Am Mittwoch (15. April) wurde bei Lufthansa Group kräftig gefeiert. Vorstandsvorsitzender Carsten Spohr hatte den deutschen Bundeskanzler Friedrich Merz und 400 weitere Gäste aus Politik und Wirtschaft ins neue Besucherzentrum Hangar One neben der Unternehmenszentrale am Flughafen Frankfurt geladen. In exklusivem Rahmen wurde das hundertjährige Bestehen von Lufthansa Group begangen.
Während im neuen Gebäude mit Glasfassade gefeiert wurde, gab es vor den Toren Protest: Gewerkschaften nutzten die Aufmerksamkeit, um ihren Unmut öffentlich kundzutun. In den vergangenen Wochen hatten Kabinen- und Cockpitmitarbeitende immer wieder gestreikt. Doch nicht nur sie sind unzufrieden. Denn Anfang dieser Woche hat der Vorstand die Sparkur im gesamten Konzern verschärft.
«Eine angepasste Kostenbasis erreichen»
«Wir wissen, dass neben den großen Maßnahmen auch kleine und individuelle Beiträge wichtig sind und uns dabei helfen werden, unter den aktuellen Umständen eine angepasste Kostenbasis zu erreichen», heißt es in einer E-Mail von Kommerzchef Dieter Vranckx, die am Dienstag (14. April) an die Belegschaft verschickt wurde und aeroTELEGRAPH vorliegt. Die Sparmaßnahmen gelten ab sofort und sind weitreichend.
Konkret ordnet die Konzernleitung einen sofortigen Einstellungsstopp in weiten Teilen der Verwaltung an. Externe Neuanstellungen sind in nicht-operativen Bereichen nicht mehr vorgesehen, frei werdende Stellen dürfen nur noch mit Zustimmung auf oberster Führungsebene nachbesetzt werden. Neue Stellen werden gar nicht mehr geschaffen. Alle Maßnahmen gelten für die Töchter Austrian Airlines, Brussels Airlines, Edelweiss, Lufthansa und Swiss.
Lufthansa Group verbietet Geschäftsreisen nach Übersee
Auch bei Geschäftsreisen zieht Lufthansa Group die Sparschraube deutlich an. Kurzstreckenreisen sind nur noch erlaubt, wenn keine Übernachtung nötig ist. Für Langstreckenreisen zu Sitzungen gilt faktisch ein Verbot. Ausnahmen müssen vom Konzernvorstand genehmigt werden. Intern soll grundsätzlich auf virtuelle Meetings umgestellt werden.
Doch das ist nicht alles: Projektbudgets werden pauschal um mindestens zehn Prozent gekürzt. Nicht zwingend notwendige Weiterbildungen werden gestoppt, interne Veranstaltungen mit Übernachtung gestrichen. Zudem vergibt der Konzern vorerst keine neuen Beratungsmandate mehr an externe Stellen.
Druck durch Geopolitik, teueres Kerosin und Streiks
Bestehende Ausgaben sollen überprüft und nach unten verhandelt werden, so Vranckx in der Vorstandsmail an die Angestellten weiter. «Lufthansa Group sieht sich derzeit mit einer zunehmenden wirtschaftlichen Unsicherheit konfrontiert, die sich auf unser Geschäft und unsere Kostenlage auswirkt. Wir prüfen derzeit Maßnahmen in den Bereichen Flotte und Streckennetz sowie im Bereich Revenue Management und Preisgestaltung. Gleichzeitig prüfen wir, wo immer möglich, eine Beschleunigung unserer Strategie», erklärt er.
Der verschärfte Sparkurs kommt nicht überraschend. Die Luftfahrtbranche steht unter massivem Druck. Der Krieg im Iran treibt die Ölpreise nach oben – mit direkten Folgen für die Kerosinkosten, neben dem Personal der größte Ausgabenposten von Fluggesellschaften. Zugleich sind weltweit wichtige Lufträume gesperrt oder eingeschränkt nutzbar. Flüge müssen Umwege fliegen, was Zeiten verlängert und den Treibstoffverbrauch erhöht. Für Netzwerk-Airlines wie Lufthansa, Austrian, Brussels, und Swiss bedeutet das höhere Kosten bei weniger Flexibilität. Hinzu kommen derzeit noch die Dauerstreiks.
Skepsis und Frust in der Belegschaft
Intern sorgen die Maßnahmen für gemischte Reaktionen. Mitarbeitende berichten von wachsendem Druck, steigender Unsicherheit und hoher Nervosität. Ein Angestellter spricht von einem «klassischen Sparprogramm von oben», bei dem nun auch kleinere Ausgaben konsequent hinterfragt würden. Andere äußern sich zynischer und sehen einen Widerspruch zwischen Jubiläumsfeier und gleichzeitig verordnetem Sparkurs.
Besonders kritisch wird gesehen, dass neben großen strukturellen Themen nun auch Weiterbildungen und interne Projekte betroffen sind. «Gerade dort zu sparen, wo langfristige Entwicklung stattfindet, ist schwierig», heißt es aus Mitarbeiterkreisen. Auch die Einschränkungen bei Reisen und persönlichen Treffen würden mitunter die Zusammenarbeit im Konzern erschweren. Zumal der Vorstand für 2025 massive Gehaltserhöhungen erhalten hat. Eines ist klar: Ruhe wird nicht so schnell einkehren im Hause Lufthansa.
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