Flieger von Pegasus Airlines bei der Landung: Wachstum in der EU.

Größte tschechische AirlinePegasus Airlines sticht in letzter Sekunde Lot im Smartwings-Poker aus

Die Eigentümer wollen die größte tschechische Fluglinie seit Jahren verkaufen. Nun sah alles danach aus, als würde Lot den Zuschlag bei Smartwings erhalten. In letzter Sekunde bot jedoch Pegasus Airlines mehr Geld und sicherte sich den Deal.

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Es war laut schon alles angerichtet. Vertreter von Lot sind bereits nach Prag gereist, um den Übernahmevertrag Smartwings zu unterzeichnen. Die polnische Nationalairline galt seit Monaten als Favoritin. Sogar eine Pressekonferenz, auf der die Übernahme im Wert von rund 30 Millionen Euro der Öffentlichkeit vorgestellt werden sollte, war gemäß dem Portal El15 organisiert. Doch dann kam alles anders.

In letzter Minute entschieden sich Jiří Šimáně und Roman Vik, die Hauptanteilseigner der Smartwings-Gruppe, für das Angebot von Pegasus Airlines. Nach Angaben polnischer Wirtschaftsmedien bot die türkische Billigairline am Sonntagnachmittag (7. Dezember) den Eigentümern insgesamt etwa 40 Millionen Euro – und damit zehn Millionen Euro mehr als Lot. Und so erhielt Pegasus den Zuschlag und die Polen gehen leer aus.

Pegasus Airlines will Smartwings als Marke erhalten

Pegasus Airlines verzeichnet seit Jahren ein rasantes Wachstum. Die Airline betreibt derzeit rund 130 Flugzeuge und hat über 140 weitere bestellt. Die Investition in Tschechien zielt darauf ab, die globalen Aktivitäten von Pegasus weiter auszubauen. Smartwings soll als eigenständige Marke erhalten bleiben, heißt es.

Der Gesamtwert der Transaktion beträgt 154 Millionen Euro. Er umfasst sowohl Smartwings als auch CSA. Der Abschluss steht jedoch unter dem Vorbehalt der Erteilung der notwendigen regulatorischen Genehmigungen sowie weiterer Übertragungsbedingungen. Da Pegasus keine EU-Airline ist, darf sie direkt maximal 49 Prozent der Anteile an der europäischen Smartwings halten.

Beteiligung via niederländische Holding

Pegasus gründet für die Übernahme eine neue niederländische Einheit, die sie zu 100 Prozent halten und die Smartwings und CSA besitzen wird. «Die Mehrheit der wirtschaftlichen Eigentümer (Ultimate Beneficial Owners) von Pegasus Airlines verfügt über die doppelte Staatsbürgerschaft und erfüllt damit die erforderlichen Kriterien hinsichtlich Eigentumsverhältnissen und Kontrolle» so eine Sprecherin.

Für Lot ist dies eine doppelt bittere Niederlage. Einerseits kann die polnische Airline nun nicht so rasant wachsen wie geplant: Mit der Übernahme von Smartwings hätte sie auf einen Schlag 42 zusätzliche Flugzeuge erhalten – darunter 36 Boeing 737-800, -900 und Max 8, vier Airbus A220-300 sowie zwei A320-200.

Doppelte Niederlage für Lot

Zudem war dies bereits der zweite gescheiterte Versuch, Smartwings zu übernehmen. Eigentümer Šimáně suchte seit 2022 nach einem Käufer. Damals galt Israir als aussichtsreichster Kandidat. Die Verhandlungen zogen sich über drei Jahre hin, endeten jedoch mit dem Rückzug der israelischen Airline. Im Frühjahr dieses Jahres zeigte Lot erneut ernsthaftes Interesse und war zeitweise die einzige Bieterin, was den Preis erheblich gedrückt hätte, schreibt die polnische Zeitung Rzeczpospolita. Allerdings sprach sich der Hauptaktionär Polska Grupa Lotnicza PGL gegen den Kauf aus.

Lufthansa Group zeigte offenbar auch Interesse

Im November wurden die Verhandlungen wieder aufgenommen. Zwischenzeitlich galten auch Airlines der Lufthansa Group als potenzielle Käuferinnen. Der deutschen Gruppe wurden jedoch aufgrund von EU-Bedenken gegen eine zu große Marktmacht nur geringe Chancen eingeräumt.

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