Thomas Mayer, Luftbild des Flughafens Hahn: «Lassen Sie uns alle Verkehrsträger gesamt-ökologisch untersuchen und bewerten.»

Thomas Mayer, Interessengemeinschaft regionaler Flugplätze«Die meisten kleinen Flughäfen sind nicht defizitär»

Eine Studie hält viele deutsche Regionalflughäfen für unnötig. Die Analyse sei falsch und tendenziös, antwortet Thomas Mayer von der Interessengemeinschaft regionaler Flugplätze.

Top-Jobs

Pilatus Logo

Principal Engineer - Flight Physics Simulation

Pilatus Flugzeugwerke AG
Vollzeit
Top jobs
Schweiz
Feste Anstellung
Flugzeughersteller
aaa aviation academy austria logo

ATO Training Expert (m/f/d)

Aviation Academy Austria
Vollzeit
Neusiedl am See
Top jobs
Österreich
Feste Anstellung
Flugschule
Pilatus Logo

Head of Mechanical Final Assembly PC-12 (a)

Pilatus Flugzeugwerke AG
Vollzeit
Top jobs
Schweiz
Feste Anstellung
Flugzeughersteller
Pilatus Logo

Lizenzierter Luftfahrzeugmechaniker Experimental Shop (a)

Pilatus Flugzeugwerke AG
Vollzeit
Top jobs
Schweiz
Feste Anstellung
Flugzeughersteller

Eine neue Studie zweier Umweltorganisationen spricht gleich sieben deutschen Regionalflughäfen die Existenzberechtigung ab. Überrascht?

Thomas Mayer*: Nein, ich bin gar nicht überrascht. Die Studie ist ja auch keine wissenschaftliche, sondern eine oberflächliche Auftragsarbeit. Sie leidet von Seite 1 an unter tendenziösem, unwissenschaftlichem Ausdruck. Beispiel Seite 6: «Zusätzlich zählen wir das prominenteste Menetekel einer Fehlinvestition» und viele weitere Beispiele. Ergebnisse werden vorweggenommen; es werden einseitige Beispiele geliefert. Mit anderen Worten. Es handelt ich nicht um eine wissenschaftliche Studie, sondern um den Versuch, eine feststehende Meinung mit Argumenten zu unterfüttern. Dies zeigt auch, dass das Fazit Punkte wie die Kerosinsteuer enthält, die in der Studie gar nicht thematisiert werden. Und darüber hinaus werden die Negativwirkungen anderer Verkehrsträger still und klammheimlich unterschlagen.

Aber viele Flughäfen erbringen zwar eine Wertschöpfung, arbeiten jedoch mit hohen Verlusten. Sie überleben nur dank laufender Unterstützung der öffentlichen Hand. Das ist doch ein Nullsummenspiel.

Da stützen Sie sich auf falsche Daten. Die meisten kleinen Flughäfen und Flugplätze sind wenig bis gar nicht defizitär. Problematisch sind nur die, die den vollen Aufwand für Linienverkehr vorhalten müssen und einen kleinen Kostenteiler haben. Aber auch hier gibt es Ausnahmen, der kleine Verkehrslandeplatz Mannheim mit gerade mal 30.000 Passagieren pro Jahr trägt sich trotz Linienverkehr. Ich muss allerdings zugeben, dass das keineswegs alle Regionen in Deutschland hinbekommen können. Dafür braucht es einen hohen Bedarf an schneller Mobilität mit der Bereitschaft deutlich höhere Preise für den Beschleunigungseffekt zu entrichten. Das funktioniert nur mit einem hohen Anteil an Geschäftsreisenden.

Gibt es in Deutschland nicht ganz einfach zu viele Flughäfen? Einige liegen ja sehr nahe beieinander und viele zählen nur sehr wenige Passagiere.

