Visualisierung einer Boeing 747 von Can Am: Gelingt der Aufbau einer Jumbo-Jet-Flotte?

Can Am AirwaysDeutscher will USA, Kanaren und Afrika mit neuer Airline verbinden - mit Boeing 747 mit reiner Business Class

Ein Deutscher auf Gran Canaria möchte mit einer neuen Fluglinie Nordamerika, die Kanaren und Afrika verbinden. Dabei will er erst zunächst auf gemietete Airbus A340-600 setzen und später auf Boeing 747-400 mit einer reinen Premium-Kabine.

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Immer mehr Fluggesellschaften aus Nordamerika entdecken europäische Inseln als Urlaubsziele. Flugzeuge wie Airbus A321 LR und XLR machen es möglich, solche Routen auch mit weniger Reisenden zu fliegen als bisher. So nimmt Air Canada etwa im kommenden Winter mit dem A321 XLR Direktflüge von Toronto und Montréal nach Teneriffa auf.

In Zukunft soll noch ein anderes Angebot hinzukommen: Ein Deutscher auf Gran Canaria arbeitet derzeit am Aufbau einer neuen Airline, die Flüge von Nordamerika nach Las Palmas und weiter nach Afrika anbieten möchte. Klaus J. Lauth nennt sein Projekt Can Am Airways.

Zum Start Airbus A340-600 von USC im Visier

«In der Start-up-Phase prüfen wir den Einsatz von Airbus A340-600 im Rahmen einer möglichen ACMI-Struktur mit USC», sagt der 64-Jährige im Gespräch mit aeroTELEGRAPH. ACMI steht für Aircraft, Crew, Maintenance and Insurance und bedeute, dass die Flugzeuge samt Crews, Wartung und Versicherung gemietet werden. USC-Chef Klaus-Dieter Martin bestätigt auf Anfrage, dass es Gespräche mit Lauth gibt.

Lauth ist gelernter Maschinenbauingenieur und ehemaliger Unternehmensberater mit internationaler Erfahrung in Branchen wie Infrastruktur, Automobil und Energie. Luftfahrtstationen in seinem Lebenslauf sind unter anderem Liebherr in Lindenberg sowie eine Ingenieurtätigkeit in Abu Dhabi, bei der er Verpackung und Versand von Airbus-Bauteilen eines Zulieferers nach Toulouse koordinierte und überwachte. Zudem war er Berater bei einer Bewerbung zum Entwurf des Midfield Terminals des Flughafens Abu Dhabi.

Erste Route Washington – Las Palmas – Abuja ?

«Als erste mögliche Route kommt zum Beispiel Washington, D.C. – Las Palmas – Abuja infrage», sagt Lauth über sein Airline-Projekt. «Interessant wäre diese Verbindung wegen der Kombination aus politischem und diplomatischem Verkehr, Geschäftsreisen, afrikanischer Diaspora in den USA und der besonderen Bedeutung Nigerias als westafrikanischer Markt.»

Lauth will sein Geschäft auf dieser «Atlantik-Diagonalen», wie er sie nennt, auf verschiedene Nachfragegruppen aufbauen: nordamerikanische Reisende mit Ziel Kanarische Inseln, ethnischen Verkehr von und nach Afrika, Kreuzfahrtgäste, Geschäftsreisende und Diplomaten. Ein weiterer wichtiger Faktor ist Fracht, die gerade große Langstreckenflugzeuge zusätzlich im Unterdeck transportieren können.

Später Boeing 747-400 mit reiner Business-Class-Kabine

Wird die Startphase mit den gemieteten Airbus A340 ein Erfolg, soll Can Am mittelfristig ein eigenes Luftverkehrsbetreiberzeugnis (Air Operator Certificate, AOC) erhalten und eine eigene Flotte aufbauen - bestehend aus Boeing 747-400. So zeigt Lauth auch Interesse an Jumbo-Jets, die Lufthansa ausmustert. Allerdings plant er ein Premium-Konzept.

«Auf den dafür vorgesehenen Strecken würden wir bewusst auf eine Economy-Class verzichten und eine reine Business-Class-Kabine anbieten», so Lauth. Geplant sei dabei eine 2-2-2-2-Bestuhlung - je zwei Sitze außen am Gang sowie vier in der Mitte, die aber durch einen Trenner in zwei 2er-Einheiten aufgeteilt sind. Insgesamt sind es also acht Sitze pro Reihe. Zum Vergleich: Diese Anzahl an Plätzen bietet Lufthansa aktuell in der Premium Economy Class ihrer Boeing 747-400 an.

Es wäre die größte Business Class der Welt

Insgesamt plant Lauth 280 bis 340 Sitze pro Flugzeug. Das wäre die weltweit mit Abstand größte Business-Class-Kabine. Auf die Frage von aeroTELEGRAPH, warum sich ein Start-up an solch ein Konzept wagt, das selbst Airlines wie Qatar Airways, Emirates oder Singapore Airlines nicht anbieten, sagt Lauth: «So ein Projekt funktioniert nur, wenn man anders denkt und wenn man Sachen anders macht als die anderen bisher.»

Der Ingenieur verweist auf ein eigenes Analyse-Modell mit rund 200 Parametern. «In diesem Modell liegt die wirtschaftliche Tragfähigkeit ab etwa 66 Prozent Auslastung, abhängig von Annahmen zu Yield, Cargo, ACMI-Kosten, Streckenprofil und Kabinenkonfiguration», so Lauth.

Auch New York, Chicago, Toronto und Kapstadt im Blick

Dabei will er die Premium-Kundschaft unter anderem damit gewinnen, dass die Boeing 747 eine viel größere und luftige Kabine hat als reichweitenstarke Flieger mit nur einem Gang. «Wer will schon freiwillig auf so langen Strecken in einem A321 XLR sitzen?», fragt er rhetorisch. Bei Bordservice und Bordunterhaltung denkt Lauth etwa über regionale Küche nach sowie über besondere Präsentationsformate wie Modeschauen an Bord.

Als weitere Ziele in Nordamerika hat Can Am für eine frühe Phase New York, Chicago und Toronto im Blick, in Afrika Kapstadt. Danach soll das Wachstum weitergehen und weitere Destinationen sollen folgen. Lauth träumt langfristig von einer Flotte von bis zu zwölf Boeing 747-400. Damit die Vierstrahler weniger Treibstoff verbrauchen, erwägt er die Zusammenarbeit mit einer Firma, die die Fanschaufeln der Triebwerke entsprechend modifiziert.

«Winterflugplan 2026/27 ambitioniertes, aber erreichbares Ziel»

Auch über den Bau von Terminals in Las Palmas oder Abuja hat Lauth schon nachgedacht. Bleibt die große Frage: Wo soll das Geld für all das herkommen? Lauth hat nach eigenen Angaben bereits finanzkräftige Investoren und sucht weitere. Namen nennen will er noch nicht. Loslegen würde der ambitionierte Ingenieur am liebsten schon bald.

«Wenn alle wesentlichen Voraussetzungen zusammenkommen, wäre der Winterflugplan 2026/27 aus meiner Sicht ein ambitioniertes, aber durchaus erreichbares Ziel», sagt Lauth. «Realistischerweise hängt der Start jedoch natürlich von Investoren, ACMI-Struktur, Genehmigungen und Partnern ab, das ist mir sehr wohl bewusst.»

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