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Air Asia wird zum Lifestyle-Konzern

Air Asia ist als Billigflieger bekannt. Doch das Unternehmen ist schon seit Längerem darum bemüht, sein Geschäftsfeld außerhalb der Luftfahrt auszubauen.

Air Asia X

Flieger von Air Asia: Der Billigflieger aus Malaysia will nicht nur in der Luft wachsen.

Slipknot und Air Asia? Die in verstörender Kleidung auftretende Nu-Metalband scheint auf den ersten Blick rein gar nichts mit dem Billigflieger aus Malaysia zu tun zu haben. Doch wer die Gruppe demnächst auf einem Konzert in der philippinischen Hauptstadt Manila sehen möchte, kann sich die Karten dafür über Air Asia bestellen – mit Redtix verkauft die Fluglinie seit 2014 Konzertkarten.

Dass Fluglinien gelegentlich auch abseits der Luftfahrt geschäftig sind, ist nichts Unübliches. Doch die Ticketfirma ist nicht der einzige Ableger von Air Asia. Die Fluggesellschaft gründete in den vergangenen Jahren eine große Zahl von Tochterunternehmen, die nichts mit ihrem Kerngeschäft zu tun hat. Das Ziel ist klar: Air Asia will sich zunehmend zu einer digitalen Reise- und Lifestylemarke mausern.

Schule im Sillicon Valley und Restaurant in Kuala Lumpur

Dabei ist die Airline in vielen Bereichen gleichzeitig aktiv. Vergangenen Monat verkündeten Air Asia und Google die Eröffnung einer gemeinsamen Akademie. Absolventen sollen dort unter der Obhut des Suchmaschinen-Konzerns Programmieren oder digitales Marketing lernen, berichtet der Nachrichtensender Cnbc. Zuvor eröffnete Air Asia im Dezember in Kuala Lumpur ihr erstes eigenes Restaurant. Gäste können dort unter anderem Speisen zu sich nehmen, die sonst an Bord des Billigfliegers serviert werden.

Bereits 2018 gründete Air Asia den Start-up-Arm Redbeat Ventures, dem neun Ableger der Fluglinie unterstellt sind – darunter der Konzertkartenanbieter Redtix. Mit Vielfliegerprogramm, Bordmagazin oder Frachtgeschäften haben nur sechs dieser Töchter Airline-Bezug.

«Eines Tages mehr Wert als Air Asia»

Mit Bigpay baut sich die Fluglinie derzeit einen Online-Zahlungsdienst auf. Dort können Kunden auf ein sogenanntes E-Wallet – eine virtuelle Geldbörse – Geld einzahlen. Im Gegensatz zum Marktführer Paypal bekommen Nutzer aber auch eine gewöhnliche Bezahlkarte. So können sie nicht nur im Internet, sondern  auch im realen Leben bezahlen. Bei Kartenzahlungen im Ausland sollen dabei die sonst üblichen Gebühren entfallen.

Air Asias Erwartungen an Bigpay sind hoch. Kurze Zeit nach der Gründung 2018 verkündete Konzern-Chef Tony Fernandes auf Twitter, dass das Produkt «eines Tages mehr wert sein wird als Air Asia». Ein bisschen Bezug zur Luftfahrt hat Vidi. Das Startup wurde ehemals unter den Namen Touristly gegründet und wurde umbenannt, nachdem Air Asia 2018 die Hälfte des kriselnden Reiseanbieters übernahm.

Kriselndes Startup ins Boot geholt

Auf der Plattform können Touristen in Zielgebieten von Air Asia Besuchertickets für Sehenswürdigkeiten, Zugfahrten oder Attraktionen buchen. Seit der Übernahme durch die Fluglinie wird das Angebot von Vidi unter anderem in Air Asias Bordmagazin Travel 360 vermarktet.

Doch Air Asia baut ihr Geschäftsfeld nicht nur unter dem Dach des Startup-Ablegers Redbeat Ventures aus. Wie das Portal Blue Swan Daily berichtet, formt der Konzern auch seine Logistikplattform Teleport um. Bislang ist dieser Ableger in Asien als Spediteur für Luftfracht zuständig.

Mehr im E-Commerce

Mit dem neuen Produkt Teleport Social möchte Air Asia im wachsenden E-Commerce-Business mitmischen. Mit einem Rundum-System zum Bezahlen, Abholen und Versenden von Waren versucht Air Asia, eine Online-Plattform für Verkäufe zwischen privaten Leuten zu etablieren.

Anderswo  streckt die Fluglinie ihre Fühler ebenfalls aus. Zusammen mit dem weltweit größten Musiklabel Universal gründete Air Asia im vergangenen Dezember ein eigenes Musiklabel. Redrecords soll in Asien Musiker unter Vertrag nehmen und vermarkten.

Umgekehrte Virgin

Damit geht die Fluggesellschaft quasi den umgekehrten Weg von Virgin Atlantic. Die britische Fluggesellschaft wurde von einer Gruppe gegründet, die aus einem Plattenlabel entstand. Während das Musikgeschäft verkauft wurde, gehören heute Finanzanbieter, Züge, Blumenhändler, Buchverlage oder Mobilfunkanbieter zur Virgin Group.



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