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E-3A Sentry

In Deutschland fliegen noch Urzeit-707

Die Nato hat in Deutschland besondere Frühwarnflugzeuge stationiert. Technisch basieren die E-3A Sentrys weitestgehend auf Boeing 707 aus den 1970er-Jahren.

John Travolta allein war Grund genug, warum die N707TJ viele Schaulustige an Flughäfen lockte. Der Privatflieger befand sich im Besitz des Hollywoodstars, welcher den Jet höchstpersönlich pilotierte. Doch die in alten Farben der australischen Fluglinie Qantas lackierte Boeing 707 war als Oldtimer selbst eine absolute Rarität an vielen Flughäfen.

Bereits vor Jahrzehnten ersetzten Airlines den von Boeing in den 1950er-Jahren entwickelten Vierstrahler, der im goldenen Jetset-Zeitalter Langstreckenflüge salonfähig machte. Zu sehen bekommen Fans eine Boeing 707 oftmals nur noch in Filmen. Auch Travoltas Exemplar steht mittlerweile im Museum. Einen der wenigen aktiven Flieger des Typs gibt es in Deutschland.

Keine Fenster, aber große Schüssel

Große Rauchschwaden und der enorme Krach der originalen JT3D- und JT4D-Triebwerke sind schon lange kein Standard mehr in der modernen Luftfahrt. Wer erleben möchte, wie sich Flieger früher anhörten, der muss nach Geilenkirchen fahren. Unweit von Aachen und der Grenze zu den Niederlanden betreibt die Nato auf der Geilenkirchen Air Base 17 Exemplare der Boeing E-3A Sentry.

Selbst Laien können diese Spezialversion der Boeing 707 schnell erkennen. Als Frühwarnflugzeuge tragen die graulackierten Sentrys eine große Radarschüssel auf ihrem Rumpf. Die fliegenden Leitzentralen für Kampfflugzeuge sind im Militär als sogenannte Awacs bekannt. Dies steht für Airborne Warning And Control System (zu Deutsch: Luftgestütztes Warn- und Überwachungssystem).

Triebwerke seit den 1980er-Jahren dieselben

Dass Sonderversionen der Boeing 707 noch immer als Militärjets eingesetzt werden, ist eigentlich nichts Ungewöhnliches. In der amerikanischen Luftwaffe ist die KC-135 noch immer das Rückgrat der Luftbetankungsflotte. Auch Frankreich oder das Vereinigte Königreich setzten noch Militärversionen der Boeing ein. Weitestgehend sind alle diese 707 jedoch mit moderneren Triebwerken wie dem CFM 56 nachgerüstet worden.

Bei den E-3A aus Geilenkirchen ist das anders. Noch immer nutzen die Nato-Sentrys Triebwerke vom Typ TF-33. Bereits seit der Auslieferung Anfang der 1980er-Jahre treibt die Militärversion des zivilen JT3D-Motors die Frühwarnflieger an.

Radare wichtiger als Motoren

In der annähernd 40-jährigen Einsatzgeschichte hat die Nato ihre Sentrys durchgehend modernisiert. Für die Allianz sind die Flugzeuge enorm wichtig. Laut der Nato reichen drei E-3A aus, um den gesamten Luftraum Zentraleuropa überwachen zu können. Während sie im Kalten Krieg vor sowjetischen Bomberflotten warnen sollten, spielen Awacs heute eine wichtige Rolle, wenn etwa Flugverbotszonen über Krisengebieten durchgesetzt werden müssen.

In Sachen Radartechnik blieben die Natoflieger somit auf der Höhe der Zeit. Dass die E-3A aber noch immer von den TF-33 angetrieben wird, liegt auch am Betreiber. Im Gegensatz zu Fluglinien müssen Luftwaffen untereinander keine Preiskämpfe ausfechten. Hohe Verbrauchswerte und damit verbunden geringe Reichweiten können die Sentrys durch Luftbetankungen wettmachen.

Laut und schmutzig

Die Nachteile der antiken Triebwerke müssen vor allem die Anwohner um Geilenkirchen ertragen. Bereits 2010 drohten die nahen Niederlande mit einem Flugverbot für die E-3A der Nato. Beim Start verursachen die Jets enorme Lärmbelästigungen und erzeugen hohe Emissionswerte, beklagen die niederländische Regierung genauso wie Anwohnerverbände in Deutschland und den Niederlanden.

Auf vielen westlichen Verkehrsflughäfen dürfen die E-3A wegen ihrer TF-33-Motoren nicht mehr starten und landen. Bürgerproteste verlangen seit Langem eine Modernisierung der E-3A-Flotte. Ein Abzug der Basis würde die Region aber wirtschaftlich treffen. Weil eine Umrüstung der Motoren teuer ist, soll die Nato das aber in Betracht ziehen.

Sehen Sie in der oben stehenden Bildergalerie Aufnahmen der Boeing E-3A Sentry der Nato.

 



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