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Pannen und Verspätungen

Chronik des Eurowings-Fehlstarts

Eurowings kann so nicht weitermachen – das hat man bei Lufthansa erkannt. Eine Arbeitsgruppe prüft nun, weshalb genau der Start der Langstrecken-Billigairline so miserabel verlief.

Lufthansa hat genug vom Chaos bei Eurowings. Nach Monaten von negativen Schlagzeilen und unzufriedenen Kunden kümmert sich die Mutter darum, dass es bei ihrer Billig-Tochter wieder rund läuft. «Es wird nun kurzfristig eine Arbeitsgruppe eingesetzt, die den Betrieb schonungslos analysiert», erklärt Eurowings-Sprecher Joachim Schöttes gegenüber aeroTELEGRAPH. Und er gesteht ein: «Unser Angebot entspricht nicht dem, was wir den Gästen versprochen hatten».

Angefangen hat alles im Oktober, direkt nach dem offiziellen Start von Eurowings. Und es ist nicht übertrieben, die ersten Monate von Lufthansas Billig-Langstreckentochter als Fehlstart zu bezeichnen. Ein Überblick:

Oktober 2015: Noch vor dem Langstreckenflug schreibt Eurowings die erste Negativschlagzeile. Ein Airbus A330, der für die Langstreckenflotte gedacht ist, verliert nach dem Start in Köln eine Triebwerksabdeckung. Der Pilot fliegt dennoch wie geplant nach Mallorca. Der Zwischenfall muss untersucht werden, der Flieger fällt für längere Zeit aus. Dieser Ausfall trifft die Airline schwer. Denn: Nun bleibt ihr zunächst nur noch ein Airbus A330.

November 2015: Eurowings hebt am 2. November erstmals auf der Langstrecke ab. Das neue Angebot der Lufthansa-Tochter umfasst Flüge nach Thailand, Dubai und in die Karibik. Doch schon wenige Tage nach dem Start gibt es erste Meldungen über massive Verspätungen. Von drei Flügen nach Kuba waren drei massiv verspätet. Allein in den ersten Betriebswochen drohen der neuen Billigairline Entschädigungsforderungen von Passagieren in Höhe von mehr als einer halben Million Euro. Auf Bewertungsportalen schneidet auch der Service von Eurowings unterdurchschnittlich ab.

Dezember 2015: Die Verspätungen werden länger und häufen sich. Die Flotte von Eurowings ist schlicht nicht groß genug. Kleine Probleme werden schnell zu großen, da es keine Ersatzmaschinen gibt. Zudem führt die noch fehlende Zertifizierung für Etops-120-Flüge zu längeren Flugzeiten. Etops steht für Extended Range Twin-Engine Operations Performance Standards und besagt bei zweistrahligen Fliegern, wie schnell sie mit nur noch einem Triebwerk einen Ausweichflughafen erreichen müssen. Eurowings bekam zum Start nur Etops 90, was 90 Minuten entspricht. Auf den Lufthansa-Konzern kommen Entschädigungszahlen in Höhe von mehreren Millionen zu. Wie das Fluggastrechteportal Fairplane für den Deutschlandfunk errechnet, waren von 126 Langstreckenflügen von Eurowings 31 verspätet – im Schnitt um 5,8 Stunden.

Januar 2016: Es wird nicht besser. In der Zeit vom 26. Dezember bis 5. Januar waren gemäß Fairplane 38 Prozent aller Euwowings-Langstreckenflüge verspätet. Die Airline selbst präsentiert mit 7 Prozent eine geringere Zahl. Wie als i-Tüpfelchen dann am 12. Januar die Meldung: Rund 300 Passagiere aus Kuba kommen mit absurden 68 Stunden Verspätung in der Heimat an (siehe Video unten). Schon einige Wochen vorher hatte es auf einem Kuba-Flug ebenfalls eine riesige Verspätung gegeben, allerdings «nur» von 37 Stunden. Kurz danach die nächste Meldung: Eurowings stellt die Flüge nach Dubai ein, um die Verspätungen auf anderen Strecken besser in den Griff zu bekommen. Im Sommer übernimmt Lufthansa die Verbindung. Man habe einzelne Aspekte nicht richtig eingeschätzt, so Lufthansa-Vorstand und Eurowings-Verantwortlicher Karl Ulrich Garnadt zur Zeitung Kölner Stadt-Anzeiger. Man werde alles tun, um das Ruder herumzureißen und die Verspätungen «schnellstmöglich abstellen».

Wie weiter? Wie es für Eurowings nun weiter geht, muss die Arbeitsgruppe entscheiden. Eine Ausdünnung des Flugplans, wie sie mit der Dubai-Maßnahme schon begonnen wurde, wäre sicherlich hilfreich. Im Mai könnte dann ein wenig Entlastung folgen. Zwei weitere Airbus A330 stoßen zur Eurowings-Flotte. Dann will die Airline außerdem die vier neuen Ziele Boston, Las Vegas, Miami und Mauritius anbieten – ob es bei dem ambitionierten Vorhaben bleibt, bleibt abzuwarten. Die Buchungen scheinen unter den Problemen nicht zu leiden. Laut Eurowings-Sprecher Schöttes sind die Flugzeuge «alle voll». Das könne aber eben auch zum Problem werden. «Wenn dann ein Ereignis eintritt, wirkt sich das voll aus.»



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