Karim Makhlouf: Royal Jordanian will weiter ausbauen.

Podcast LuftraumRoyal Jordanian: «Deutschland ist für uns ein Kernmarkt»

Neue Ziele in Deutschland, eine junge Flotte und klare Wachstumspläne: Royal Jordanian richtet sich strategisch neu aus. Statt mit Golfairlines zu konkurrieren, setzt die Airline auf ihre Rolle als Brücke zwischen Europa und der Levante.

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Trotz Iran-Krieg: Royal Jordanian befindet sich mitten in einer strategischen Neuausrichtung. Im Zentrum steht dabei nicht allein der Ausbau des Streckennetzes, sondern die Strategie, die Airline als Plattform für Tourismus, Regionalvernetzung und nachhaltiges Wachstum.

«Wir sind nicht nur die nationale Airline Jordaniens, sondern die nationale Airline der Levante», sagt Kommerzchef Karim Makhlouf. Dieser Satz beschreibt den Kern der neuen Positionierung. An diesen Plänen wird auch nach Ausbruch des Kriegs gegen den Iran festgehalten.

Deutschland rückt bei Royal Jordanian in den Fokus

Mit den neuen Zielen München und Hamburg erweitert Royal Jordanian ihr Engagement in einem ihrer wichtigsten Quellmärkte. Neben Frankfurt, Düsseldorf und Berlin ist die Airline nun in allen wesentlichen Regionen Deutschlands präsent. «Deutschland ist für uns ein Kernmarkt», betont Makhlouf. «84 Millionen Einwohner, eine hohe Reiseaffinität – und Jordanien hatte in den besten Jahren nur rund 100.000 deutsche Touristen. Das ist nichts. Das Land verdient mehr.»

München deckt für die Airline den Süden ab, Hamburg fungiert als Tor in den Norden. Doch es geht nicht allein um neue Frequenzen. «Wir wollen ganz bewusst den Lokalverkehr stimulieren – nicht nur Umsteiger transportieren», erklärt der Kommerzchef. Ziel sei es, Jordanien als Destination stärker ins Bewusstsein zu rücken.

Amman als Brücke zwischen Europa und der Levante

Das strategische Zentrum bleibt das Drehkreuz in Amman. Von dort aus bedient die Airline rund 60 Ziele weltweit. Anders als die großen Golfanbieter sieht Makhlouf sein Unternehmen jedoch in einer anderen Rolle: «Wir gehen nicht auf direkte Konkurrenz mit den Big Three am Golf. Wir entwickeln unsere eigene Nische.»

Diese Nische definiert sich über die Levante-Region. Das Einzugsgebiet umfasse rund 140 Millionen Menschen – darunter Irak, Syrien, Libanon und weitere Märkte der Region. In Irak und Syrien ist Royal Jordanian bereits heute stark präsent, mit mehreren täglichen Verbindungen und einem dichten Netz in den irakischen Markt.

Flottenmodernisierung als strategischer Hebel

Amman selbst sei dafür bestens gerüstet. «Der Flughafen ist ein super Airport – effizient, komfortabel, mit kurzen Umsteigewegen», so Makhlouf. Mit aktuell rund zehn Millionen Passagieren pro Jahr bestehe zudem ausreichend Kapazität für weiteres Wachstum.

Ein entscheidender Baustein der Transformation ist die Flotte. Royal Jordanian setzt bewusst auf einen Mix aus Embraer für kürzere Regionalstrecken, Airbus für Europa und die Boeing 787 für die Langstrecke. «Unser Verkehr ist sehr segmentiert», erklärt Makhlouf. «Für Strecken von ein bis zwei Stunden ist die Embraer E2 unschlagbar. Für Europa ist die A320 Neo ideal, und die 787 bleibt auf elf bis 14 Stunden einfach das wirtschaftlichste Modell.»

Profitabilität als Wendepunkt

Trotz weltweiter Lieferprobleme gelang es der Airline, das Durchschnittsalter der Flotte innerhalb eines Jahres von zwölf auf drei Jahre zu senken. «Wir sind heute eine der jüngsten Airlines im Nahen Osten», sagt der Kommerzchef nicht ohne Stolz. Für ihn ist das mehr als nur eine Zahl: «Eine junge Flotte bedeutet Effizienz, Nachhaltigkeit und ein besseres Produkt.»

Die Restrukturierung der vergangenen Jahre zeigt Wirkung. Nach einer Phase intensiver Modernisierung und Digitalisierung konnte Royal Jordanian erstmals nachhaltig profitabel wirtschaften. «Wir haben eine ganzjährige Auslastung von über 81 Prozent erreicht», berichtet Makhlouf. In einer Branche mit durchschnittlichen Margen von fünf bis sechs Prozent sei das ein wichtiger Meilenstein. «Wachstum und gleichzeitig profitabel zu sein, ist in unserer Industrie nicht selbstverständlich.»

Airline und Tourismusplattform zugleich

Die nächsten Ziele sind ambitioniert: In fünf bis zehn Jahren soll die Flotte auf 50 bis 60 Flugzeuge anwachsen. «Das ist machbar», ist Makhlouf überzeugt. «Wir sind jetzt bei rund 35 Maschinen. Der entscheidende Hebel ist, Tourismus und Umsteigeverkehr intelligent zu kombinieren.»

Dabei versteht sich Royal Jordanian zunehmend als mehr als nur ein Luftfahrtunternehmen. «Wir bauen nicht nur eine Airline auf, sondern eine Tourismusplattform», erklärt Makhlouf. Jordanien sei ein einzigartiges, authentisches Reiseziel, das noch nicht überlaufen sei. Er beschreibt das Land als stabil und sicher: «Jordanien ist meines Erachtens das sicherste Land in der Region – vielleicht sogar darüber hinaus.» Für ein Land, dessen Wirtschaft stark vom Tourismus abhängt, sei die Rolle der Airline entscheidend.

Oneworld-Mitgliedschaft hilft Royal Jordanian

Unterstützt wird die internationale Vernetzung durch die Mitgliedschaft in einer Allianz. «Mit Oneworld decken wir rund tausend Ziele weltweit ab», so Makhlouf. Das stärke die Attraktivität für Umsteiger ebenso wie für Vielflieger.

Hören Sie jetzt in unserem Podcast Luftraum das ausführliche Interview mit Royal Jordanians Chief Commercial Officer Karim Makhlouf:

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