Wie Europas größter Reiseveranstalter seine tausenden im Nahen Osten gestrandeten Kunden nach Hause bringt, wird langsam deutlich: Tui setzt auf Flüge der hauseigenen Tui Airlines. Am Samstag (7. März) um 22:19 Uhr landete die Boeing 737 Max 8 mit dem Kennzeichen G-TUPB in Hannover. Nur eine knappe Stunde später folgte ein zweiter Sonderflug – mit der Boeing 737 Max 8 mit der Registrierung G-TUMG von Tui Airways.
Tui setzt auf kleinen Flughafen an der Grenze zum Oman
Der Reiseveranstalter hat sich für Al-Ain entschieden, da dies die einfachste Lösung darstellte, wie ein Sprecher am Sonntag (8. März) mitteilte. Da der Flughafen innerhalb der Vereinigten Arabischen Emirate liegt, entfällt für die Reisenden das Passieren von Staatsgrenzen, was oft mit zeitaufwändigen oder komplizierten Formalitäten verbunden wäre. Zudem ist der Flughafen geöffnet. Tui kann ihre Gäste innerhalb von kurzer Zeit mit Bussen von Abu Dhabi und Dubai aus nach Al-Ain bringen.
Alle Genehmigungen im Eiltempo
«Wir sind als Reiseveranstalter immer auf Krisensituationen vorbereitet, aber mit der konkreten Planung haben wir in der vergangenen Woche begonnen», so der Tui-Sprecher weiter. Da der Konzern mit ihren Airlines im Gegensatz zu Condor und Eurowings die Emirate nicht regulär anfliegt, mussten alle erforderlichen Genehmigungen von den zuständigen Luftfahrtbehörden im Eiltempo eingeholt werden.
Und die Anforderungen sind hoch. Damit die Behörden zustimmen, muss die Sicherheitseinstufung der Airline detailliert aufzeigen, wie die Sicherheitsstandards auch unter den aktuellen Bedingungen eingehalten werden können. Zusätzlich müssen sowohl die Crew-Vertreter als auch die Versicherungsträger ihre Zustimmung geben. Letztlich konnte Tui Airlines alle Hürden nehmen, sodass die Flüge starten können.
Sonntag sind zwei weitere Flüge gestartet
Und so sind am Sonntag (8. März) zwei zusätzliche Flüge mit den Flugnummern BY8008 und BY8012 von Al-Ain gestartet. Zwei weitere Flüge sind für Montag geplant. «Wir werden die Flüge solange durchführen, wie Bedarf besteht», teilte der Sprecher weiter mit. Tui bietet auch anderen Reiseveranstaltern die Möglichkeit, ihre Kundinnen und Kunden auf diesem Weg aus der Krisenregion zu bringen. Für Privatpersonen sind die Flüge nicht buchbar.
Tui setzt dabei auf ein Drehkreuz-Konzept mit Heraklion. Vier Flugzeuge hat Tui Airways aus Großbritannien dafür extra auf die griechische Insel geflogen. «Heraklion bietet die Möglichkeit, dass wir mit einer Crew ein- und auch wieder ausfliegen können», so der Tui-Sprecher. Das Flugzeug bleibt nur kurz am Boden, bevor es wieder zurückgeht.
Tui-Crews und Flugzeuge kommen aus Großbritannien
In Heraklion wird die Crew getauscht und das Flugzeug betankt, bevor die Reisenden weitergeflogen werden. Von den ersten vier Flügen gingen drei nach Hannover und einer nach Manchester. An den Flügen sind alle Tui-Fluglinien beteiligt: Die Flugzeuge und Crews kommen aus Großbritannien, während die Koordination und Planung aus Belgien und den Niederlanden erfolgen. In Deutschland ermöglicht die 24-Stunden-Genehmigung in Hannover auch Landungen in der Nacht.
Bis spätestens Mittwoch will Tui alle Veranstalter-Kundinnen und ‑Kunden nach Deutschland zurück zu bringen.
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