Letzte Aktualisierung: um 8:32 Uhr

Flugzeugwechsel

Verteilungsfehler bringt A321 von Easyjet Gewichtsproblem

Nach einem Wechsel des Fliegers verteilte Easyjet das Gewicht in einem Airbus A321 Neo falsch. Das führte zu einem ernsten Zwischenfall - auch aufgrund der Pandemie.

Simeon Lüthi/aeroTELEGRAPH

Airbus A321 Neo von Easyjet: Passagiere falsch verteilt.

58 Reisende finden locker auch in einem Airbus A320 Platz. Dass die Fluggäste, die am 3. Januar mit Easyjet von Bristol nach Edinburgh flogen, mit einem größeren A321 Neo unterwegs waren, hatte andere Gründe: Kurzfristig kam es zu einem Flugzeugwechsel, weil der kleinere Jet ein Problem hatte. Und das löste eine Kettenreaktion aus, die schließlich zu Ermittlungen der britischen Untersuchungsstelle Air Accidents Investigation Branch AAIB führte – wegen falscher Gewichtsverteilung im Jet. Sie stuft dies als «ernsten Zwischenfall» ein.

Die Cockpit-Crew, welche die Passagiere mit dem Airbus A320 hätte fliegen sollen, war nicht für den Airbus A321 Neo zugelassen. Also mussten zwei Piloten aus dem Standby geholt werden, um die Passagiere nach Edinburgh zu bringen. Erst, als es von der schottischen Stadt aus wieder zurück gehen sollte, fiel ihnen auf, dass etwas nicht stimmte.

Crew ging von IT-Fehler aus

Der Kabinenchef bemerkte, dass die Reisenden nicht gemäß dem Beladungsformular platziert waren, und teilte das dem Kapitän mit. Nach einer manuellen Zählung der Passagierinnen und Passagiere stellte sich heraus, dass die Verteilung auf Daten für den Airbus A320 beruhte, und nicht für den A321 Neo. Die Fluggäste wurden neu verteilt, bevor der Flieger schließlich abhob. Die Crew ging davon aus, dass es sich um einen IT-Fehler handelte, und der Kapitän meldete das Problem nach der Ankunft in Edinburgh.

Bei der Untersuchung fand Easyjet schließlich heraus: Der Flug von Bristol war außerhalb der erlaubten Abweichungen bei der Gewichtsverteilung erfolgt. Im konkreten Fall geschah nichts, doch so etwas kann mitunter zu Problemen führen. Ist der Schwerpunkt des Fliegers am falschen Ort, kann das bei Start und Landung Schwierigkeiten geben – etwa, weil das Abheben nicht so einfach erfolgt. Geschehen ist das etwa vor rund einem Jahr bei Wizz Air.

Abläufe wegen Corona anders

Bei näherer Untersuchung, so heißt es von der AAIB, fand man im Fall des Easyjet A321 Neo heraus, dass die Gewichtsverteilung zwar am äußeren Ende des zugelassenen Limits war, aber dennoch noch innerhalb lag. Doch weil eine solche Situation mit einer anderen Anzahl von Fluggästen oder Beladung anders ausgehen kann, haben Easyjet und die AAIB Anpassungen angekündigt, die solche Vorfälle künftig verhindern sollen.

«Wir nehmen Ereignisse dieser Art ernst und werden immer Maßnahmen ergreifen, um sicherzustellen, dass wir die höchsten Sicherheitsstandards aufrechterhalten», heißt es von Easyjet dazu gegenüber aeroTELEGRAPH. «Obwohl bei diesem Flug keine Sicherheitsprobleme festgestellt wurden, haben wir bereits Maßnahmen ergriffen, um unsere Verfahren zu verbessern, damit sich so etwas nicht wiederholt.»

Neue Abläufe bei Flugzeugwechsel

Denn Wechsel des Flugzeugs sind gerade in Corona-Zeiten nicht selten. Weil wegen verschiedener Restriktionen die Zahlen der Fluggäste variieren, nutzen Airlines die Möglichkeit, so die Erträge pro Sitz zu optimieren. Doch die Pandemie ist auch eine Grund, warum es überhaupt zum Problem kam. Denn, so hält die AAIB fest: Eigentlich würden die für die Beladung verantwortlichen Mitarbeitenden persönlich die nötigen Papiere im Cockpit vorbei bringen.

Aufgrund der Pandemie läuft das bei Easyjet aber momentan anders, und die Kabinencrew übergibt sie im Cockpit, um die Anzahl der Kontakte mit den Piloten zu verringern. Wegen dieser Änderung, so die Ermittelnden, sei die Crew eher geneigt, die Dokumente ohne sie zu hinterfragen zu akzeptieren. Easyjet hat daher nun neue Abläufe eingeführt, die bei einem Flugzeugwechsel mehrere Checks beinhalten, um mögliche Abweichungen zu erkennen.

Kontrolle der IT-Systeme

Ein weiteres Problem, das die Fehler begünstigte: Die IT-Systeme haben nicht korrekt miteinander kommuniziert. Zwar war der Flugzeugwechsel von der Crew und der Airline eingegeben worden, doch nicht überall kam das so an. Das führte dazu, dass die Crew in Bristol ein fehlerhaftes Dokument zur Beladung erhielt. Easyjet sieht daher im Fall von Flugzeugwechseln jetzt auch zwingende Kontrollen der IT-Systeme vor, damit sichergestellt ist, dass alle auf demselben Stand sind.



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