Flieger von Lauda: Wohl nur noch fünf Flugzeuge in Wien.

Erneut SparkursDer schleichende Tod von Lauda

Die Chefs von Lauda drohen wieder einmal mit der Schließung des Standorts Wien. Ob es die vorletzte oder letzte Drohung ist, ist egal. Denn die Wiener Basis ist, wie Lauda selbst, nur mehr ein Schatten von einst.

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Als Geschäftsführer von Lauda war David O’Brien schon immer der verlängerte Arm von Ryanair und Konzernlenker Michael O’Leary. Im jüngsten Brief an die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in Wien beklagt er – wieder einmal – die hohen Kosten in Wien. Allen voran die neuen Ticketsteuern in Wien, die die Kurzstrecken verteuern sollen.

Kein gutes Haar lässt O’Brien auch an den Plänen der österreichischen Regierung, für Tickets einen Mindestpreis einführen zu wollen. Das widerspreche dem Recht auf freie Preisfindung, kritisiert er – und findet sich in Gesellschaft mit der EU-Kommission, die da jüngst eine Anfrage nach Wien geschickt hat und Informationen möchte.

Flughafen Wien: Keine Sonderregelungen für einzelne Airlines

Neben den generell steigenden Kosten am Standort beklagt O’Brien gegenüber den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern, dass die Verhandlungen mit dem Flughafen Wien über die Zukunft von Ryanair und die Unterstützung des Flughafens gescheitert seien. Die Replik des Flughafenmanagements kam prompt: Man habe im Vorjahr bereits «Unterstützungsmaßnahmen für Airlines zur Kostenreduktion und Kapazitätserhöhung beschlossen, die auch von allen Airlines angenommen wurden. Sonderregelungen für einzelne Fluglinien darf es schon aus wettbewerbsrechtlichen Gründen nicht geben».

Die irische Billigfluggesellschaft Ryanair fliegt derzeit in Wien mit rund 10 Prozent der ursprünglichen Kapazität. O’Briens Botschaft an die Belegschaft: Kostenerhöhungen könnten nicht hingenommen werden, es drohen Arbeitsplatzverluste. Und es sei ungewiss, ob man die Basis in Wien auf Dauer halten werde könne.

Unbezahlter Urlaub bis Juni

O’Brien fordert die Belegschaft in einem Schreiben, das aeroTELEGRAPH vorliegt, auch auf, bis Juni unbezahlten Urlaub zu nehmen oder ihren Jahresurlaub zu konsumieren. Bleibe die Nachfrage weiter schwach, werde Lauda von Wien aus zu Sommerbeginn nur fünf Flugzeuge betreiben.

Die Argumentation und Vorgehensweise von Lauda sind weder überraschend noch neu. Sie unterstreicht den schleichenden Niedergang von Lauda, der ja im Grunde mit der völligen Übernahme der Fluglinie durch Ryanair 2018 begonnen hat und seit dem Tod des Gründers Niki Lauda verstärkt worden ist. Übertüncht wurde das von vollmundigen Ankündigungen Michael O’Learys im September 2019, man werde Austrian Airlines überholen und stärkste Fluglinie in Wien werden.

«Wir sind stolz, dass die Marke Lauda in Wien weiter besteht»

Es folgte im März 2020 zu Beginn der Corona-Epidemie ein heftiger Streit zwischen Lauda und der Gewerkschaft um einen Kollektivvertrag, in dessen Zug für alle 550 Mitarbeitenden in Wien die Kündigung angemeldet wurde. Im Juni unterschrieb die Geschäftsführung den Kollektivvertrag doch noch. Die Schrumpfung hielt das vielleicht etwas auf, verhinderte wurde sie aber nicht.

Praktisch zeitgleich wurde die Flotte von Lauda von 16 auf 1o Flieger reduziert, die Mitarbeiterzahl auf 330. Seit da gibt es nur noch Ryanair-Flugnummern. Die Firmenchefs Andreas Gruber und David O'Brien in einer Aussendung: «Wir sind stolz, dass die Marke Lauda in Wien weiter besteht».

Mehr als 300 Millionen Euro gekostet

Im September war Lauda in der ursprünglichen Form Geschichte. Der Flugbetrieb, so die Ankündigung, werde über Lauda Europe von Malta aus betrieben, die Flugzeuge mit dem Luftverkehrsbetreiberzeugnis (Englisch: Air Operator Certificate oder AOC) der maltesischen Luftfahrtbehörde betrieben. Ende September und Ende Oktober folgten das Aus für die Basen in Stuttgart und Düsseldorf. 200 Arbeitsplätze gingen verloren.

Im Dezember 2020 und mitten im Winter der Corona-Krise schließlich kündigte Ryanair an, dass die Basis in Wien geschlossen werden soll. Eine Drohung, die jetzt offenbar erneuert wird. So sieht der schleichende Tod einer Fluglinie aus, die Niki Lauda unter großem medialen und politischen Jubel statt der Lufthansa aus der Insolvenzmasse der Air Berlin übernommen hatte. Ryanair hat das Abenteuer Lauda und Wien allein bis Ende März 2020 mehr als 300 Millionen Euro gekostet.

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