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Letzter Jumbo-Jet ausgeliefert

Boeing hat das Kapitel 747 geschlossen

Der Flugzeugbauer hat den letzten Jumbo-Jet ausgeliefert. Boeing feierte das Ereignis wie den Erstflug im Jahr 1969.

Es ist ein gigantisches Gebäude. Wer es zu Fuß umrunden will, braucht 40 Minuten. Von Norden nach Süden ist es 492 Meter lang, von Osten nach Westen 1067 Meter. Und es ragt 35 Meter in die Höhe. Damit ist die Boeing-Fabrik in Everett die volumenmäßig größte der Welt.

In nur 14 Monaten wurde sie Mitte der Sechzigerjahre gebaut. Am 13. April 1966 hatte Boeing angekündigt, die 747 auf den Markt zu bringen. Und für das große neue Flugzeug brauchte der Flugzeugbauer eine neue, große Fabrik. Die Standortwahl fiel auf Everett bei Seattle.

Tausende von Schaulustigen – wie vor über 50 Jahren

Im Mai 1967 zogen die ersten Arbeiter in das Gebäude ein. 16 Monate später war das erste Flugzeug fertig  – und Tausende Angestellte und Schaulustige schauten zu, als die erste Boeing 747 aus dem Werk Everett rollte. Ebenso viele kamen am 9. Februar 1969, als sie zum ersten Mal abhob. Am Dienstag (31. Januar 2023) wiederholte sich das Schauspiel.

Wiederum reisten rund 9000 Menschen in die 45 Kilometer nördlich von Seattle gelegene Fabrik. Ein allerletztes Mal stand dort das Flugzeug mit dem Buckel im Rampenlicht. In einer feierlichen Zeremonie zelebrierte Boeing die Auslieferung der letzten Boeing 747 an den Kunden Atlas Air, der sie im Auftrag des schweizerisch-deutschen Logistikriesen Kühne + Nagel betreiben wird.

55 Jahre lang gebaut

Zur Feier kamen aktuelle und ehemalige Mitarbeitende, ebenso waren Abgesandte von Betreibern angereist, um dem historischen Moment beizuwohnen. Denn die Boeing 747 wurde nicht nur 55 Jahre lang gebaut und ist damit bereits außergewöhnlich. Sie ist auch ein ikonisches Flugzeug, das bei vielen Menschen besondere Emotionen weckt.

«Dieses Produkt ist unerreicht», sagte Boeing-Chef David Calhoun zu den 9000 Zuschauerinnen und Zuschauern in der Fabrik in Everett. Und genauso wie 1966 bei der Entwicklung der Boeing 747 werde man auch künftig auf bahnbrechende Neuerungen setzen. «Unsere Hangars sind voll mit Innovationen», so Calhoun.

«Es gibt keinen besseren Frachter»

Auch Kunden kamen zu Wort. «Die Boeing 747 hat UPS geprägt», sagte Bill Moore, Chef der Wartung beim Logistikkonzern. Sie habe es erst ermöglicht, ein globales Netz aufzubauen. Und heute sei man einer der größten Betreiber des Jumbo-Jets.

Genauso sah es John Dietrich, Chef der amerikanischen Frachtairline Atlas Air. «Wir haben 1992 mit einer Boeing 747 begonnen», sagte er zu den Anwesenden. Heute besitze man 56 Exemplare – mehr als jeder anderer Betreiber. Es gebe ganz einfach keinen besseren Frachter. «Die Boeing 747 hat eine hohe Nutzlast, eine gute Reichweite und die Beladung durch die Nase ist unerreicht», so Dietrich.

Künftig vor allem in Asien unterwegs

Die letzte Boeing 747 trägt das Kennzeichen N863GT und geht an Atlas Air. Am 1. Februar wird sie Everett verlassen und ab Mitte Februar für die Kühne + Nagel-Tochter Apex Logistics Güter von Asien nach Nordamerika fliegen.

Rund 350 Exemplare des legendären Flugzeugmodells sind heute noch aktiv. Boeings Haushistoriker Michael Lombardi ist überzeugt, dass man den Jumbo-Jet noch lange am Himmel sehen wird. «Das hundertjährige Jubiläum werden noch einige Boeing 747 erleben», sagt er. Vor allem Frachter könnten 2069 noch immer fliegen, wenn sich der Erstflug zum 100. Mal jährt, glaubt Lombardi.

In der oben stehenden Bildergalerie sehen Sie Aufnahmen der Auslieferung der letzten Boeing 747. Wenn Sie in das Bild klicken, öffnet sich die Galerie im Großformat.

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