Nein, es gibt lediglich kaum passendes Angebot an Regionalverbindungen. Der Bedarf ist vorhanden. Eine Studie mehrerer unabhängiger wissenschaftlicher Einrichtungen beziffert 300 nicht bediente Strecken allein innerhalb Deutschlands. Unser Problem sind also nicht die vielen Flugplätze, sondern die schlechte Auslastung wegen fehlenden Angebots und das wiederum wegen fehlender Luftverkehrskonzepte außerhalb der klassischen Netzwerk- und Billigairlines.

Die Umwelt würde durch Umwege unnötig belastet.

Ist es in der Tat nicht besser, den Flugverkehr an den großen Flughäfen zu zentralisieren?

Für die Netzwerkanbieter wäre das vielleicht noch eine interessante Variante. Nicht jedoch für die Umwelt und Gesellschaft. Letztere verliert Zeit und gleiche Lebensverhältnisse in allen Regionen, während die Umwelt durch Umwege unnötig belastet würde. Der Verkehr sollte dort abgewickelt werden wo der Bedarf dafür entsteht.  Das ist übrigens eine wesentliche Erkenntnis einer wirklich wissenschaftlichen Befassung der Europäischen Kommission mit Mobilitätsfragen; veröffentlicht im sogenannten TEN-T-Papier.

Was ist denn für Sie das Kriterium, ob es einen Flughafen wirklich braucht?

Der Bedarf an schneller, zuverlässiger, sicherer und flexibler Mobilität.

Was können die Flughäfen tun, um Kritikern den Wind aus den Segeln zu nehmen?

Mit der Politik einen sozio-ökonomischen Deal eingehen. Lassen Sie uns den Mobilitätsbedarf unter Berücksichtigung der Vorgabe ähnlicher Lebensverhältnisse analysieren, alle Verkehrsträger gesamt-ökologisch untersuchen und bewerten. Darüber hinaus muss das Verbesserungspotenzial jedes Verkehrsträgers hinsichtlich seiner Öko-Bilanz evaluiert und ausgehoben werden. Da kommen Sie nicht mehr um einen dezentralen Luftverkehr umhin. Allein schon, wenn sie bedenken, dass mit zwei Kilometer Startbahn jeder Punkt in Europa erreicht werden kann, mit zwei Kilometer Straße oder Bahn kommen sie eben nur zwei Kilometer weit.

* Thomas Mayer ist Geschäftsführer der Interessengemeinschaft der regionalen Flugplätze in Deutschland.

Mehr zum Thema

Familie am Flughafen Kassel: Braucht es den Airport?

Sind sieben deutsche Regionalflughäfen überflüssig?

Airport Friedrichshafen: Gehört hier alles bald einem neuen Eigentümer?

Bundesland hält Darlehen für Bodensee-Airport zurück

Flughafen Hahn droht Verlust der wichtigsten Airline

Flughafen Hahn droht Verlust der wichtigsten Airline

ticker-deutschland

Deutschland liegt im Winter bei 85 des Vorpandemieniveaus

Video

Bangkok Suvarnabhumi aus der Luft: Der Flughafen soll seine Kapazität verdoppeln.
Der Flughafen Bangkok-Suvarnabhumi soll künftig 120 Millionen Fluggäste pro Jahr abfertigen, doppelt so viele wie heute. Dafür sind ein neues Südterminal und eine vierte Piste geplant. Und schon zuvor soll es eine Erweiterung geben.
Benjamin Recklies
Benjamin Recklies
Bildschirmfoto 2026-11-04 um 125453
Ein Learjet 60 stürzte fast senkrecht auf eine Straße in Florida, neun Menschen starben. Jetzt wurden Teile des Höhenruders gefunden - bis zu 6,1 Kilometer vom Wrack entfernt.
Laura Frommberg
Laura Frommberg
learjet absturz florida 01
Die US-Unfalluntersuchungsbehörde NTSB hat sich zum tödlichen Absturz des Bombardier Learjet 60 in Florida geäußert. Das sind die Erkenntnisse über die letzten Minuten des Unglücksfluges, der in ein Wohngebiet stürzte.
Timo Nowack
Timo Nowack