Manchmal wird ein Flughafen von extremem Wetter getroffen, das untypisch ist für die geografische Lage des Airports. So geriet das Team aeroTELEGRAPH nach der Dubai Airshow vor einigen Jahren im Emirat in Starkregen. In der hitzegewohnten Stadt waren nicht nur schnell die Straßen überflutet, auch im Flughafen Dubai International war das Wetter bald spürbar: Wasser tropfte an vielen Stellen ins Terminal, überall standen Eimer auf dem Boden.
In den Niederlanden ist starker Schneefall untypisch. Die Nähe zur Nordsee sorgt für verhältnismäßig milde Winter, in denen es eher regnet als schneit. Das gilt umso mehr, je näher ein Ort an der Küste liegt. Der Flughafen Amsterdam ist Luftlinie weniger als 20 Kilometer vom Meer entfernt. Doch aktuell herrscht echtes Winterwetter.
Amsterdam: Acht Stunden am Boden in einer E190
Seit dem 2. Januar schneit es in den Niederlanden. Zu Wochenbeginn fiel der Zugverkehr aus. Im ganzen Land gibt es Wetterwarnungen wegen Schnee, Glätte und Eis. Und auch der Flughafen Amsterdam-Schiphol ist stark betroffen. Die Winterdienste kommen nicht hinterher damit, den Flughafen von Schnee und Eis zu befreien und Flugzeuge zu enteisen. Alleine am Montag (5. Januar) fielen rund 700 Flüge an dem wichtigen europäischen Drehkreuz aus.
Schiphol gibt keine Entwarnung für die kommenden Tage
Auch am Dienstag (6. Januar) mussten erneut knapp 600 Flüge gestrichen werden. «Aufgrund anhaltender Winterwetterbedingungen ist der Flugverkehr von und nach Schiphol stark eingeschränkt», hieß es um 16 Uhr vom Flughafen. «Unsere Schneeräumtrupps arbeiten rund um die Uhr, um die Start- und Landebahnen freizuhalten, und die Flugzeuge werden sorgfältig enteist, um die Sicherheit aller Reisenden zu gewährleisten.»
Die Winterbedingungen würden jedoch voraussichtlich in den kommenden Tagen zu Beeinträchtigungen des Flugplans führen, so der Airport weiter. «Dies kann Verspätungen und Flugausfälle zur Folge haben.» Zudem würden bis mindestens 18 Uhr keine Züge von und nach Schiphol fahren - zuvor hatte es mindestens 14 Uhr geheißen.
KLM warnt: Die Enteisungsflüssigkeit droht auszugehen
Laut dem Datenanbieter Flightaware wurden von Samstag (3. Dezember) bis Dienstag (6. Dezember) aufgrund von starkem Wind, gefolgt von Schnee und Schneeregen 2365 der geplanten Starts und Landungen gestrichen - rund 45 Prozent. Weitere 1891 Flüge waren verspätet.
Und nun droht die Enteisungsflüssigkeit auszugehen, wie KLM am Dienstag gemäß diversen Medienberichten warnte. Die Fluggesellschaft ist nicht nur die größte am Flughafen Amsterdam und für die Enteisung der eigenen Flugzeuge zuständig, sondern für den Großteil des Enteisungsbetriebs am Flughafen Amsterdam.
Extremwetter und Lieferverzögerungen fressen Vorräte auf
Gemäß der KLM sind 25 Enteisungsfahrzeuge ununterbrochen im Einsatz und verbrauchen täglich rund 85.000 Liter der Mischung aus erhitztem Wasser und Glykol (Frostschutzmittel). «Jedes abfliegende Flugzeug muss vollständig von Schnee und Eis befreit sein, bevor es sicher starten kann», betont die Fluggesellschaft. Doch: «Aufgrund der extremen Wetterbedingungen und Lieferverzögerungen gehen die Vorräte zur Neige.» Man schicke Mitarbeiter zum Lieferanten nach Deutschland, um weiteres Enteisungsmittel abzuholen.
Der Flughafen Amsterdam-Schiphol erklärte unterdessen gegenüber Reuters, er verfüge noch über ausreichende Vorräte eines anderen Enteisungsmittels, das zur Beseitigung von Eis und Schnee auf den Start- und Landebahnen des Airports verwendet werde.
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