Maren Wolters*: Ich fand es echt lecker. Wenn man die Dose ansetzt und denkt «Jetzt trinke ich Meerwasser», schmeckt es ein wenig salzig und nach Urlaub. Aber ehrlich gesagt glaube ich, dass der Grund psychologisch ist und es eigentlich wie normales Wasser schmeckt.
Es ging nicht nur um die Kabine. Sie haben im Rahmen der Challenge auch Software für ein effizienteres Steigprofil ihrer Embraer E190 zum Einsatz gebracht. Sehen Sie es als Auszeichnung an, dass Sie als Wet-Lease-Partnerin teilnehmen durften?
Wolters: Ja, es ist toll, dass KLM uns gefragt hat, ob wir dabei sein wollen. Es ist das erste Mal, dass ein Partner und insbesondere ein Wet-Lease-Partner bei der Aviation Challenge mitwirken durfte. Das zeigt, wie eng und vertrauensvoll unsere Zusammenarbeit ist. Das ist wichtig, da wir einen essentiellen Teil des Netzwerks von KLM Cityhopper abbilden dürfen.
Wie viele Flugzeuge setzen Sie dafür ein?
Wolters: Im Sommer waren es sechs, jetzt im Winter sind es fünf, da unsere Crews auch mal Urlaub brauchen und wir unsere Flugzeuge warten müssen. Damit fliegen wir die wesentlichen deutschen Stationen in Richtung Amsterdam ab.
«Das ist ein riesiger Konzern, die könnten uns auch kaufen, wenn sie Lust hätten»
Wie lange läuft der Vertrag mit KLM?
Wolfram Simon-Schröter: Darüber dürfen wir nicht sprechen.
Sehen Sie keinen Konkurrenten, der Ihnen da gefährlich werden könnte?
Simon-Schröter: Mit 100-sitzigen Fliegern? Es gibt schlichtweg keinen mehr, der das so machen könnte wie German Airways.
KLM könnte es auch selber machen.
Simon-Schröter: Natürlich, das ist ein riesiger Konzern, die könnten uns auch kaufen, wenn sie Lust hätten. Aber stattdessen haben sie uns beauftragt. Also scheinen sie Bedarf zu haben. Und daher stellt sich diese Frage für uns nicht.
Was macht eine gute Wet-Lease-Airline Ihrer Meinung nach aus?
Simon-Schröter: Man muss Dienstleister sein und nicht versuchen, dem Kunden zu erklären, wie man solche Strecken bedient. Daher hört man in den ersten Wochen ganz genau zu, um zu 100 Prozent zu verstehen, was der Kunde möchte. Früher sind wir zum Beispiel für Low-Cost Carrier geflogen und haben dabei sehr viel gelernt. Die haben uns beigebracht, wie man durch gute Vorbereitung einen Turnaround in 23 Minuten schaffen kann. Und in der Auswertung des Kunden muss man dann bei der Pünktlichkeit ganz oben stehen, am besten vor dessen eigener Flotte. Und auf der Liste der Flugausfälle steht man am besten gar nicht.
Wo sind Ihre Flugzeuge und Crews stationiert?
Wolters: Unsere Heimatbasis ist der Flughafen Köln/Bonn, weitere echte Stationen haben wir nicht. Die Flugzeuge von uns übernachten jeweils woanders - im vergangenen Sommer etwa in Amsterdam, Nürnberg, Bremen, Aalborg, Basel und Stuttgart. Unsere Crews reisen dorthin, wo sie benötigt werden. Viele Besatzungen wechseln wir dabei in Amsterdam, da dort alle Flugzeuge mindestens zwei Mal pro Tag durchkommen.
Embraer E190 von German Airways: Für KLM unterwegs. German Airways
Was machen Ihre zwei bis drei Flugzeuge, die nicht für KLM fliegen? In der Pandemie war German Airways viel im Chartergeschäft unterwegs, ist das immer noch so?
Wolters: Ja, wir fliegen bei German Airways zum Beispiel Bands, Sportmannschaften, etwa aus der Volleyball- und Basketball-Champions-League, aber auch Gruppen für Hochzeiten, Geburtstage und viele Feiern.
Wer chartert denn für seine Hochzeit eine Embraer E190 mit 100 Sitzen?
Wolters: Zum Beispiel Paare aus Skandinavien, denen das Wetter dort zu schlecht ist und die in der Toskana ihre Hochzeit feiern wollen. Auf solchen Reisen herrscht beste Laune. Einmal hatten wir auch einen DJ an Bord und ein weiteres Mal sogar ein Streichensemble mit Cello.
