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Coronavirus-Epidemie bricht Flybe das Genick

Die Corona-Krise hat ein erstes Opfer unter Fluggesellschaften gefordert. Die bereits angeschlagene Flybe muss den Betrieb einstellen und Insolvenz anmelden.

Flybe

Flieger von Flybe: Bleiben am Boden.

Zuerst zeigte sich die Regierung von Premierminister Boris Johnson offen für eine staatliche Hilfe. Sogar eine Beteiligung war ein Thema. Am Ende aber wollte sie nicht mehr und Flybe rannte die Zeit davon. Am Mittwochabend (4. März) stellte die britische Fluggesellschaft den Betrieb ein. Sie meldet Insolvenz an.

Erste Zeichen, dass etwas nicht stimmte, zeigten sich in den Stunden zuvor. Passagiere berichteten, dass Angestellte am Flughafen ihnen mitgeteilt hätten, dass alle Flüge am Donnerstag abgesagt seien. Ein Reisender erzählte, der Pilot habe in seiner Durchsage erklärt, dass Flybe Insolvenz anmelden müsse. Kurz vor Mitternacht ging dann die Webseite der größten europäischen Regionalairline offline.

Geld reichte nicht mehr

Flybe hatte seit Januar akute Geldprobleme. Das Management verhandelte daher mit der Regierung über einen Notkredit oder eine Beteiligung sowie einen Erlass der Ticketsteuer. Zu einem definitiven Ergebnis kamen die beiden Parteien aber nicht. Nur ein Aufschub von Steuerzahlungen im einstelligen Millionenbereich wurde bereits ausgehandelt.

Das reichte nicht. Denn der Ausbruch der Coronavirus-Epidemie ließ auch bei Flybe die Buchungszahlen einbrechen. «Das hat eine schlimme Situation verschlimmert», so ein Insider zur Zeitung Financial Times. Die Fluglinie habe plötzlich nur noch Reserven bis zum Ende der Woche gehabt.

Virgin mit an Bord

In einer Mitteilung an die Angestellten schrieb Chef Mark Anderson: «Mit enormer Trauer und großem Bedauern teile ich die erschütternde Nachricht mit, dass Flybe demnächst Insolvenz anmeldet». Trotz aller Bemühungen habe man keine andere Alternative mehr, man sei am Ende angelangt. «Unsere Aktionäre und das Führungsteam haben zwar mit der Regierung und den wichtigsten Zulieferern zusammengearbeitet, um die erforderliche Finanzierung und Unterstützung zu erhalten, aber dies ist nicht geschehen», so Anderson gemäß der Zeitung Devon Live.

Dabei sah es vor einem Jahr noch gut aus für die rund 2400 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Ein Konsortium aus der amerikanischen Finanzfirma Cyrus Capital (40 Prozent), dem auch in der Luftfahrt aktiven britischen Mischkonzern Stobart Group (30 Prozent) und Virgin Atlantic (30 Prozent) übernahm damals Flybe. Sie investierten 135 Millionen Pfund in die Airline, die zu einem Virgin-Zubringer werden sollte. Doch im Januar war die Fluggesellschaft schon wieder klamm.

Vierte Pleite im Land

Mit Flybe erlebt das Vereinigte Königreich die vierte Airline-Insolvenz innerhalb von drei Jahren. Monarch stellte den Betrieb im Oktober 2017 ein, Fly BMI im Februar 2019,Thomas Cook Airlines im September 2019.

Bitter ist das Ende von Flybe für einige regionale Flughäfen. So war die Regionalairline in Southampton für 95 Prozent der Flüge verantwortlich, in Belfast City für 80, in Exeter für 78 und in Newquay für 65 Prozent.



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