Angestellte von Swiss: DIe Stimmung ist gereizt.

Zu hohe Krankenstände«Noch nie so tiefen Frust erlebt»: Neue Krankmelderegelung verärgert Kabinencrews von Swiss

Eine neue Vorgabe des Managements sorgt bei der Lufthansa-Tochter für Ärger. Flugbegleiterinnen und Flugbegleiter von Swiss müssen künftig früher ein Arztzeugnis vorlegen. Die Maßnahme wird als Ausdruck von Misstrauen und Ungleichbehandlung empfunden.

Top-Jobs

bwlv

Fluggerätmechaniker (m/w/d)

BWLV-Motorflugschule Hahnweide
Vollzeit
Kirchheim/Teck
Top jobs
Deutschland
Feste Anstellung
Flugschule
Pilatus Logo

Team Leader Account Management

Pilatus Flugzeugwerke AG
Vollzeit
Top jobs
Schweiz
Feste Anstellung
Flugzeughersteller
Hahnair Logo

Compliance Monitoring Manager (all genders)

Hahn Air Lines GmbH
Vollzeit
Düsseldorf
Top jobs
Deutschland
Feste Anstellung
Luftfahrt
Etihad Job

Captain A320

Etihad Airways
Vollzeit
Abu Dhabi
Top jobs
United Arab Emirates
Feste Anstellung

Bei Swiss sorgt eine neue Krankmelderegelung für erhebliche interne Unruhe. Flugbegleiterinnen und Flugbegleiter müssen künftig bereits ab dem dritten Krankheitstag ein Arztzeugnis einreichen. Die Airline begründet den Schritt mit auffälligen Kurzzeitabsenzen: Laut einem Bericht der Zeitung Blick sind diese im zweiten Halbjahr 2025 um 25 Prozent gestiegen, besonders an Wochenenden.

Offiziell geht es um Verlässlichkeit im Betrieb. In der Kabine kommt die Maßnahme des Swiss-Managements jedoch anders an: als Misstrauensvotum gegenüber einer Berufsgruppe, die ohnehin unter hoher Belastung leidet. Mehrere Mitarbeitende verweisen auf Nachtflüge, Jetlag, kurze Ruhezeiten, kurzfristige Umläufe und die Schwierigkeit, gerade an Wochenenden kurzfristig ein Arztzeugnis zu erhalten.

«Pauschal-Bestrafung» langjähriger Mitarbeitender

Diskussionen im Intranet, die aeroTELEGRAPH einsehen konnte, zeigen eine ungewöhnlich deutliche Reaktion. Die Mitteilung selbst wurde massiv negativ bewertet: Unter dem Video des Kabinenchefs, in dem er die neue Regelung erklärt, stehen 103 Daumen hoch 158 Daumen runter gegenüber. Gleichzeitig erhalten kritische Kommentare teilweise weit über 150 oder sogar mehr als 230 Zustimmungen.

Ein Kommentar, der von einem «tiefgreifenden Problem» zwischen Unternehmen und Kabine spricht, kommt auf 235 Likes. Ein anderer Beitrag nennt die Regelung eine «Pauschal-Bestrafung» langjähriger Mitarbeitender und erhält 237 Likes. Wieder andere schreiben von «Kollektivstrafe», «generellem Misstrauen» und einer Maßnahme, die «keine nachhaltige Lösung, sondern reine Symptombekämpfung» sei.

Swiss: «Gerade an Wochenenden steigen Krankmeldungen an»

Besonders deutlich wird die schlechte Stimmung in einem Kommentar einer langjährigen Kabinenmitarbeiterin. Sie schreibt, sie habe in ihrer bald vier Jahrzehnte dauernden Karriere, in welcher sie stets «mit Leidenschaft» gedient habe, «noch nie einen so tiefen Frust beziehungsweise Enttäuschung innerhalb des Korps gesehen». Das sei «sehr schade» und mache sie traurig.

Die große Mehrheit der Kabinencrews gehe «sehr verantwortungsvoll mit Krankmeldungen um und leistet tagtäglich einen wichtigen Beitrag zu einem verlässlichen Flugbetrieb», so eine Sprecherin von Swiss. Gleichzeitig beobachte man seit längerer Zeit vermehrt auffällige Kurzzeitabsenzen, die unsere Einsatzplanung zunehmend erschwerten. «Gerade an Wochenenden steigen die Krankmeldungen signifikant an. Vor diesem Hintergrund haben wir entschieden, die Frist zur Einreichung eines Arztzeugnisses anzupassen.»

«Zweiklassengesellschaft» zwischen Kabine und Cockpit

Swiss sei wichtig, zu betonen, dass sich die Maßnahme «ausdrücklich nicht gegen Mitarbeitende, die krank sind» richte. Es gelte weiterhin: Wer krank ist, soll sich abmelden und nicht fliegen. «Die Sicherheit und Gesundheit unserer Mitarbeitenden haben höchste Priorität. Die hohe Anzahl an Krankmeldungen stellt allerdings für einen Großteil des Korps eine Belastung dar. Die frühere Einreichung eines Arztzeugnisses soll helfen, unsere Reserven verlässlicher zu planen und zu reduzieren.» An der Genfer Basis habe die Arztzeugnispflicht ab dem dritten Krankheitstag im Übrigen bereits seit Jahren gegolten.

