Gerade im Sommer setzen auch deutsche Fluggesellschaften wie Condor oder Eurowings auf die Hilfe von Wet-Lease-Partnern, von denen sie Flugzeuge samt Crews mieten. Oft erhalten die Jets von innen und außen eine Light-Version des Brandings der Mieterin. Und der Durchschnittsurlauber an Bord wird sich den Namen der durchführenden Airline kaum lange merken. Anders war es 2023 mit der lettischen Wet-Lease-Spezialistin Smart Lynx.
Sie flog damals auch mit einem Airbus A330-300 für Condor. Doch Fluggäste beklagten sich reihenweise über Verspätungen, beschädigte und nicht bewegliche Sitze sowie fehlende Englischkenntnisse und Kommunikationsprobleme der Kabinencrew. In der Folge gelobte Smart Lynx Besserung, Condor beendete die Kooperation auf der Langstrecke.
Fast alle Flugzeuge von Smart Lynx am Boden
Doch nicht nur die lettische Smart Lynx steckt in Schwierigkeiten und muss derzeit alle Flugzeuge am Boden lassen. Auch die Jets der estnischen Smart Lynx (fünf Airbus A320) und der maltesischen (neun Airbus A320, ein A321 und eine Boeing 737 Max) heben derzeit nicht mehr ab. So flogen vergangene Woche beispielsweise fünf A320 von Smart Lynx Malta in französischen Tarbes und sind dort nun geparkt. Auch das einzige Flugzeug von Thai Smart Lynx, ein Airbus A320, steht in Bangkok am Boden. Von Smart Lynx Australia - ehemals Skytrans - standen zuletzt die beiden Airbus A319 am Boden. Derweil sind ihre zwölf De Havilland Canada Dash 8 (-100, -200 und -300) derzeit im Flugbetrieb aktiv.
Smart Lynx und Avia Solutions Group halten sich bedeckt
aeroTELEGRAPH fragte dazu Avia Solutions Group an. Deren Sprecher verwies jedoch lediglich darauf, dass «Smart Lynx nicht länger Teil von Avia Solutions Group ist». Bisher war allerdings nur der Verkauf von Smart Lynx Latvia bekannt. Auf eine entsprechende Nachfrage antwortete der Konzernsprecher bis zum Erscheinen dieses Artikels nicht.
Auch an Smart Lynx selber schickte aeroTELEGRAPH Fragen. Eine Sprecherin der Wet-Lease-Spezialistin teilte daraufhin aber lediglich mit: «Zum jetzigen Zeitpunkt können wir bestätigen, dass wir derzeit die Zukunftsaussichten des Unternehmens prüfen.»
Air Peace erhebt millionenschwere Vorwürfe gegen Smart Lynx
Derweil erhebt Smart-Lynx-Kundin Air Peace schwere Vorwürfe. Nowel Ngala, Kommerzchef der Fluggesellschaft, sprach laut der Zeitung The Vanguard von einem «abrupten und ungerechtfertigten Abzug von vier Flugzeugen, die wir von Smart Lynx Airlines geleast haben». Man betrachte das Vorgehen als einen vorsätzlichen und schwerwiegenden Vertragsbruch sowie als betrügerisch, erklärte der Kommerzchef der Fluglinie aus Nigeria.
Air Peace habe Vorauszahlungen und Kautionen in Höhe von mehr als 5 Millionen Dollar an Smart Lynx geleistet, außerdem seien die Flugzeuge fest für den Flugbetrieb eingeplant gewesen und würden nun Lücken in den Flugplan reißen. Insgesamt beziffert der Manager von Air Peace den drohenden Schaden auf mehr als 15 Millionen Dollar.
Fluggesellschaft fordert Rückerstattung ihrer Zahlungen
Auch Fluggesellschaften in anderen Teilen der Welt seien in ähnlicher Weise betroffen, sagt Ngala weiter. Der Kommerzchef deutet an, dass die Eigentümer der Flugzeuge die Maschinen von Smart Lynx zurückgefordert haben könnten. «Trotz des Vorgehens von Smart Lynx hat Air Peace drei der betreffenden Flugzeuge in gutem Glauben an ihre rechtmäßigen Eigentümer zurückgegeben», so Ngala laut der Zeitung. «Ein weiteres Flugzeug befindet sich noch in unserem Besitz, und wir fordern lediglich die Rückerstattung unserer Zahlungen.»
Bei diesem Jet dürfte es sich laut Flugzeugdatenbanken um den Airbus A320 mit dem Kennzeichen ES-SAY von Smart Lynx Estonia handeln. Er steht am Flughafen Lagos.
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