Anstatt ein WM-Urlaub zu Hause ist für etliche Fans nun offenbar etwas anderes angesagt. So meldet Eurowings «seit der DFB-Niederlage gegen Paraguay deutlich ansteigende Buchungseingänge - sowohl bei Eurowings-Flügen als auch bei Urlaubspaketen ihres Reiseveranstalters Eurowings Holidays», teilte die Fluggesellschaft am Dienstag (7. Juli) mit.
Eurowings und Tui mit Buchungsschub nach WM-Aus
aeroTELEGRAPH wollte es genauer wissen und fragte bei der Lufthansa-Tochter nach. Ein Sprecher erklärte, im Zeitraum von Mitte Mai bis Ende Juni habe Eurowings sowieso schon einen Buchungsschub erlebt. «Eine nochmalige Verstärkung dieser Entwicklung sahen wir dann tatsächlich in den Tagen nach dem DFB-Aus bei der Fußball-WM.» Offenbar hätten tatsächlich viele Fußball-Fans die WM abgehakt und ihre Sommerreisepläne kurzfristig zugunsten von Urlaubsflügen geändert. «Hier haben wir beispielsweise unmittelbar nach dem Ausscheiden um 20 Prozent mehr Buchungen im Nur-Flug-Segment feststellen können.»
Auch Tui bestätigt ein deutliches Plus. «Es gibt bei jeder EM / WM einen Effekt, dass nach dem Ausscheiden der deutschen Nationalmannschaft ein größeres Interesse an Urlaub besteht», so ein Sprecher. «Die Zuwachsraten bei der Türkei und Ägypten lagen in den letzten Tagen bei über 20 Prozent.» Spanien, Portugal und Griechenland seien eh schon gut gebucht gewesen. Generell gebe es derzeit viele Last-Minute-Buchungen - auch, da wegen des Konfliktes im Nahen Osten im März und April etliche Buchungen ausgeblieben seien.
Tui: «Deutlich steigendes Interesse an Kap Verde»
Letzteres bestätigt auch eine Condor-Sprecherin und sagt, man beobachte bereits seit mehreren Wochen einen Trend zu kurzfristigeren Buchungen. «Viele Kunden warten derzeit mit ihrer Buchung bis etwa vier Wochen vor Abflug, unter anderem in der Hoffnung, von günstigeren Preisen zu profitieren», so die Sprecherin. «Diese Entwicklung ist seit der Eskalation der geopolitischen Lage im Nahen Osten besonders auf der Langstrecke zu beobachten.» Auf mögliche WM-Effekte beim Buchungsverhalten geht Condor nicht ein.
Derweil berichtet Tui über einen weiteren Trend: «Wir verzeichnen über alle Vertriebskanäle hinweg - sowohl im Reisebüro als auch online - ein deutlich steigendes Interesse an Kap Verde», sagt der Tui-Sprecher. «In einigen Bereichen hat sich die Nachfrage sogar mehr als verdoppelt.» Zwar lasse sich dieser Trend nicht auf einen einzelnen Faktor zurückführen, die wachsende internationale Aufmerksamkeit während der Fußball-WM trage jedoch sicherlich zur steigenden Bekanntheit der ehemaligen portugiesischen Kolonie als Reiseziel bei.
Auch deutscher Gruppengegner Curaçao profitiert von WM
Kap Verde war eine der Überraschungsmannschaften der Weltmeisterschaft. Das Team überstand die Vorrunde und schied anschließend erst in der Verlängerung knapp gegen Titelverteidiger Argentinien aus. «Übrigens haben auch die Anfragen und Buchungen für Curaçao zugenommen», erklärt der Tui-Sprecher. Die Mannschaft von der niederländischen Karibikinsel hatte zwar nicht die Gruppenphase überstanden, war als Gruppengegner des deutschen Teams aber vielen Menschen in Deutschland präsent während des Turniers.
Corendon Airlines, die ab Dezember von Düsseldorf nach Curaçao fliegen wird, spricht von einer «erfreulichen Nachfrage», erklärt aber auch: «Inwieweit die Teilnahme Curaçaos an der WM dazu beiträgt, lässt sich objektiv nicht bemessen.» Ein Image-Gewinn für die Insel sei die Teilnahme an der Weltmeisterschaft aus Corendon-Sicht aber allemal.
Lufthansa äußert sich aktuell nicht in Sachen Buchung
Generell erklärt die Fluglinie: «Analog zu den in Deutschland allgemein in jüngster Zeit steigenden Kurzfristbuchungen für diesen Sommer verzeichnet auch Corendon Airlines ein zunehmendes Buchungsaufkommen.» Das gelte fürs Veranstaltergeschäft und den Einzelplatzverkauf. «Wir gehen davon aus, dass viele Konsumenten ihre Freizeitplanung kurzfristig angepasst haben und Urlaubsreisen dadurch noch stärker in den Fokus gerückt sind.»
Nicht auskunftsfreudig über all das gibt sich der Mutterkonzern von Eurowings, die Lufthansa-Gruppe. Sie teilt auf Anfrage mit, dass sie aktuell «aufgrund der Silent Period vor den Quartalszahlen» keine Fragen zum Thema beantworten könne. Eine Quiet Period ist eine Einschränkung der Kommunikation, die sich einige börsennotierte Unternehmen vor der Veröffentlichung von Geschäftszahlen oder anderen wichtigen Bekanntmachungen selbst auferlegen, um nicht unbeabsichtigt Insider-Informationen offenzulegen.
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