Air France-KLM profitiert im deutschen Markt vom Ende von Lufthansa Cityline. «Nach dem Betriebsstopp von Lufthansa Cityline haben wir umgehend einen deutlichen Anstieg des Passagieraufkommens auf unseren eigenen Flügen verzeichnet», sagt Bas t`Hooft, Deutschland-Chef der französisch-niederländischen Airline-Gruppe.
Auch durch andere Routen-Streichungen, wie etwa das von Lufthansa angekündigte Ende der Strecke Bremen - Frankfurt, rechne man mit mehr Fluggästen, so t`Hooft. KLM fliegt von der deutschen Hansestadt bis zu drei Mal täglich nach Amsterdam. Insgesamt verbindet die niederländische Airline neun deutsche Flughäfen mit ihrem Drehkreuz. Air France steuert von ihrem Hub Paris-Charles de Gaulle sieben deutsche Airports an. Die meisten Fluggäste befördert die Gruppe von und nach Berlin - 100.000 Reisende waren es im April.
Lima lag bei deutschen Umsteigern im April ganz vorne
Das Ziel, zu dem die meisten Air-France-KLM-Gäste ab Deutschland umstiegen, war im April Lima in Peru, erreichbar durch Umstieg in Amsterdam oder Paris. «Es folgten New York JFK, Los Angeles, Bogota und Singapur», sagt t`Hooft über den Rest der Top 5.
Allerdings muss auch Air France-KLM angesichts von Iran-Krieg und enorm gestiegenen Treibstoffpreisen Anpassungen vornehmen. «Wir bedienen nach wie vor alle Destinationen, die wir bereits zuvor angeflogen sind – mit Ausnahme natürlich der Ziele in der Golfregion, die wir derzeit nicht ansteuern können», sagt der niederländische Manager. Im Gegenzug habe man nach Südasien, Südostasien und in Teilen Afrikas aufgestockt auf der Langstrecke.
Air France-KLM plant vorerst keine neue Deutschland-Routen
In Europa habe man «hier und da einzelne Flüge gestrichen», dabei gehe es aber um niedrigere Frequenzen, nicht um die Einstellung ganzer Routen. Insgesamt spricht er von «Feinjustierungen», auch durch die Anpassungen des Flugzeugtyps auf bestimmten Routen.
Unter diesen Vorzeichen gilt trotz der zusätzlichen Fluggäste angesichts der Lufthansa-Streichungen: «Wir planen derzeit nicht, in diesem Jahr neue Routen in Deutschland zu eröffnen», stellt t`Hooft klar. Auch hier konzentriere man sich auf Feinabstimmungen.
KLM Cityhopper schaut auf Embraer E2 und Airbus A220
Die Flüge nach Paris führen Air France und ihre Tochter Air France Hop durch, die Verbindungen nach Amsterdam bedienen KLM und KLM Cityhopper. Dabei ist im Auftrag von Cityhopper auch German Airways als Wetlease-Partnerin im Einsatz.
Jets von Air France Hop und KLM Cityhopper. aeroTELEGRAPH
«Umfangreiche Investitionen erforderlich» in Amsterdam
Zur Zufriedenheit mit den Drehkreuz-Flughäfen sagt der Niederländer: «Früher bekam ich von Kunden zu Paris bisweilen negatives Feedback, weil sie sich nicht zurechtfanden im Flughafen und dort zu oft Gepäck verloren ging.» Heute sei das nicht mehr der Fall, der Airport habe sich enorm verbessert. «In den vergangenen Monaten haben wir zudem Fast-Track-Optionen eingeführt, um Anschlüsse weiter zu beschleunigen.»
In Amsterdam Schiphol sei die Infrastruktur in den vergangenen zehn Jahren an ihre Grenzen gebracht worden. «Nun sind umfangreiche Investitionen erforderlich», sagt t`Hooft. «Wir begrüßen es sehr, dass der Flughafen Schiphol diese Investitionen tätigt – und wir tun dies ebenfalls.» Dazu würden nach den Problemen im vergangenen Winter auch Investitionen in den Winterdienst gehören, aber auch Verbesserungen von Abläufen und Terminals. Eine große Herausforderung sei derweil, dass die Flughafengebühren in den vergangenen zwei Jahren gestiegen seien und nun auch die niederländische Luftverkehrsteuer steige.
Toronto und Dar Es Salaam sind erste A350-Ziele bei KLM
Was die Flotte angeht, wartet KLM derzeit auf einen wichtigen Neuzugang. «Ich hoffe, dass wir den ersten Airbus A350 im August oder September in Betrieb nehmen können», sagt der Manager. «Als die ersten beiden Ziele sind derzeit Toronto und Dar Es Salaam eingeplant.»
Air France-KLM hatte 2023 insgesamt 50 A350 bestellt - mittlerweile aufgeteilt in 47 A350-900 und drei A350-1000. Zudem sicherte sich der Konzern Optionen für 40 weitere der Flugzeuge. «Eine feste Aufteilung zwischen den Airlines gibt es noch nicht», so t`Hooft.
«Stärkstes Wachstum eindeutig in den Premium-Kabinen»
Der Deutschland-Chef von Air France-KLM erklärt, dass rund die Hälfte der Reisenden hierzulande Mitglieder des Vielfliegerprogramms Flying Blue seien. «Wir haben Tausende von Platinum-Mitgliedern in Deutschland», sagt er und bezieht sich damit auf den höchsten Status. Dazu passe, dass man mittlerweile generell mehr einen Premium-Anspruch verfolge.
Das gelte auch für die Kabine. «Neben der Business Class haben wir massiv in unsere Premium Economy investiert - eine Investition, die sich auch in Deutschland bereits spürbar auszahlt», sagt der Manager. «So verzeichnen wir unser stärkstes Wachstum – sowohl bei den Passagierzahlen als auch beim Umsatz – derzeit eindeutig in den Premium-Kabinen.»
«Produkt, das die Lufthansa-Gruppe so nicht im Angebot hat»
Air France und KLM bieten zudem auch eine Economy-Comfort-Zone. Dort stehen zwar normale Economy-Sitze, aber mit mehr Beinfreiheit und der Möglichkeit, die Rückenlehne weiter zu neigen. «Wir verzeichnen auch aus Deutschland eine sehr gute Nachfrage nach diesem Produkt, das die Lufthansa-Gruppe so nicht im Angebot hat», so t`Hooft.
Auch in ihre Lounges habe Air France-KLM kräftig investiert, etwa in Paris, Los Angeles, Boston und Chicago. «Zudem eröffnen wir neue Lounges in London und Frankfurt», sagt er.
Economy Class fliegen und dennoch Lounge nutzen
«Generell glaube ich, dass die Menschen zunehmend erwarten, dass sie ihr Erlebnis personalisieren können», so t`Hooft. Deshalb wolle man nicht nur in der Kabine in der Lage sein, alle Produkte auch als Zusatzleistungen anzubieten. «So gibt es etwa Anfragen von etlichen Firmenkunden, die Economy Class fliegen, aber dennoch die Lounge nutzen möchten, um ein effizientes und angenehmes Erlebnis am Flughafen zu haben.» Solche maßgeschneiderten Reiseerlebnisse werde man in Zukunft immer häufiger anbieten.
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