Samer Majali ist zum zweiten mal Chef von Royal Jordanian: Die Airline soll auf 50 Flugzeuge wachsen.

Samer Majali, Royal Jordanian«Royal Jordanian denkt konkret über Flüge nach Hamburg und München nach»

Die Nationalairline des Königreichs im Nahen Osten treibt die Flottenerneuerung im Eilzugstempo voran. Sie erwartet bis August ein Dutzend A320 Neo. Im Interview mit aeroTELEGRAPH erläutert Chef Samer Majali die Strategie von Royal Jordanian und kündigt weitere Deutschland-Routen an.

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Luftfahrt

Royal Jordanian steckte vor wenigen Jahren in tiefen finanziellen Schwierigkeiten. Jetzt übernehmen sie den ersten Airbus A320 Neo. Wie haben Sie das geschafft?

Samer Majali*: Die Zeit vor und während der Pandemie war sehr dramatisch. Sie müssen sich vorstellen, Royal Jordanian war fast ein Jahr lang am Boden und keiner hat gewusst, wie es mit der Luftfahrt nach der Pandemie weitergehen wird. Wir haben mit allen gesprochen, Kredite bekommen und keine einzige Zahlung versäumt. Wir haben alle unsere Verpflichtungen erfolgreich neu verhandelt und sind finanziell gesund.

Und wie ist die aktuelle finanzielle Situation von Royal Jordanian?

Die finanzielle Situation ist jetzt stabil. Wir haben gerade einen neuen Konsortialkredit mehrerer Banken abgeschlossen. Den alten Kredit haben wir vollständig getilgt. Mit dem neuen Kredit von jordanischen und regionalen Banken können wir jetzt die Expansion unserer Fluggesellschaft finanzieren.

Können Sie die Expansionspläne genauer skizzieren?

Wir haben gerade den ersten A320 Neo übernommen, was ein bedeutender Meilenstein für uns ist. Bereits Mitte der 1990er-Jahre waren wir die erste Fluglinie, die den Airbus A320 in die Region eingeführt hat, und jetzt ist Royal Jordanian erneut Vorreiter, indem wir den Airbus A320 Neo in unsere Flotte aufnehmen. Die A320 Neos sind für uns von großer Bedeutung, da sie einen geringeren Treibstoffverbrauch haben, umweltfreundlicher sind und niedrigere Wartungskosten verursachen. Diese Flugzeuge sind das Herzstück unserer Flottenerneuerung und -expansion.

Wie viele A320 Neo kommen noch?

Insgesamt haben wir 20 Exemplare der A320-Neo-Familie bestellt. Davon sind 15 Airbus A320 Neo. Zwölf davon erhalten eine Mischkonfiguration aus Economy und Business Class. Die verbleibenden drei sind in einer reinen Economy Class mit 180 Sitzen konfiguriert. Zusätzlich werden wir fünf größere Airbus A321 Neo in unsere Flotte aufnehmen, die sowohl eine Business Class als auch Economy Class bieten werden.

Erster A320 Neo für Royal Jordanian: Die Airline bekommt 15 A320 Neo und fünf A321 Neo.

In welchem Zeitraum werden die Flugzeuge kommen?

Unser Zeitplan ist ambitioniert. Die ersten zwölf Airbus A320 Neo werden wir bis August übernehmen. Der Rest der Flotte wird über einen Zeitraum von etwa einem Jahr verteilt eintreffen, wobei wir das letzte Flugzeug Anfang 2027 erwarten. Dies ist dringend notwendig, da wir bereits mit der Ausmusterung unserer A320 begonnen haben. Von den ursprünglich 15 Exemplaren sind derzeit nur noch acht in Betrieb, aber auch diese sollen die Flotte bald verlassen. Wir müssen diesen Übergang sorgfältig koordinieren, um sicherzustellen, dass wir stets genug Kapazitäten für unsere Region zur Verfügung haben.

Was sind die Pläne für die Erneuerung der Regionalflotte mit den Embraer E-Jets und der Langstreckenflotte mit den Dreamlinern?

Auch Royal Jordanians Regionalflotte soll wachsen. Wir ersetzen unsere vier Embraer E1 durch eine Mischung aus Embraer E190-E2 und E195-E2. Mittlerweile haben wir bereits fünf dieser neuen Flugzeuge erhalten und werden dieses Jahr zwei weitere und nächstes Jahr noch eine weitere Maschine bekommen. Auf der Langstrecke setzten wir aktuell auf sieben 787-8. Wir haben neun größere Boeing 787-9 bei Boeing bestellt. Perspektivisch sollen die 787-8 die Flotte irgendwann verlassen.

Wie weit sind Sie mit Ihrem Ziel gekommen, die Royal Jordanian zur führenden Fluggesellschaft der Levante zu machen, das Sie 2022 angekündigt haben?

