Im Dezember 1981 wurde eine Lockheed L-1011 Tristar an Trans World Airlines ausgeliefert - damals eine der größten und renommiertesten Fluggesellschaften der Welt. In den folgenden Jahrzehnten flog der dreistrahlige Passagierjet für Air Atlanta Icelandic, Tunisair, Royal Airlines, Caledonian Airways, Kampuchea Airlines, Star Air, TAT Nigeria und Star Jet. Anschließend transportierten Air Charter Express sowie SAM Intercontinental Fracht damit.
Seit 2010 steht die Tristar am Flughafen von Nairobi und es war ruhig um das Flugzeug. Doch mittlerweile sorgt die Tristar mit der Seriennummer 193B-1221, die zuletzt das Kennzeichen TZ-MHI trug, wieder für Gespräche. Denn es sind Videos zu dem Flugzeug aus Kenias Hauptstadt aufgetaucht und eines davon zeigt eine lange Tour durch den alten Flieger. Zudem sagt der Moderator zu Beginn, dass europäische Eigentümer den Plan hätten, die Tristar wieder flugfähig zu machen.
Die Lichter im Cockpit der Tristar funktionieren
Außerdem ist - im Cockpit einfach herumliegend - die Plakette mit dem Kennzeichen TZ-MHI zu sehen. Angebracht ist dagegen eine andere Plakette mit den Buchstaben EJDF. Sie wirkt neu oder poliert.
Doch damit nicht genug. Im Februar 2026 veröffentlichte ein Instagram-Account namens Weles Aerospace Support sowohl Fotos als auch ein Video aus der Tristar. Zu sehen ist, dass die Beleuchtung im Cockpit funktioniert. Dazu zu lesen ist: «Manche Flugzeuge schlafen. Andere warten. Heute Nacht ist sie wieder erwacht. Ein Schalter nach dem anderen. Von der Dunkelheit bis zum vollen Glanz. Eine Legende - lebendig und startklar.»
Tristar-Fans: «Wir können doch alle hoffen, oder?»
Im April veröffentlichte der Account außerdem Fotos des Flugzeugs, die offenbar zeigen, dass die Räder gewaschen wurden. Im August publizierte der Kanal The L-1011 Journal bei Instagram dann Bilder, die ebenfalls von Weles stammen und zeigen, wie die Tristar von einem Schlepper gezogen wird. «Wird sie wieder fliegen?», schrieb der Tristar-Fan-Kanal dazu. «Das ist sicherlich eine riesige Aufgabe, aber wir können doch alle hoffen, oder?»
Die Tristar am Flughafen Nairobi. Weles Aerospace Support
Mittlerweile lässt sich auch mehr zu Weles herausfinden. Denn im Juli tauchte im britischen Unternehmensregister die Gründung einer Firma namens Weles Aerospace Support in London auf. Geschäftsführer ist ein polnischer Staatsbürger namens Jakub Melnicki. aeroTELEGRAPH gelang es, ihn zu kontaktieren.
Tristar soll noch 2026 zu anderem Flughafen fliegen
Melnicki sandte Fotos von der Tristar beim Schleppen und erklärte, er und seine Firma seien für den Service rund um das Flugzeug zuständig, etwa für die Beschaffung von Ersatzteilen und die Anstellung von Personal. Der Eigentümer, der ebenfalls aus Europa stammt, wolle sich dagegen noch im Hintergrund halten. Laut Recherchen von aeroTELEGRAPH dürfte das Geld für das Luftfahrtprojekt aus dem Geschäft mit Dienstleistungen im Zusammenhang mit Rohöl- und Erdgas-Förderung stammen.
Aktuell wird das Flugzeug nur mit dem Schlepper bewegt. Weles Aerospace Support
«Die Tristar soll technisch so weit hergerichtet werden, dass wir sie vor Ende des Jahres zu einem anderen afrikanischen Flughafen überführen können», kündigt der Weles-Chef an. Um welchen Flughafen oder welches Land es sich dabei handelt, sagt Melnicki nicht. Dort sollen dann aber weitere Arbeiten an dem Flugzeug vorgenommen werden, das einen C-Check benötigt.
Tristar und Douglas DC-8 sollen als Frachtflugzeuge dienen
Der Pole sagt, dass die Tristar als Frachtflieger in Afrika zum Einsatz kommen soll - und zwar nicht alleine. «Eine Douglas DC-8, die ebenfalls in Nairobi steht, hat den C-Check schon absolviert.» Der Vierstrahler soll im September zu einem anderen Flughafen überführt werden. Es handelt sich um die 57 Jahre alte DC-8 mit der Seriennummer 46049, die zuletzt 2014 als 4R-EXJ für Fits Air flog.
Die Douglas DC-8. Weles Aerospace Support
Auf die Frage, warum die Wahl auf die Oldies gefallen ist, deutet Melnicki einen günstigen Kaufpreis an, ohne allerdings Zahlen zu nennen. Auch dass die Tristar und die DC-8 deutlich mehr Kerosin verbrauchen als beispielsweise eine Boeing 767 F, scheint kein Hindernis zu sein - laut Melnicki auch deshalb, weil sich die höheren Treibstoffkosten im Cargo-Geschäft zumindest teilweise über die Frachtpreise an die Kunden weitergeben lassen.
Weltweit nur eine Tristar und zwei DC-8 aktiv
Warum das Projekt so etwas Besonderes ist, zeigt ein Blick auf den weltweiten Bestand. Von den 250 gebauten Tristars ist nur noch eine flugfähig: Der Jet mit dem Kennzeichen N140SC wurde einst für die Firma Orbital Sciences umgerüstet, um vom Flugzeug aus Pegasus-Raketen mit kleinen Nutzlasten in den niedrigen Erdorbit zu schießen. Im Juni 2026 erklärte der Konzern Northrop Grumman, zu dem Orbital Sciences heute gehört, dass ein Einsatz Anfang Juli die letzte vertraglich vereinbarte Pegasus-Mission sei.
Von der Douglas DC-8 sind noch zwei Exemplare aktiv. Einer der Frachter fliegt bei Trans Air Cargo Service in der Demokratischen Republik Kongo, einer bei Skybus Jet Cargo in Peru.
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