Was in Deutschland die Luftverkehrsteuer ist, ist in Frankreich die Taxe de solidarité sur les billets d'avion, kurz TSBA. Sie wird pro Fluggast beim Abflug von einem französischen Flughafen fällig. Zum 1. März 2025 hat Frankreich die Abgabe erhöht. Im Linienverkehr fiel der Aufschlag vergleichsweise moderat aus. Die Erhöhungen für die Geschäftsfliegerei sind dagegen deutlich höher und reichen von 207,37 bis 2097,37 Euro pro Reisendem, teilte die französische Zivilluftfahrtbehörde DGAC in einer Studie aus dem November 2025 mit.
Schon Ende März 2025, kurz nach der Erhöhung, hatte der Vorsitzende des Branchenverbandes EBAA France, Charles Aguettant, in der Zeitung Journal du Dimanche von einer Vervielfachung der Abgabe um den Faktor 700 gesprochen. Er warnte, Frankreich könne für Geschäftsreisende an Attraktivität verlieren.
Minus in jedem Quartal für französische Anbieter
Die Warnung hat sich teilweise bewahrheitet, zeigt nun der jährliche Bericht des Generalberichterstatters im Finanzausschuss der Nationalversammlung, der auf den 23. September vorgestellt wurde. Er prüft, wie die Steuern aus den vergangenen Haushaltsgesetzen wirken. Demnach ist der Verkehr französischer Geschäftsfluganbieter in jedem Quartal seit der Erhöhung deutlich geschrumpft. Im Jahresvergleich lag das Minus zwischen 11 und 20 Prozent, zuletzt im zweiten Quartal 2026 bei 11 Prozent.
Gleichzeitig legte die ausländische Konkurrenz um 3 bis 4 Prozent zu. Ihr Anteil am Geschäftsflugverkehr in Frankreich stieg von 86 Prozent Anfang 2025 auf 91 Prozent Mitte 2026. Für französische Betreiber bleibt damit nicht einmal mehr jeder zehnte Flug. Einige Gesellschaften hätten ihre Flugzeuge im Ausland registriert, andere ihr Geschäft verkleinert oder ganz aufgegeben, heißt es im Bericht. Laut dem Magazin AIN weichen manche Betreiber etwa nach Malta aus.
Die Anzahl der Flüge bleibt stabil, der französische Anteil sinkt
Der Markt ist dabei kaum geschrumpft. Laut DGAC starteten im dritten Quartal 2025 rund 21.900 kommerzielle Geschäftsflüge in Frankreich, etwa so viele wie im Vorjahr. Französische Betreiber kamen aber nur noch auf 2000 Flüge, nach 2600 ein Jahr zuvor. Ausländische Anbieter legten dagegen zu. In den ersten drei Quartalen 2025 verzeichneten sie fast 10.000 Geschäftsflugbewegungen mehr als im gleichen Zeitraum 2019.
Dass gerade französische Anbieter leiden, hat einen einfachen Grund. Für ausländische Gesellschaften ist Frankreich nur ein Markt unter vielen. Sie können ihre Flugzeuge dorthin verlegen, wo sich das Geschäft mehr lohnt. Französische Betreiber haben diese Möglichkeit kaum, ihr Netz ist auf das eigene Land ausgerichtet. Ein sehr großer Teil ihrer kommerziellen Flüge startet in Frankreich, wo die TSBA für die beförderten Fluggäste anfällt.
Staat nimmt weniger Geld ein als erhofft
Für den Staat geht die Rechnung nicht auf. Laut dem Bericht der französischen Nationalversammlung brachte die TSBA in der Geschäftsfliegerei 2025 nur 42,6 Millionen Euro ein. Erwartet worden waren rund 150 Millionen Euro. Ein Grund könnte das Meldeverfahren sein: Jede Gesellschaft gibt monatlich selbst an, wie viele Passagiere sie befördert hat. Einige ausländische Anbieter melden das laut EBAA France gar nicht, ob bewusst oder unbewusst.
Der Bericht warnt zudem vor Folgen für Arbeitsplätze in Wartung, Abfertigung und Flughafendiensten. Der Geschäftsreiseverband will deshalb in den anstehenden Beratungen zum Haushalt 2027 erreichen, dass die Abgabe für die Geschäftsfliegerei wieder sinkt.
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