Boeing 777 von Air Canada: Ein Pilot täuschte seinen Arbeitgeber.

Boeing 767, 777 und 787Falscher Kapitän flog mehr als 15 Jahre für Air Canada

Vor 15 Jahren wurde er zum Kapitän befördert - offenbar mithilfe gefälschter Dokumente. So flog der Mann für Air Canada als Kommandant, ohne die Berechtigung dafür zu besitzen. Jetzt wurde er festgenommen.

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Die Meldung am Montag (8. Juni) klang gar nicht spektakulär. Air Canada teilte mit, dass ein ehemaliger Pilot vom Verkehrsministerium mit einer Geldstrafe belegt worden sei. Die Airline erklärte, der Mann sei zum Kapitän befördert worden, ohne dass er die Linienpilotenlizenz für diese Position gehabt hätte. Für eine Airline Transport Pilot Licence oder kurz ATPL muss man eine Reihe schriftlicher Prüfungen absolvieren. «Nachdem Air Canada dies festgestellt hatte, wurde der Pilot umgehend vom aktiven Dienst suspendiert», so die Fluglinie. Man habe den Vorfall anschließend Transport Canada gemeldet.

«Während seiner gesamten Beschäftigungszeit bei Air Canada war der betreffende Pilot ein voll ausgebildeter Pilot mit einer gültigen Berufspilotenlizenz», so Air Canada. Mit der Commercial Pilot Licence oder kurz CPL darf man in Kanada als Kopilot arbeiten. Stets habe der Mann die Anforderungen der halbjährlichen Trainings erfüllt oder übertroffen, so die Fluggesellschaft. Dennoch nehme man den Vorfall sehr ernst, habe bei Überprüfungen keine weiteren Fälle gefunden und die Prüfung von Lizenzen verschärft, erklärt Air Canada. Von polizeilichen Ermittlungen kein Wort.

Flog als Kapitän Boeing 767, 777 und 787 von Air Canada

Doch am Dienstag (9. Juni) hielt die Peel Regional Police eine Pressekonferenz zu genau diesem Fall ab - unter dem Titel der Ermittlungen Project Icarus. Sie berichtete von «komplexen Betrugsermittlungen» gegen den Piloten, der heute 59 Jahre alt ist.

Diese Ermittlungen ergaben: Der Mann hatte seine Karriere 1988 bei Air Canada als Kopilot begonnen und wurde 2009 zum Kapitän befördert. Bis 2025 absolvierte er mehr als 900 nationale und internationale Flüge und steuerte dabei Boeing 767, 777 und 787. Bei einer Routineüberprüfung im März 2025 im Terminal 1 des Flughafens Toronto fielen dann aber Normabweichungen in den Dokumenten des angeblichen Kapitäns auf.

Angeklagt: «Mutmaßlich gefälschte Pilotenlizenzen»

Während Air Canada schreibt, man habe den Piloten suspendiert, erklärte die Polizei: «Der Beschuldigte war 2025 nach einer 27-jährigen Laufbahn bei Air Canada in den Ruhestand gegangen - noch vor Einleitung der behördlichen und strafrechtlichen Untersuchungen.»

In jedem Fall informierte Transport Canada die Polizei, beide ermittelten. Das Ergebnis: Nach einer viermonatigen Untersuchung wegen Betrugs und Urkundenfälschung, zu der auch eine Hausdurchsuchung gehörte, wurde der Mann am 1. Juni 2026 verhaftet und angeklagt. Die polizeilichen Ermittlungen ergaben, «dass der Beschuldigte während seiner Laufbahn und seiner Tätigkeit als Kapitän mutmaßlich gefälschte Pilotenlizenzen verwendet hatte», schreibt die Polizei. Er soll so Air Canada und Transport Canada getäuscht haben.

2,9 Millionen Dollar und Ämter bei Pilotengewerkschaft

Bei einer polizeilichen Befragung soll der falsche Kapitän außerdem falsche Aussagen über angeblich gestohlene Dokumente gemacht haben. Die Polizei hält zu dem Mann fest: Er habe ein Gehalt von über 2,9 Millionen kanadischen Dollar kassiert - umgerechnet rund 1,8 Millionen Euro.

Der angebliche Kapitän muss unter den Cockpitcrews seiner Fluggesellschaft weithin bekannt sein. Denn während seiner Laufbahn bekleidete er laut Polizeiangaben auch verschiedene Ämter bei der Air Canada Pilots Association, kurz ACPA, unter anderem als Vorsitzender des Führungsgremiums Master Executive Councils.

Auch in Europa gab sich ein Kopilot als Kapitän aus

Der Fall erinnert an einen Fall in Europa, bei dem ein Pilot als Kapitän für Avion Express flog, obwohl er die Qualifikationen dazu nicht hatte. Er soll zuvor lediglich als Kopilot tätig gewesen sein und seine Unterlagen so gefälscht haben, dass er als Kapitän fliegen konnte.

Sehen Sie hier im Video die Pressekonferenz der kanadischen Polizei zu ihren Ermittlungen:

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