Das muss eine kostspielige Angelegenheit sein.
Wolters: Wenn Sie sich dazu entscheiden, 100 Leute einzuladen und die Reisekosten zu übernehmen, ist es wahrscheinlich günstiger, ein ganzes Flugzeug zu mieten, als Einzeltickets zu kaufen. Ganz zu schweigen davon, dass man so viele Plätze in einem Linienflug womöglich gar nicht bekommt, obwohl man möchte, dass alle zusammen reisen.
Ok, das sind also Leute mit viel Geld. Aber die bewegen sich sonst womöglich eher in Businessjet-Kreisen. Wie erfahren die überhaupt von German Airways?
Simon-Schröter: Oft durch Mund zu Mund Propaganda. Wenn man zum Beispiel für einen Konzertveranstalter arbeiten darf, merkt der sich das, und der hat nicht nur eine Band, sondern vielleicht fünf oder zehn. Und dann steigt eine bekannte Rockband aus dem Flieger, Journalisten und Fans sind da und so spricht sich herum, mit wem die Band geflogen ist. Oder jemand ist Gast bei einer Hochzeit, für die wir im Einsatz sind, und entscheidet sich, das zu seinem Geburtstag dann auch zu machen und bei uns ein Flugzeug zu mieten.
Haben Sie neben dem Kunden KLM und den Charteraufträgen noch Kapazität und Interesse, für andere Fluggesellschaften tätig zu werden?
Wolters: Interesse immer. Und Kapazität könnte man schaffen. Aber mehr dürfen wir derzeit dazu nicht sagen.
«Bei der Embraer E190 E1 sind Kinderkrankheiten ausgemerzt»
Wenn Sie sich mal weitere Flugzeuge in die Flotte holen, werden das weitere Embraer E190 sein?
Wolters: Ja, wir haben uns da Airlines wie Easyjet oder Ryanair als Vorbilder genommen. Jedes Flugzeug ist gleich. Das schafft Effizienzen beim Crewtraining und der Wartung und es ermöglicht uns, im Betrieb maximal flexibel zu sein.
Würden Sie leasen oder kaufen?
Simon-Schröter: Wir würden leasen, aber mit Kaufoptionen.
Sind die acht Flugzeuge, die Sie aktuell haben, Eigentum oder gemietet?
Simon-Schröter: Noch sind sie geleast, aber ebenfalls mit Kaufoptionen. 2026 werden fünf von ihnen Eigentum, 2027 dann die restlichen drei ebenfalls.
Ihre Flugzeuge sind im Durchschnitt 18 Jahre alt. Einerseits könnte man da mal an modernere Flugzeuge denken. Andererseits haben die Embraer E2 noch mit Triebwerksproblemen zu kämpfen. Wie ist Ihre Abwägung in dieser Hinsicht?
Wolters: Sie haben die Argumente genannt. Bei der Embraer E190 E1 sind Kinderkrankheiten ausgemerzt. Und wir betreiben das Modell nun seit sechs Jahren, haben eine eigene Technikabteilung, die sich gut um die Flugzeuge kümmert und sie mittlerweile sehr gut kennt. Die Jets sind nicht nur technisch super gepflegt, sondern auch optisch. Und sie passen zu unserer Kostenstruktur, bei der wir das Geld mit Stundensätzen im Wet-Lease verdienen.
Die D-AJHW in der Luft: Jets der älteren Generation haben auch Vorteile. German Airways
Also bleiben Sie in den kommenden Jahren erstmal bei der E1?
Simon-Schröter: Ja. Aber langfristig ist die E2 der natürliche Nachfolger.
Bei unserem letzten Interview im Jahr 2021 stand zur Debatte, dass Sie sich eine Teilflotte von fünf bis sieben Turboprops zulegen, etwa von ATR. Ist das noch eine Option?
Vor der Pandemie hatten sie insgesamt 15 bis 20 Flugzeuge in der Flotte. Wollen Sie in Zukunft wieder solch eine Flottengröße erreichen?
Wolters: Nein, unsere Flotte soll bis auf maximal zwölf Flugzeuge wachsen. Bis zu dieser Größe können wir das Geschäft gut handhaben ohne wesentliche Änderungen an unserer Organisation. Was nicht heißt, dass wir vorhätten, nächstes oder übernächstes Jahr so stark zu wachsen. Aber das ist eine Wachstumsaussicht, die es geben könnte.
