Doppelpack Air Berlin und Etihad: Die deutsche Airline will es zusammen mit ihrem Großaktionär endlich schaffen.

Dringende SanierungAir Berlin überprüft Netz und Flotte

Der neue Chef von Air Berlin warnt. «Es gibt keinen zweiten Versuch mehr», so Stefan Pichler. Er wird wohl Netz und Flotte weiter schrumpfen, anderswo dafür ausbauen.

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Stefan Pichler redet Klartext. «Das hier ist unser letzter Schuss, wir müssen es jetzt schaffen, es gibt keinen zweiten Versuch mehr», warnt der neue Vorstandsvorsitzende von Air Berlin. Die erfolgreiche Gesundung aus eigener Kraft sei absolut zwingend. «Keiner wirft schlechtem Geld gern gutes hinterher», so Pichler in einem Interview mit der Süddeutschen Zeitung.

Die Rettung hält der neue Firmenkapitän von Air Berlin für möglich. «Wir haben nicht viel Zeit», meint Pichler aber. Zuerst will er das laufende Geschäft sanieren. Dabei steht vor allem die Umsatzseite im Fokus. «Es ist ja ein Witz, dass eine Airline mit 83 Prozent Auslastung so uferlos viel Geld verbrennt. Wir müssen also die Stückerträge steigern», so der Chef der zweitgrößten Fluggesellschaft Deutschlands in der Süddeutschen weiter.

Pichler wird wohl weitere Flieger stilllegen

Das Ziel will Pichler unter anderem durch eine weitere Reduktion des Angebots erreichen. «Wir prüfen derzeit das ganze Netz und überlegen, wie viele Flugzeuge wir brauchen.» So will Pichler die Stückerträge erhöhen. Anfang Juli will der vierte Konzernchef in drei Jahren erste Resultate der Analyse bekannt geben. Nur so viel verrät er jetzt schon: «Die touristischen Strecken laufen ganz gut».

Punktuell soll Air Berlin aber durchaus auch wachsen. An den großen Drehkreuzen Berlin und Düsseldorf hat Pichler vor, zuzulegen und den Marktanteil markant zu erhöhen. Man besitze da nur rund 30 Prozent. Lufthansa komme in Frankfurt am Main auf 60 Prozent. Daher sehe er Potenzial, bei den eigenen Hubs auch höher zu kommen.

Air Berlin hat immer komplexere Strukturen aufgebaut

Auch bei den Kosten will Pichler ansetzen, obwohl er die grundsätzlich für konkurrenzfähig hält. «Bei den Kosten haben wir ein besseres Niveau als Lufthansa, aber ein schlechteres als Ryanair und Easyjet. Mit unserer österreichischen Tochter Niki sind wir ungefähr auf Ryanair-Niveau», so der neue Chef. Man könne also noch «erheblich» an den Kosten schrauben. Er setzt dabei auch vermehrt auf die Nutzung von Größeneffekten. In manchen Bereichen sei das derzeit noch nicht möglich. Denn es gebe im Konzern mit seinen vielen Töchtern noch immer viele Insellösungen. «Durch das rasante Wachstum [...] haben sich immer komplexere Strukturen entwickelt.»

Nach der operativen Gesundung will Pichler die schiefe Bilanz angehen. Bei Air Berlin haben sich enorme Schulde aufgetürmt. Pichler rechnet jedoch nicht damit, dass seine Airline nochmals eine Kapitalspritze braucht. «Wir gehen nicht davon aus, dass wir dieses Jahr noch einmal Geld brauchen» so der Manager. Doch es gebe zweifelsohne noch viel zu tun.

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