Es war keine angenehme Lage. Anfang 1942 geriet Australien in eine Isolation. Die japanische Eroberung Südostasiens kappte die direkte Luftverbindung nach Großbritannien. Um dennoch Post, Informationen und ausgewählte Reisende zwischen den Kontinenten zu transportieren, entstand eine spektakuläre Flugroute - die Double-Sunrise-Flüge.
Zwischen 1943 und 1945 flogen Flugboote von Qantas Empire Airways nonstop von Perth nach Sri Lanka. Die umgerüsteten Consolidated PBY Catalina überquerten dabei mehr als 6500 Kilometer des Indischen Ozeans und waren je nach Wetter bis zu 32 Stunden unterwegs. Weil sie so lange in der Luft waren, erlebten die Passagiere während eines einzigen Fluges zwei Sonnenaufgänge. Der Umstand gab der Verbindung ihren legendären Namen.
Von zwei zu einem Sonnenaufgang bei Qantas
Als Qantas 2017 ihr Projekt für Füge von Sydney nach London und New York ankündigte, gab sie ihm bewusst den Namen Project Sunrise. Sie sieht das als Hommage an die Flüge in den 1940er-Jahren. Die geografische Entfernung Australiens zur übrigen Welt sollte niemals ein Hindernis darstellen, so die Fluggesellschaft.
Nach zwischenzeitlichen Zweifeln am Projekt und etlichen Verzögerungen - erst durch die Pandemie und zuletzt auch wegen der Verspätung bei der Lieferung des ersten Airbus A350-1000 ULR - macht Qantas nun ernst. Der erste Flug von Sydney nach London werde im Oktober 2027 starten, gab die Fluggesellschaft am Mittwoch (17. Juni 2026) bekannt. Es wird der mit Abstand längste Flug der Welt mit einer Dauer je nach Richtung zwischen 20 und 22 Stunden und einer Distanz von rund 17.016 Kilometern.
Nach London wird Qantas auch New York nonstop bedienen
Mit den Nonstopflügen werde man die Reisezeit zwischen Sydney und London um drei bis vier Stunden verkürzen, sagt Qantas. Bisher müssen Reisende in Perth, Singapur, Hongkong, Istanbul, Doha oder Dubai umsteigen, wenn sie von Australien nach Europa wollen. Ihre eigenen Flüge mit Zwischenstopp (Perth - London und Sydney - Singapur -London) wird Qantas weiterhin anbieten - für diejenigen, die lieber eine kurze Pause auf der Reise einlegen.
New York soll als zweites Ziel später folgen, das Startdatum will Qantas erst kommendes Jahr bekannt geben. Tickets kann man ab kommendem Februar kaufen. Wie viel sie ungefähr kosten werden, ist nicht bekannt. Das Management glaubt aber, dass sie für die Nonstopflüge mehr verlangen kann und auch einen höheren Anteil an Premiumkundinnen und -kunden anziehen wird.
Nur 238 Sitze im Airbus A350-1000 ULR von Qantas
Ein zweiter A350-1000 ULR ist auch schon gebaut und absolviert gerade seine Boden- und Flugtests. Dank einem zusätzlichen 20.000-Liter-Treibstofftank kann das Modell mehr als 16.000 Kilometer weit fliegen oder bis zu 22 Stunden lang ohne Zwischenlandung.
Qantas setzt auf hohen Anteil an Premiumplätzen
Qantas wird in ihren A350-1000 ULR 238 Sitze anbieten. Das sind deutlich weniger, als theoretisch im 74 Meter langen Flugzeug Platz fänden. Cathay Pacific packt 334 Sitze in den A350-1000, British Airways 331 und Qatar Airways 327. Sie bedienen damit aber auch keine derart langen Strecken wie künftig Qantas.
Ganz vorn in den insgesamt zwölf A350-1000 ULR von Qantas werden sechs First-Class-Suiten in einer 1-1-1-Konfiguration stehen, danach folgen 52 Business-Class-Suiten in 1-2-1-Konfiguration. Damit ist der Anteil der Premiumklassen deutlich höher als in anderen Fliegern. Daneben wird es 40 Premium-Economy-Sitze in 2-4-2-Konfiguration und 140 Economy-Sitze in 3-3-3-Konfiguration geben. Qantas verspricht bei allen mehr Beinfreiheit als in anderen Langstreckenflugzeugen.
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