Angestellte von Swiss: DIe Stimmung ist gereizt.

Zu hohe Krankenstände«Noch nie so tiefen Frust erlebt»: Neue Krankmelderegelung verärgert Kabinencrews von Swiss

Eine neue Vorgabe des Managements sorgt bei der Lufthansa-Tochter für Ärger. Flugbegleiterinnen und Flugbegleiter von Swiss müssen künftig früher ein Arztzeugnis vorlegen. Die Maßnahme wird als Ausdruck von Misstrauen und Ungleichbehandlung empfunden.

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Bei Swiss sorgt eine neue Krankmelderegelung für erhebliche interne Unruhe. Flugbegleiterinnen und Flugbegleiter müssen künftig bereits ab dem dritten Krankheitstag ein Arztzeugnis einreichen. Die Airline begründet den Schritt mit auffälligen Kurzzeitabsenzen: Laut einem Bericht der Zeitung Blick sind diese im zweiten Halbjahr 2025 um 25 Prozent gestiegen, besonders an Wochenenden.

Offiziell geht es um Verlässlichkeit im Betrieb. In der Kabine kommt die Maßnahme des Swiss-Managements jedoch anders an: als Misstrauensvotum gegenüber einer Berufsgruppe, die ohnehin unter hoher Belastung leidet. Mehrere Mitarbeitende verweisen auf Nachtflüge, Jetlag, kurze Ruhezeiten, kurzfristige Umläufe und die Schwierigkeit, gerade an Wochenenden kurzfristig ein Arztzeugnis zu erhalten.

«Pauschal-Bestrafung» langjähriger Mitarbeitender

Diskussionen im Intranet, die aeroTELEGRAPH einsehen konnte, zeigen eine ungewöhnlich deutliche Reaktion. Die Mitteilung selbst wurde massiv negativ bewertet: Unter dem Video des Kabinenchefs, in dem er die neue Regelung erklärt, stehen 103 Daumen hoch 158 Daumen runter gegenüber. Gleichzeitig erhalten kritische Kommentare teilweise weit über 150 oder sogar mehr als 230 Zustimmungen.

Ein Kommentar, der von einem «tiefgreifenden Problem» zwischen Unternehmen und Kabine spricht, kommt auf 235 Likes. Ein anderer Beitrag nennt die Regelung eine «Pauschal-Bestrafung» langjähriger Mitarbeitender und erhält 237 Likes. Wieder andere schreiben von «Kollektivstrafe», «generellem Misstrauen» und einer Maßnahme, die «keine nachhaltige Lösung, sondern reine Symptombekämpfung» sei.

«Zweiklassengesellschaft» zwischen Kabine und Cockpit

Besonders deutlich wird die schlechte Stimmung in einem Kommentar einer langjährigen Kabinenmitarbeiterin. Sie schreibt, sie habe in ihrer bald vier Jahrzehnte dauernden Karriere, in welcher sie stets «mit Leidenschaft» gedient habe, «noch nie einen so tiefen Frust beziehungsweise Enttäuschung innerhalb des Korps gesehen». Das sei «sehr schade» und mache sie traurig.

Heikel ist ein weiterer Punkt, der unter Flugbegleiterinnen und Flugbegleitern für Ärger sorgt: Für das Cockpit sollen andere Regeln gelten, heißt es unter ihnen. Während Angestellte in der Kabine bereits ab dem dritten Krankheitstag ein Zeugnis vorlegen müssen, sei dies bei Pilotinnen und Piloten erst ab dem achten Tag nötig. Offiziell bestätigt ist dies aber nicht. Eine Stellungnahme von Swiss steht noch aus.

Angst vor kranken Crews im Briefing

Intern bei der Lufthansa-Tochter wird das als massive Ungleichbehandlung wahrgenommen. Aus Kabinenkreisen ist von einer «extremen Zweiklassengesellschaft» die Rede. Eine Mitarbeiterin formuliert es sinngemäß so: Wer ohnehin weniger verdient und im Alltag näher am Passagier arbeitet, werde nun zusätzlich stärker kontrolliert. Der Vorwurf: Swiss ziehe die Schraube dort an, wo der Widerstand am wenigsten Macht habe.

Mehrere Mitarbeitende warnen zudem vor einem gegenteiligen Effekt. Wer sich wegen eines Infekts krank fühlt, könnte künftig trotzdem zum Dienst erscheinen, um Kosten, Aufwand oder den Gang in eine Notfallpraxis zu vermeiden. In einem Kommentar heißt es sinngemäß, am Ende stünden mehr kranke Leute im Briefing, der Konferenz vor dem Flug, die besser zu Hause geblieben wären.

Motivation der Kabinencrews schlecht

Auch in Gesprächen mit Mitarbeitenden ist der Frust deutlich. Ein Flugbegleiter sagt: «Es ist Gesprächsthema Nummer eins, alle nerven sich in Grund und Boden und schämen sich für die Firma.» Ein anderer sagt: «Wenn Swiss so weitermacht, ist die Motivation in der Kabine wirklich bald auf null. Das Management schenkt uns null Wertschätzung.» Eine weitere Stimme wird noch drastischer: «Mittlerweile geht man über Leichen.»

Der Aufruhr kommt in einer Zeit, in der Swiss sparen muss. In der Verwaltung müssen zehn Prozent der Stellen abgebaut werden. Wie auch bei Austrian Airlines, Brussels Airlines, Edelweiss und Lufthansa gelten seit Kurzem ein Einstellungsstopp, ein Reiseverbot und Budgetkürzungen.

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