäische Rat fordert alle Fluggesellschaften mit Sitz in der EU auf, Flüge über Weißrussland zu vermeiden».

Manche wichen selbstständig aus

Ein paar Länder und Fluggesellschaften hatten schon vor der EU-Einigung eigene Maßnahmen beschlossen. Litauen hatte noch am Sonntagabend angekündigt, Airlines zu untersagen, den Luftraum Weißrusslands zu verwenden. Air Baltic und Wizz Air entschieden ebenfalls am Sonntag, Umwege zu nehmen.

Am Montag wies die britische Regierung Fluggesellschaften an, Weißrussland zu umfliegen. Außerdem dürfen Airlines des autokratischen Staates auch nicht mehr nach Großbritannien fliegen. Air France-KLM reagierte, nachdem die niederländische Regierung dazu aufgerufen hatte, das Land zu meiden.

Lufthansa machte selber negative Erfahrungen

Wenige Stunden vor dem Beschluss des Europäischen Rates, bestätigte die Lufthansa gegenüber aeroTELEGRAPH, dass sie vorübergehend nicht mehr durch weißrussischen Luftraum fliegen wird. Kurz zuvor musste das deutsche Unternehmen selber negative Erfahrungen machen.

Ein Airbus A319 von Lufthansa wurde am Nachmittag vor seinem Rückflug nach Frankfurt zwei Stunden in Minsk am Boden gehalten. Dabei wurden die Passagiere, ihr Gepäck, Fracht und das Flugzeug von weißrussischen Behörden durchsucht. Angeblich gab es einen Sicherheitswarnhinweis – worum es sich bei diesem konkret handelte, ist aber unklar.

Langstrecken nach Ostasien müssen Umwege nehmen

Besonders viele Flüge von EU-Airlines nach Weißrussland gibt es nicht. Doch der Luftraum des autokratischen Landes ist trotzdem wichtig. Denn viele Flüge nach Russland, Zentralasien, und vor allem Ostasien führen normalerweise über das Land.

So flogen etwa Flüge von Frankfurt nach Moskau, Almaty oder Shanghai in der Regel über Weißrussland. Auch Strecken wie München nach Seoul, Zürich nach Peking oder Tokio, und Wien nach Shanghai flogen oft über das Land.



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