Die Leasinggesellschaft Novus Aviation Capital aus Dubai kauft per Absichtserklärung vier Boeing 777-300 ER. (19. Juli)

Interne KontrollenBoeing will mehr Qualitätssicherung Maschinen überlassen

Die Produktion des US-Flugzeugbauers steht in der Kritik. Nun plant Boeing Änderungen bei der Qualitätssicherung - und möchte künftig mehr auf Computer setzen.

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Wer führt verlässlicher Kontrollen durch – Menschen oder Maschinen? Diese Frage steht hinter einer aktuellen Debatte um einen Plan von Boeing. Der Flugzeugbauer, der sich zurzeit um die Wiederzulassung der 737 Max bemüht, will die Arbeit vieler interner Kontrolleure künftig von Computern erledigen lassen. Boeing bestätigte den Plan gegenüber der Zeitung USA Today, wollte sich aber nicht zur Zahl der Betroffenen äußern.

Eine Zahl nennt dagegen der regionale Ableger der Gewerkschaft International Association of Machinists and Aerospace Workers. In einem Schreiben an Mitglieder heißt es gemäß USA Today, im Raum Seattle würden in diesem Jahr rund 450 Kontrolleure mit anderen Aufgaben betraut. 2020 sollten noch einmal ebenso viele folgen. Die Gewerkschaft schreibt von einer «schlechten Entscheidung», die das zweite Paar Augen bei vielen Arbeitsschritten eliminiere. Auf Anfrage der Zeitung wollten sich die Gewerkschafter jedoch nicht äußern.

Boeing hofft auf höhere Qualität

Boeing dagegen verteidigt den sogenannten «QA Transformation Plan», also den Plan zum Umbau der Qualitätssicherung. Durch technologische Lösungen würde die Qualität sogar erhöht, so das Unternehmen. Zudem würde es zu den Änderungen nur bei solchen Teilen der Produktion kommen, bei denen die Wahrscheinlichkeit von Fehlern gering sei.

Als Beispiel nennt Boeing Flügel aus Verbundwerkstoff beim Bau eines neuen Flugzeuges und dürfte damit die 777X meinen. Dafür gebe es nun Geräte, welche die Inspektionen gründlicher durchführen könnten als Menschen. Die Mitarbeiter würden nur noch den maschinellen Prüfprozess überwachen. So könnten viele der Kontrolleure andere Aufgaben übernehmen, etwa daran arbeiten, Fehler von vornherein zu vermeiden. Man bemühe sich zurzeit, die Behörden zu überzeugen, dass die Änderungen «unsere Qualität nicht gefährden, sondern tatsächlich zu höheren Niveaus führen werden», so Boeing.

Kritik von prominenten Anwalt

Der prominente Kosumentenanwalt Ralph Nader, der bei beim Absturz einer Boeing 737 Max in Äthiopien eine Nichte verlor, ist kritisch und sagt über Boeing: «Sie haben die Lektion immer noch nicht gelernt, dass riskante Automatisierung erfahrene menschliche Intelligenz nicht nachbildet.» Beides sei nicht zu vergleichen. «Es gibt alle Arten menschlicher Intuition, die nicht in Computercode übersetzt werden können», so Nader.

Ernesto Gonzalez-Beltran, bei Boeing für die Qualität in der Zivilluftfahrt-Sparte zuständig, hält dagegen, der Plan sei ein mehrstuftiger Ansatz, der Probleme identifiziere und diese auch dank digitaler Werkzeuge zu lösen helfe. So hätten Kontrolleure zum Beispiel immer ein Dokument abstempeln müssen, damit ein bestimmter Arbeiter die Erlaubnis für eine bestimmte Arbeit erhalte. Nun würde dieser Schritt entfallen, da der Computer prüfen könne, ob ein Arbeiter für eine Aufgabe autorisiert sei oder nicht.

Konzern unter Beobachtung

Spannend ist, dass Boeing den Plan vorantreibt, während der Konzern bereits in der Kritik und unter Beobachtung steht. So lässt das US-Transportministerium etwa seit Ende März den Zertifizierungsprozess der Boeing 737 Max 8 überprüfen. Zuvor hatte die Zeitung Seattle Times berichtet, die Luftfahrtbehörde FAA habe bei der Zertifizierung der Boeing 737 Max wichtige Bewertungen dem Hersteller überlassen und es sei zu Fehlern bei einer wichtigen Sicherheitsanalyse zu dem Modell gekommen, das mittlerweile weltweit gegroundet ist.

Vergangene Woche berichtete die Zeitung New York Times zudem, dass die FAA die Boeing-Produktionsstätte in Charleston seit Jahren strenger prüfe. Zudem sei die Behörde seit vergangenem September drei sicherheitsrelevanten Meldungen von Boeing-Mitarbeitern über die finalen Stufen der Jetproduktion in Charleston nachgegangen. In dem Werk, dessen Zustände auch gegenüber der Zeitung etliche Mitarbeiter kritisierten, findet die Endmontage von Boeing 787 Dreamlinern statt.

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