Daniel Ferjancek, Chef und Gründer von Go 2 Sky: Mag kleine Flotten.

Daniel Ferjancek, Go 2 Sky«Smart Lynx hat das Vertrauen der Kunden zerstört»

Daniel Ferjancek ist Gründer und Chef der slowakischen Wet-Lease-Airline Go 2 Sky. Im Interview spricht er über eine gute Flottengröße, über steigende Preise für Flugzeug- und Triebwerksmiete und über einen Vertrauensverlust durch die Smart-Lynx-Pleite.

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Der Winter hat Europa im Griff. Temperaturen unter dem Gefrierpunkt und anhaltende Schneefälle sorgen für Frust und steigende Reiselust bei vielen Menschen. Das Angebot der Linienfluggesellschaften fällt in dieser Jahreszeit geringer aus. Und auch Wet-Lease-Airlines, die ihre Flugzeuge samt Crews an andere Fluggesellschaften vermieten, nutzen die Zeit, um ihre Mitarbeitenden in den wohlverdienten Urlaub zu schicken.

Nicht so ist es aktuell bei der im Jahr 2013 gegründeten slowakischen Wet-Lease-Spezialistin Go 2 Sky mit Sitz in Bratislava. Denn während es normalerweise den Winter über eher ruhig wird in den Büros der Fluglinie nahe dem Hauptstadtflughafen, so herrschte dort reges Treiben, als aeroTELEGRAPH Geschäftsführer Daniel Ferjancek zum Gespräch trifft.

Go 2 Sky setzt aktuell auf drei Boeing 737-800

Gleich zu Beginn des Gespräches erklärte Ferjancek, dass sich das aktuelle Tagesgeschäft seiner Airline konträr gegenüber den Vorjahren entwickelt hat: «Wir fliegen derzeit wie verrückt für Sky Up Airlines», so der Go-2-Sky-Chef. Für die ukrainische Fluglinie fliege man derzeit rund 600 Flugstunden pro Monat. «Das entspricht beinahe einem regulären Sommerbetrieb und stellt uns vor neue Herausforderungen betreffend der Crews, für die normalerweise die ruhige Winterzeit ja eigentlich Urlaubssaison wäre.»

Aktuell betreibt Go 2 Sky drei Boeing 737-800, die im vergangenen Jahr für Tui und Sky Up Airlines im Einsatz standen. Nach einem möglichen Ausbau seiner Flotte gefragt, sagt Ferjancek: «Man kann immer von mehr Flugzeugen träumen, doch derzeit sind die Leasingraten extrem hoch. Wichtig sind ja nicht die Flugzeuge, sondern die Triebwerke.»

Eine der drei Boeing 737-800 von Go 2 Sky.

«Wir wollen noch ein Flugzeug, aber der Preis muss stimmen»

Um einen besseren Eindruck von den derzeit hohen Kosten für die monatliche Miete einer Boeing 737-800 zu bekommen, gibt Ferjancek einen interessanten Einblick: «Die Leasingraten für Triebwerke lagen vor nicht allzu langer Zeit noch bei rund 45.000 US-Dollar, heute sind es bereits 85.000 und mehr. Für das Flugzeug lagen die Preise vor zwei, drei Jahren noch bei 180.000 Dollar, jetzt bezahlt man 220.000 bis 250.000 pro Monat.»

Man habe schon Gespräche über ein weiteres Flugzeug geführt, es gebe aber auch Konkurrenz. Und unter dem Strich gelte: «Wir wollen zwar noch ein Flugzeug, aber dazu muss auch der Preis stimmen», so der Manager. Als kleines Unternehmen mit rund 200 Mitarbeitenden müsse man sehr vorsichtig bei solchen Entscheidungen sein.

Die Folgen der Insolvenz von Smart Lynx für die Branche

Dazu kommt, dass derzeit das Wet-Lease-Geschäft in Europa aufgrund fehlender Nachfrage laut Ferjancek ein generelles Problem hat: «Sehen Sie sich zum Beispiel den Big Player Tui an, der hat die Nachfrage auf der Langstrecke in die USA verloren, weshalb deren Boeing 787 jetzt zum Beispiel auf Strecken in die Türkei zum Einsatz kommen.» Das sei nur ein Beispiel für aktuelle Herausforderungen. Auch die Folgen der Pleite von Smart Lynx seien ein Problem. «Smart Lynx hat das Vertrauen der Kunden zerstört», so der Go-2-Sky-Chef.

«Heute verlangen die Airline-Partner Einblick in die finanzielle Liquidität der Wet-Lease-Unternehmen, um einen überraschenden Ausfall zukünftig ausschließen zu können, was durchaus positiv für die Branche ist», so Ferjancek. «Leider setzen die Airlines inzwischen aber auch auf eigene, langfristige Anmietung von Fluggerät, wodurch die Nachfrage nach Wet-Lease sinkt.» Natürlich könnte man meinen, dass nach dem Konkurs des lettischen Anbieters das Geschäft für die verbleibenden Airlines florieren müsste, doch auch das ist laut Fernjacek nicht der Fall: «Sie müssen sich vorstellen, die 56 Smart-Lynx-Flugzeuge sind vom Markt verschwunden und niemand fällt das auf, weil die Nachfrage eingebrochen ist.»

Daniel Ferjancek.

«Flotte mit bis zu fünf Flugzeugen hat die richtige Größe»

Die überschaubare Größe seines Unternehmens sieht Ferjancek deshalb auch als Schlüssel zum langfristigen Erfolg: «Viele Mitbewerber haben dazu eine andere Meinung, viele sagen, eine Flotte unter zehn Einheiten ist zu klein», sagt der Airline-Chef. «Ich sage, eine Flotte mit bis zu fünf Flugzeugen hat genau die richtige Größe, denn in diesem Geschäft bleibt man nicht flexibel, wenn man mehr als fünf Flugzeuge betreibt.»

Auch wenn derzeit die Preise, die Go 2 Sky generieren kann, nicht die besten sind, blickt der Unternehmer optimistisch in die kommende Saison, da bereits alle Kapazitäten bis Ende Oktober wieder an Tui und Sky Up Airlines verkauft sind. «Wir sind ein konservatives Unternehmen, das sich gerne auf seine Aufträge gut vorbereitet», so Ferjancek. «Wir sind glücklich, in der Lage zu sein, dass wir gut vorbereitet in den Vertrag starten und der Flugbetrieb von Beginn an reibungslos läuft.»

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