Der Learjet 55 von Birdie: Heißt nun 2-BRDJ.

Warum eine malaysische Charterairline ihr Luftverkehrsbetreiberzeugnis 10.000 Kilometer entfernt holt

Die britische Kanalinsel Guernsey hat ein Luftverkehrsbetreiberzeugnis vergeben - erst zum achten Mal überhaupt. Es geht an Birdie Jet, die in Südostasien Luftrettung und Business-Charterflüge anbietet. Was steckt dahinter?

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Luftfahrt

Wenn das Kennzeichen eines Flugzeuges mit D- beginnt, ist es in Deutschland registriert. HB- steht für die Schweiz, N- für die USA und in den vergangenen Jahren wird auch 9H- immer bekannter. Denn immer mehr Fluggesellschaften gründen - unter anderem aus steuerlichen und administrativen Überlegungen - Töchter auf Malta und registrieren Flugzeuge im Inselstaat, zu dem das Kürzel 9H- gehört. Eurowings Europe mit Sitz in Malta ist nur ein Beispiel.

Doch kennen Sie das Kürzel 2-? Es gehört zur britischen Kanalinsel Guernsey. Und dort wurde kürzlich erst das achte Luftverkehrsbetreiberzeugnis (Air Operator Certificate oder kurz AOC) vergeben. «Nach erfolgreichen Prüfungen und einem Überprüfungsflug in Kuala Lumpur erteilte das 2-REG Guernsey Aircraft Registry am 23. Juli 2026 das achte AOC an Birdie Jet», teilte die Registrierungsstelle der Kanalinsel mit, die mit dem Namenszusatz 2-REG auftritt. Sie gehört zur Luftfahrtbehörde Office of the Director of Civil Aviation, die für Guernsey and Jersey zuständig ist

Learjet 55 für Luftrettung und Business-Charterflüge

Und warum fand der Überprüfungsfluges in Kuala Lumpur statt? Weil Birdie Jet ihren Sitz am Flughafen Subang in Malaysia hat und in Südostasien aktiv ist. Das Ende 2023 gegründete Unternehmen hat sich auf Luftrettung und Business-Charterflüge spezialisiert. Dazu nutzt sie einen 43 Jahre alten Learjet 55, den bisher Titan Aviation aus den USA im Auftrag für Birdie betrieben hat, wie zuerst das Portal CH Aviation berichtete.

Mit dem Luftverkehrsbetreiberzeugnis in Guernsey macht sich die Firma, die sich nun Birdie 2 Jet nennt, davon unabhängig und wird selbst zur Betreiberin - der Learjet 55 wurde als 2-BRDJ neu registriert. An der Qualifikation dafür dürfte es nicht fehlen, denn Birdie wurde von Verkehrspiloten ins Leben gerufen. Der Mitgründer und heutige Chef Darren Chan flog als Kapitän für Air Asia, war Chefpilot von Cambodia Bayon Airlines und Vizechef Lanmei Airlines.

Genehmigung als ausländischer Betreiber in Malaysia

«Wir haben uns für Guernsey entschieden, weil es uns ein starkes, international anerkanntes Luftverkehrsbetreiberzeugnis bietet, das sowohl unsere unmittelbaren regionalen Aufgaben als auch unser langfristiges Wachstum unterstützt», so Chan auf Anfrage von aeroTELEGRAPH. «Der Erhalt des Guernsey-AOC ermöglicht es uns, dies ordnungsgemäß und nach anerkannten internationalen Standards zu tun.» Ergänzend dazu befindet sich die Firma derzeit in Genehmigungsverfahren für ausländische Betreiber in Malaysia und Singapur.

Auf die Frage nach einer möglichen Expansion nach Europa teilt Birdie mit, man konzentriere sich «weiterhin primär auf den Kapazitätsausbau in Malaysia und Südostasien», prüfe aber «langfristige Möglichkeiten zur Erweiterung der operativen Reichweite und Partnerschaften in Europa». Schon vorher soll aber die Flotte wachsen - noch im laufenden Jahr auf vier Flugzeuge, wie Chan CH Aviation verriet. Im kommenden Jahr sollen weitere folgen.

Insgesamt 260 Flugzeuge auf Guernsey registriert

Birdie ist derweil nicht das erste Unternehmen aus Asien mit AOC auf Guernsey. Nachdem die heimische Volare Aviation 2016 den Anfang machte, gründete Hongkong Jet 2017 dort die Tochter BAS Guernsey. Derweil hat die auf Guernsey heimische Regionalfluglinie Aurigny ihr AOC von der britischen Civil Aviation Authority und fliegt demnach mit G-Kennzeichen.

Allerdings haben nicht nur Unternehmen mit AOC auf Guernsey dort Flugzeuge registriert. Privatflugzeuge und Businessjets sowie Flieger von Leasingfirmen dürfen dort auch ohne Luftverkehrsbetreiberzeugnis angemeldet werden. Anfang Juli 2026 waren insgesamt 260 Flugzeuge im Guernsey Aircraft Register eingetragen. Eines der bekanntesten dürfte die 2-DEER sein. Die Boeing 787-8 in VIP-Version gehörte einst dem amerikanischen Unternehmer Michael Dell und ist heute Regierungsflugzeug in Angola.

Guernsey auch beliebt für Übergangsregistrierungen

Die Wirtschaftskanzlei Walkers, die Kunden unter anderem zu Flugzeugfinanzierung und Flugzeugregistrierung auf Guernsey berät, schrieb 2022: «Das Register wurde nicht nur eingerichtet, um den Einwohnerinnen und Einwohnern der Kanalinseln ein Flugzeugregister für ihre Flugzeuge auf Guernsey zur Verfügung zu stellen, sondern auch, um Finanzierer und Leasinggeber weltweit bei der schnellen, effektiven und sicheren Übergabe ihrer Flugzeuge zu unterstützen.» Obwohl auch einige Privatflugzeuge dort registriert seien, «hat sich 2-REG in den vergangenen Jahren einen entsprechenden Ruf erworben und zu einem bevorzugten Register für vorübergehende oder Zwischenregistrierungen von Verkehrsflugzeugen entwickelt, die aus Leasingverträgen heraus- oder in diese hineinwechseln».

Das Register selbst auf seiner Webseite unter anderem: «Hinsichtlich der Frage, ob Registrierung, Import und Mehrwertsteuer im selben Zuständigkeitsbereich erfolgen müssen, sind wir flexibel. Erfahrungsgemäß kann es kostengünstiger sein, die Mehrwertsteuer in einem anderen Zuständigkeitsbereich zu entrichten, nachdem Sie Ihr Flugzeug in Guernsey registriert haben, bevor Sie es in die Europäische Union importieren.» Man berate Interessenten gerne zu jedem individuellen Antrag. Auch über die Luftfahrt hinaus gilt die Kanalinsel als Offshore-Finanzzentrum mit niedrigen Steuersätzen, besonders für Firmen.

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