Simon-Schröter: Vier Flugzeuge haben sie schon, die anderen vier folgen in der Wartung jetzt im Winter.
«Da ist jemand zum Beispiel eine Woche im Cockpit unterwegs und arbeitet in der nächsten Woche in der Flugplanung»
Bei unserem Gespräch 2021 hatte German Airways 120 Mitarbeitende, davon etwa 70 beim fliegenden Personal. Wie viel sind es heute?
Wolters: Insgesamt 270, davon 180 beim fliegenden Personal und circa 30 bis 40 bei der Technik. Und wir achten darauf, dass möglichst wenige Leute nur im Büro arbeiten. Daher haben wir auch Doppelfunktionen zum fliegenden Personal. Da ist jemand zum Beispiel eine Woche im Cockpit unterwegs und arbeitet in der nächsten Woche in der Flugplanung. Das sind gute Botschafter in beide Richtungen und die Kommunikation reist so nicht ab.
Ist es ein Problem für Sie, Pilotinnen und Piloten zu finden? Sie haben ja bestimmt eine gewisse Fluktuation im Cockpit, da Leute dann doch gerne mal einen Airbus A321 Neo, eine Boeing 787 oder etwas Vergleichbares fliegen möchten.
Wolters: Nein, wir haben da keine Probleme. Denn wir haben in den vergangenen Jahren unseren Auswahlprozess individualisiert. Wir suchen Leute, die zu uns passen. Egal in welcher Position. Leute, die gewohnt sind, in großen Strukturen zu arbeiten, wo man eine Hotline anruft für die Dienstplanung, haben oftmals Schwierigkeiten, sich in kleinere Strukturen einzufinden. Nicht immer, aber oft. Wir sagen den Leuten daher stets, was sie hier erwarten können und was nicht.
Soll German Airways in fünf bis zehn Jahren noch das sein, was sie jetzt ist: eine Wet-Lease- und Charter-Anbieterin? Oder haben Sie eine andere Vision?
Simon-Schröter: Ich bin SPD-Mitglied und ein SPD-Bundeskanzler hat mal gesagt: Wer Visionen hat, sollte zum Arzt gehen. Daher sehen wir uns mit einer Flotte von nicht mehr als zwölf Flugzeugen auch in Zukunft weiterhin als Dienstleister für die großen Airlines - was übrigens auch schon ein Plus von 50 Prozent und eine tolle Weiterentwicklung wäre im Vergleich zu heute. Wir wollen unserem Geschäftsmodell gerne treu bleiben.
Also werden Sie auch in Zukunft keine eigenen Linienflüge anbieten?
Simon-Schröter: Das werde ich nicht ausschließen.
Und Lücken nutzen auf Strecken, von denen Lufthansa sich zurückzieht?
Es wird ja einen Grund geben, dass Lufthansa sich zurückzieht. Und der Grund wird nicht sein, dass sie die Fliegertür nicht mehr schließen konnten, weil zu viel Geld drin war.
Zeitfracht, die Mutter von German Airways, hat 2022 den Flughafen Rostock-Laage übernommen. Sie wollten dort die eigene Flotte warten und Frachtfluggesellschaften für Flüge dorthin gewinnen. Nun haben Sie wieder verkauft. Was hat nicht geklappt?
Simon-Schröter: Wir haben den Flughafen zum 1. Januar 2022 übernommen. Weniger als zwei Monate später hat sich die geopolitische Lage durch den russischen Angriff auf die Ukraine aber grundlegend geändert. Und der Flughafen Rostock-Laage wird auch militärisch genutzt. Zivile Flugzeuge müssen auch schon mal eine Stunde in die Warteschleife, wenn es militärischen Verkehr gibt. Daher haben wir uns entschieden, den Flughafen weiterzuveräußern. Das war nicht unsere Wunschvorstellung, aber es ist, wie es ist. Und wir sind mit der Lösung auch zufrieden, weil sie für alle Beteiligten die derzeit beste Option ist.
* Wolfram Simon-Schröter und Maren Wolters bilden die Geschäftsführung von German Airways. Die Wet-Lease- und Charter-Anbieterin betreibt eine Embraer-E190-Flotte und unterhält am Flughafen Köln/Bonn einen Wartungsbetrieb. Die Airline gehört zur Zeitfracht-Gruppe, die sich im Eigentum von Simon-Schröters Ehefrau, Jasmin Schröter, befindet.
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