Reisende, die nicht mehr am Golf umsteigen können, buchen nun zum Beispiel bei den Fluggesellschaften von Lufthansa Group. «Wir sehen aktuell eine enorm gestiegene Interkontnachfrage», sagte Konzernchef Carsten Spohr bei der Jahrespressekonferenz am Freitag (6. März) in Frankfurt. «Wir haben alleine 75 Prozent mehr Umsatz für den Monat April in unseren Buchungssystemen in Richtung Asien gesehen.» Daher plant Lufthansa zusätzliche Flüge auf bestehenden Routen, um der Nachfrage gerecht werden zu können.
Lufthansa stockt nach Singapur, Kapstadt, Shanghai, Delhi auf
«Geplant sind Zusatzflüge nach Singapur, Kapstadt, Shanghai, Delhi und wahrscheinlich auch nach Riyadh, wenn die Sicherheitslage es zulässt», so Spohr. Zusätzliche Flüge von Tochter Austrian Airlines nach Bangkok seien schon buchbar. Weitere Routen würden geprüft. «Auch die Nachfrage nach Zielen in China und Afrika ist in den vergangenen fünf Tagen dermaßen stark angewachsen», dass man sie nur mit Zusatzflügen abdecke könne.
Die Kapazität hat Lufthansa Group dafür. Denn: «Wir haben zehn Destinationen aktuell gestrichen, weil die Sicherheitslage aus unserer Sicht die Anflüge nicht erlaubt. Dadurch sind Flugzeuge frei geworden», erklärte Spohr. Außerdem befinde man sich noch immer im Winterflugplan, daher sei noch nicht die gesamte Flotte in der Luft.
Lufthansa Group hat Treibstoff stark abgesichert
In Sachen Kosten profitiert Lufthansa Group von der Absicherung ihrer Treibstoffkäufe, dem sogenannten Fuel Hedging. «Durch den überdurchschnittlichen Grad unserer Treibstoffabsicherung - über 80 Prozent für das Gesamtjahr - haben wir deutlich höher gehegt als die meisten Wettbewerber», sagte Spohr. «Damit sind wir zumindest im relativen Vergleich besser gegen steil steigende Ölpreis abgesichert.»
Auch die Frachttochter Lufthansa Cargo erwartet zusätzliche Einnahmen. Man rechne mit kurzfristigen Frachtbuchungen zu hohen Erträgen für dringende Transporte, «zumal die aktuell kaum operierenden Golfcarrier weltweit allein für etwa 18 Prozent der Luftfrachtkapazitäten stehen», sagte der Chef von Lufthansa Group.
Wie geht es weiter mit den Drehkreuzen am Golf?
Generell kommentierte Spohr zur aktuellen Lage in Nahost: «Die massive Bündelung globaler Verkehrsströme, Passagier- und Güterströme, über die Golfdrehkreuze ist zu einer geopolitischen Achillesferse geworden.» Allerdings sei es noch zu früh, die Frage zu beantworten, ob der Iran-Krieg eine Zäsur bedeute für die Kräfteverhältnisse im Luftverkehr.
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