Wir sind de facto schon die führende Fluggesellschaft in der Levante. Von Amman aus bieten wir über 30 Flüge pro Woche zu fünf Zielen im Irak an, allesamt Nonstop-Verbindungen. Kürzlich sind wir auch nach Syrien zurückgekehrt und bedienen nun Aleppo und Damaskus. Nach Damaskus bieten wir 12 Flüge pro Woche an, zwei Mal täglich. Die Verbindung nach Aleppo fliegen wir derzeit fünf Mal pro Woche, mit dem Ziel, diese bald auf tägliche Flüge auszuweiten. Zudem fliegen wir auch nach Libyen. Unser Streckennetz innerhalb der Region ist sehr umfassend, was uns zu einem wichtigen regionalen Verbindungsglied macht.

Unabhängig von den regionalen Verbindungen. Wo sehen sie das größte Wachstumspotenzial für Royal Jordanian?

Europa ist das Hauptziel für unsere neue Airbus-Flotte. Bei den Langstreckenflügen bleiben Nordamerika, insbesondere die USA und Kanada, von großer Bedeutung. Allerdings gewinnen auch Ziele in Indien und im Fernen Osten zunehmend an Wichtigkeit.

Wie wichtig ist der deutsche Markt?

Der deutsche Markt ist für Royal Jordanian von großer Bedeutung. Wir fliegen bereits seit langem nach Frankfurt und Düsseldorf und haben kürzlich Berlin wieder in unser Streckennetz integriert. Wir möchten darüber hinaus in Deutschland wachsen und denken konkret über Flüge nach Hamburg und München nach.

Wenn Sie bereits die wichtigste Fluggesellschaft der Region sind, wie sehen Ihre weiteren Pläne für die Zukunft aus?

Unser strategisches Ziel ist es, in den kommenden Jahren auf 50 Flugzeuge zu wachsen. Dabei streben wir nicht danach, die größte Fluggesellschaft zu werden, sondern die strategisch wichtigste. Was wir dafür brauchen, ist Stabilität in der Region. Wir leben in einem schwierigen Umfeld, aber mit einem großen Potenzial. In unserem Einzugsgebiet leben 100 Millionen Menschen. Neben Menschen aus Jordanien gehören auch Palästinser und Syrier zu unseren Passagieren. Wir sehen Royal Jordanian als regionales Bindeglied.

Wie sieht das aktuelle Verhältnis der Passagiere aus Jordanien und den Nachbarländern aus?

Aktuell ist die Verteilung unserer Passagiere etwa ausgeglichen. Rund 50 Prozent unserer Passagiere kommen aus Jordanien und die anderen 50 Prozent aus den Nachbarländern.

Der Nahe Osten ist aktuell so instabil wie lange nicht. Neben dem Gaza-Krieg greift Israel auch immer wieder Ziele im Libanon an. Welche Auswirkungen haben die Konflikte auf ihre Airline?

Die Situation hat dramatische Auswirkungen, insbesondere weil die Bewegungsfreiheit der Menschen in der Region stark eingeschränkt wird. Im Vergleich zu unseren Nachbarn ist Jordanien ein sehr sicheres Land. Wir sind bekannt für unser historisches Erbe, bieten aber auch alle Arten von Tourismus an, sei es Abenteuertourismus oder andere Tourismusformen. Jordanien steht den Menschen für Besuche offen und wir hoffen, dass sich auch der Rest der Region bald öffnen wird. Wir hoffen, dass die Konflikte bald enden. Wenn das der Fall ist, werden wir da sein und Menschen aus Syrien, Palästina und sogar aus dem Libanon über unser Drehkreuz in Amman nach Europa sowie alle Teile der Welt fliegen.

Hat der Flughafen in Amman genug Kapazität, um all das abzudecken?

Der Flughafen Amman hat ausreichend Kapazitäten, um den aktuellen Anforderungen gerecht zu werden. Wir arbeiten jedoch kontinuierlich mit dem Flughafen zusammen, um weitere Erweiterungen vorzunehmen, insbesondere im Transitbereich, damit wir unsere Ziele als regionaler Hub erreichen können.

*Samer Majali ist seit März 2021 wieder der Chef von Royal Jordanian. Er leitete schon von 2001 bis 2009 die Geschicke der 1963 gegründeten Fluglinie. In seiner ersten Amtszeit war er maßgeblich an der Transformation der Fluggesellschaft beteiligt und führte sie zu ihrem ersten Reingewinn. Nach seiner Zeit bei Royal Jordanian stand er an der Spitze von Gulf Air und anderen Fluggesellschaften, bevor er wieder zu Royal Jordanian zurückkehrte.

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