Heikel ist ein weiterer Punkt, der unter Flugbegleiterinnen und Flugbegleitern für Ärger sorgt: Für das Cockpit sollen andere Regeln gelten, heißt es unter ihnen. Während Angestellte in der Kabine bereits ab dem dritten Krankheitstag ein Zeugnis vorlegen müssen, sei dies bei Pilotinnen und Piloten erst ab dem achten Tag nötig. Swiss bestätigt dies. «Ganz generell können für unterschiedliche Beschäftigungsgruppen andere Regeln und Bestimmungen gelten, das betrifft nicht nur die Attestpflicht», so die Sprecherin.

Angst vor kranken Crews im Briefing

Intern bei der Lufthansa-Tochter wird das als massive Ungleichbehandlung wahrgenommen. Aus Kabinenkreisen ist von einer «extremen Zweiklassengesellschaft» die Rede. Eine Mitarbeiterin formuliert es sinngemäß so: Wer ohnehin weniger verdient und im Alltag näher am Passagier arbeitet, werde nun zusätzlich stärker kontrolliert. Der Vorwurf: Swiss ziehe die Schraube dort an, wo der Widerstand am wenigsten Macht habe.

Mehrere Mitarbeitende warnen zudem vor einem gegenteiligen Effekt. Wer sich wegen eines Infekts krank fühlt, könnte künftig trotzdem zum Dienst erscheinen, um Kosten, Aufwand oder den Gang in eine Notfallpraxis zu vermeiden. In einem Kommentar heißt es sinngemäß, am Ende stünden mehr kranke Leute im Briefing, der Konferenz vor dem Flug, die besser zu Hause geblieben wären.

Motivation der Kabinencrews schlecht

Auch in Gesprächen mit Mitarbeitenden ist der Frust deutlich. Ein Flugbegleiter sagt: «Es ist Gesprächsthema Nummer eins, alle nerven sich in Grund und Boden und schämen sich für die Firma.» Ein anderer sagt: «Wenn Swiss so weitermacht, ist die Motivation in der Kabine wirklich bald auf null. Das Management schenkt uns null Wertschätzung.» Eine weitere Stimme wird noch drastischer: «Mittlerweile geht man über Leichen.»

Der Aufruhr kommt in einer Zeit, in der Swiss sparen muss. In der Verwaltung müssen zehn Prozent der Stellen abgebaut werden. Wie auch bei Austrian Airlines, Brussels Airlines, Edelweiss und Lufthansa gelten seit Kurzem ein Einstellungsstopp, ein Reiseverbot und Budgetkürzungen.

Hinter aeroTELEGRAPH steckt mehr als eine Website: ein Team erfahrener Journalistinnen und Journalisten, das fliegt, recherchiert und einordnet – Tag für Tag. Mit Ihrer Unterstützung bleiben wir unabhängig und Sie lesen werbefrei. Jetzt hier klicken und abonnieren

Mehr zum Thema

ticker-swiss

Swiss schickt dritten Airbus A350 auf die Kurzstrecke

ticker-swiss

Oberstes Gericht der Schweiz: Swiss durfte ungeimpfte Flugbegleiterinnen entlassen

Heike Birlenbach beim Erstflug des Airbus A350 von Swiss: Fast das ganze Berufsleben für Lufthansa Group gearbeitet.

Von der Check-in-Angestellten bis an die Spitze: Die 36 Lufthansa-Jahre von Heike Birlenbach

ticker-swiss

HB-IFC: Der dritte Airbus A350 von Swiss ist in Zürich angekommen

Video

Ex-Swissair-Sprecher Urs Peter Naef: «»
Als die Nachricht vom Absturz vor Halifax eintraf, war das Krisenhandbuch der Swissair-Kommunikationsabteilung noch nicht fertig. Medienverantwortlicher Urs Peter Naef musste improvisieren – und zugleich die Angehörigen vor aufdringlichen Medien schützen. Seine wichtigste Lehre aus der Katastrophe: «Steh zu dem, was passiert ist, und zeig Flagge.»
Christopher Scheffelmeier
Christopher Scheffelmeier
Kälin
Mit der Rückkehr der Angehörigen aus Kanada war die Arbeit für die Swissair längst nicht beendet. Persönliche Gegenstände mussten zurückgegeben, Gedenkveranstaltungen organisiert und Familien weiter begleitet werden. Der Ehemalige Finanzchef Walter Kälin blickt auf die Herausforderungen zurück – und erklärt, wie die Erfahrungen von damals die heutige Krisenbetreuung prägen
Christopher Scheffelmeier
Christopher Scheffelmeier
Ex-Swissair-Personalchef Matthias Mölleney zum Unglück von Flug SR1111: «...»
Als Flug SR111 von Swissair vor Halifax abstürzte, war Matthias Mölleney erst seit 95 Tagen Personalchef der Airline. Plötzlich musste er die Angehörigen und Mitarbeitenden betreuen und zugleich den Flugbetrieb aufrechterhalten. Fast drei Jahrzehnte später erinnert er sich an die schwersten Tage seiner Karriere – und an die Lehren für das spätere Grounding.
Christopher Scheffelmeier
Christopher Scheffelmeier