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Attentat von Istanbul

Türkischer Luftfahrt droht ein Paris-Szenario

Jede Woche starten über 800 Flüge von Deutschland in die Türkei. Das Attentat in Istanbul dürfte die Auslastung kurzfristig drücken. Das zeigt ein Blick auf ähnliche Fälle.

Istanbul: Bei Touristen sehr beliebt.

Die Anschläge in Paris vom 13. November waren ein Schock. Ein koordinierter Angriff von islamistischen Attentätern an fünf Orten der französischen Hauptstadt forderte 130 Tote und über 300 Verletzte. Das hatte für den Luftverkehr zumindest kurzfristig dramatische Folgen. Heimairline Air France verlor im November und Dezember nach eigenen Angaben 120 Millionen Euro Umsatz. Aber auch ausländische Fluggesellschaften litten. Japan Airlines JAL verzeichnete einen Einbruch der Buchungen zwischen Tokio Narita und Paris um 60 Prozent und stellte den Flug bis auf weiteres ein.

Nun droht der Türkei ein ähnliches Szenario. Der Anschlag eines Einzeltäters in Istanbul vom Dienstag (21. Januar) kostete zehn deutsche Touristen das Leben. Elf weitere liegen noch immer im Krankenhaus. Der Terrorist hatte bewusst einen touristischen Ort ausgewählt – den Stadtteil Sultanahmet zwischen Hagia Sophia und Blauer Moschee. Das sind nicht die Schlagzeilen, die man als Urlauber lesen will. Manch einer wird sich nun überlegen, ob er in nächster Zeit wirklich in die Türkei fahren will.

Jede Woche 100.000 verfügbare Sitze

Das Attentat wird sich daher zweifelsohne auf den Buchungsstand der Fluglinien auswirken. Besonders exponiert ist dabei Deutschland. Nicht nur, weil es in Istanbul Deutsche traf. Die Bundesrepublik ist auch der wichtigste Markt für die türkische Tourismusindustrie. Jede Woche fliegen mehr als 820 Flugzeuge von deutschen Flughäfen in die Türkei. Auf ihnen stehen insgesamt 100.000 Sitze zur Verfügung. Aus der Schweiz sind es gemäß der Luftfahrt-Datenbank CH Aviation 115 Flüge mit 16.000 verfügbaren Sitzen und aus Österreich 83 Flüge mit 11.000 Sitzen. Schon kleine Rückgänge bei diesen Flügen können viel ausmachen.

Für die Türkei ist das umso schlimmer. Sie leidet bereits unter dem Ausbleiben der Russischen Touristen. Sie sind mit rund 12 Prozent aller Ankünfte die zweitgrößte Besuchergruppe nach den Deutschen. Moskau verbot nach dem Abschuss eines russischen Kampfjets durch die türkische Armee kürzlich Charterflüge in das Land am Mittelmeer.

Die Luftfahrt steckt viel weg

Doch es gibt auch eine positive Lektion, die man aus de Anschlägen von Paris und anderen Terrorattacken lernen kann. Bereits Mitte Dezember spürte Air France eine langsame Normalisierung der Buchungssituation. Und die weitaus schlimmeren und direkt auf die Luftfahrt gerichteten Attentate vom 11. September 2001 in den USA führten zwar zu einem massiven und globalen Einbruch der Passagierzahlen. Schon 2004 lagen sie aber wieder höher als je zuvor.



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