Gleich bei seinem ersten großen öffentlichen Auftritt als Chef von Air Canada wurden Michael Rousseau seine mangelnden Französischkenntnisse zum Verhängnis. Er sprach gerade einmal 20 Sekunden in dieser Sprache und danach nur noch in Englisch. Anschließend fragte ein Journalist den Manager: «Wie macht man das, mehr als 14 Jahre in Montreal zu leben mit einem Französisch, das doch sehr einfach ist?» Rousseau kam ins Stottern.
Air-Canada-Chef nach Unglück mit einsprachigem Video
Doch jetzt hat das Thema den Chef von Air Canada wieder eingeholt - und das zu einem denkbar ungünstigen Zeitpunkt und mit viel größerer Wucht. Denn Air Canada veröffentlichte am Montag angesichts des CRJ-900-Unglücks in New York LaGuardia eine Videobotschaft des Airline-Chefs. Darin brachte er unter anderem seine Betroffenheit über den Tod der beiden Piloten zum Ausdruck. Allerdings nur auf Englisch. Und das sorgt für Entrüstung.
Kanadas Premierminister Mark Carney sagte laut der Zeitung «The Gazette»: «Wir leben stolz in einem zweisprachigen Land.» Unternehmen wie Air Canada würden besondere Verantwortung tragen, in beiden Amtssprachen zu kommunizieren. «Ich bin, wie viele andere auch, zu Recht sehr enttäuscht über die einsprachige Botschaft des Chefs von Air Canada. Unter diesen Umständen zeugt sie von mangelndem Urteilsvermögen und fehlendem Mitgefühl.» Der Premierminister der Provinz Québec, François Legault, ging noch weiter.
«Wenn er kein Französisch spricht, sollte er zurücktreten»
«Wir dürfen nicht vergessen, dass Air Canada ihren Hauptsitz in Montreal hat», sagte Legault. Zudem habe das Unternehmen viele französischsprachige Mitarbeiter und Kunden. Québecs Premierminister erinnerte daran, dass Rousseau 2021 versprochen hatte, Französisch zu lernen. «Wenn er heute immer noch kein Französisch spricht, zeugt das von mangelndem Respekt gegenüber seinen Mitarbeitenden und seinen französischsprachigen Kunden. Ja, ich denke, wenn er kein Französisch spricht, sollte er zurücktreten.»
Als Reaktion auf die Kritik sagte ein Air-Canada-Sprecher, dass Rousseaus Französischkenntnisse trotz zahlreicher Unterrichtsstunden nicht ausreichten, um solch eine Botschaft an Kunden, Mitarbeitende und die Betroffenen der Tragödie zu übermitteln.
Rücktritt abgelehnt: «Es ist wichtig, dass er im Amt bleibt»
«Leider hat er noch nicht das gewünschte Französischniveau erreicht», sagte der Sprecher und fügte hinzu, Rousseau habe seit Amtsantritt 350 Stunden Sprachkurse absolviert und weitere 250 Stunden in praktischen Übungen verbracht, um seine Kenntnisse zu verbessern.
Es tue dem Airline-Chef leid für alle, die er durch das einsprachige Video verletzt habe. Auf die Frage, ob Rousseau Rücktrittspläne habe, verneinte der Sprecher. Das Unternehmen befinde sich nach dem Unglück in einer großen Krise. «Herr Rousseau trägt die Verantwortung, und es ist wichtig, dass er im Amt bleibt.»
Air-Canada-Chef Rousseau entschuldigt sich auch selber
Am Donnerstag (26. März) erklärte Rousseau dann auch selber in einer Pressemitteilung: «Es tut mir sehr leid, dass meine mangelnden Französischkenntnisse die Aufmerksamkeit von der tiefen Trauer der Familien und der großen Stärke der Mitarbeitenden von Air Canada abgelenkt haben, die trotz der Ereignisse der letzten Tage herausragende Professionalität bewiesen haben.» Trotz jahrelanger Übung gelinge es ihm leider immer noch nicht, sich angemessen auf Französisch auszudrücken, gesteht der Manager ein. «Ich entschuldige mich aufrichtig dafür und arbeite weiterhin an meiner Verbesserung.»
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