Ein Jet von KLM, im typischen Blau der niederländischen Airline: Der Lack kommt von Mankiewicz.

Zu Besuch beim deutschen Hersteller MankiewiczWie der Lack entsteht, der aufs Flugzeug kommt

Mit den Bemalungen ihrer Flugzeuge heben sich Airlines von der Konkurrenz ab. Doch wie entsteht überhaupt der Lack, der dafür nötig ist? aeroTELEGRAPH hat es sich beim Hersteller Mankiewicz in Hamburg angeschaut.

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Wer sich für Luftfahrt begeistert, kennt sie: Zeitraffer-Videos, die zeigen, wie Jets Speziallackierungen erhalten. Dabei wird deutlich, dass das Lackieren von Flugzeugen noch Handarbeit ist und nicht automatisiert geschieht wie bei neuen Autos. Es ist zu sehen, was die Männer und Frauen leisten, die den Flieger vorbereiten, abkleben und schließlich in paralleler Arbeit verschiedene Bereiche lackieren, sodass die noch nasse Farbe nahtlos ineinander übergeht, damit es später keine störenden Streifen gibt.

Nicht auf den ersten Blick zu sehen ist, was die verwendete Farbe leistet. Um das besser zu verstehen, hat aeroTELEGRAPH in Hamburg den größten Standort der Firma Mankiewicz besucht, die Lack für Flugzeuge, Jachten, Autos, Züge und andere Branchen herstellt. Was die Luftfahrt angeht, ist Mankiewicz einer von nur drei Anbietern weltweit, zusammen mit den Konkurrenten Akzo Nobel aus den Niederlanden und PPG Industries aus den USA.

So wird Flugzeuglack hergestellt und getestet

Dabei stellt Mankiewicz nicht nur Farben für das Äußere der Flugzeuge her. Das Unternehmen produziert auch Lacke für Kabinenbauteile wie etwa Wandpaneele oder Handgepäckfächer, nicht reflektierende Lacke fürs Cockpit sowie Korrosionsschutz-Beschichtungen für Strukturteile von Flugzeugen.

aeroTELEGRAPH durfte sich bei Mankiewicz drei Bereiche anschauen:

Die Produktion

Hier entsteht der Lack. Dazu werden flüssige und trockene Rohstoffe wie Pigmente, Bindemittel und vieles mehr aus den Lagern zusammengebracht und von riesigen Maschinen in Fässern verrührt, die mehrere hundert Liter fassen. Es erinnert ein wenig ans Backen und an übergroße Mixer, nur dass es nicht so gut riecht. «Wie beim Backen oder Kochen spielen auch bei uns Zugabegeschwindigkeit, Temperatur und viele weitere Faktoren eine Rolle», erklärt Philipp Warm, Assistenz der Betriebsleitung.

Lackherstellung bei Mankiewicz: Große Mixer.

«Wir haben insgesamt, nicht nur in der Luftfahrt, rund 100.000 Rezepturen, von denen pro Jahr in Hamburg rund 15.000 zum Einsatz kommen», sagt Warm. Bis der Lack geprüft und abgefüllt werden kann, dauert es mehrere Tage. Die Abfüllung erfolgt für die Luftfahrt üblicherweise in Eimern mit 25 bis 30 Litern, es kann aber auch deutlich mehr oder weniger sein.

In der Qualitätskontrolle kommen Eigenschaften wie Viskosität oder Glanzgrad des Lacks auf den Prüfstand. Es gibt auch ein Farbmessgerät. «Das kann zum Beispiel zwischen den rund 4000 Schwarztönen unterscheiden, die wir hier herstellen können», sagt Warm. Die Luftfahrt ist bei Mankiewicz der kleinste Hauptgeschäftsbereich, aber die Anforderungen sind die höchsten: Jeder produzierte Luftfahrtlack durchläuft Kontrollen in 15 Kategorien.

Das Testing Center

Die gerade besuchte Qualitätskontrolle prüft jede Charge des fertig produzierten Lacks vor der Auslieferung an den Kunden. Die Arbeit im Testing Center ist grundsätzlicher. Sie überprüft exemplarisch die klimatischen, chemischen und mechanischen Eigenschaften der Beschichtungen von Mankiewicz. Hier werden kleine lackierte Muster beispielsweise UV-Strahlung ausgesetzt, wie sie in 10.000 Metern Höhe herrscht, mindestens 168 Stunden lang, aber durchaus auch mal 3000 Stunden am Stück.

Genauso lange bleiben die Muster in Korrosionskammern, in Klimaschränken mit schnell wechselnden Bedingungen und in Öfen mit Temperaturen von bis zu 120 Grad Celsius. «In den Öfen gibt es auch erweiterte Tests, zum Beispiel wird in ihnen Senf und Ketchup in manche Lacke eingebrannt und muss anschließend entfernt werden können», erklärt Heiko Bandholz, Team-Manager im Prüfzentrum von Mankiewicz. «Dabei ist beispielsweise für die USA ein anderer Senf mit mehr Farbstoff für die Tests vorgeschrieben als in Europa.»

Heiko Bandholz zeigt im Prüfzentrum von Mankiewicz Lackproben, die aus einem Bewitterungsgerät kommen.

Die lackierten Muster werden im Testing Center auch mit Wasser per Hochdruckstrahler geprüft (zum Beispiel Lacke für die Automobilindustrie), sie werden gebogen, gestaucht, und auf andere Arten malträtiert. Der Lack muss zeigen, was er aushält. Der Bereich wird bei Mankiewicz scherzhaft Folterkammer genannt.

Die Anwendungstechnik

In der Anwendungstechnik bringen Lackiererinnen und Lackierer von Mankiewicz den Lack auf kleine und große Musterplatten auf, um zu schauen, wie er sich beim Lackieren verhält. Dies geschieht in normalen Lackierkabinen, aber auch in sogenannten Klimakabinen. In denen können Temperatur und Luftfeuchtigkeit eingestellt werden. «Wir können zum Beispiel 38 Grad Celsius und 85 Prozent Luftfeuchtigkeit einstellen», erklärt Stefan Jaschinski, der den Bereich leitet. «Das sind Bedingungen wie in Shanghai im Sommer.» Denn schließlich werde nicht nur unter klimatischen Bedingungen wie in Norddeutschland lackiert.

Lackierkabine: Hier wird getestet und trainiert.

Jaschinski und sein Team empfangen in der Anwendungstechnik auch Kunden. «Nächste Woche kommt eine Airline zur Farbtonabnahme», sagt er, ohne einen Namen zu verraten. Während des Besuchs von aeroTELEGRAPH ist gerade ein Team eines Bahnunternehmens da, das von den Fachleuten von Mankiewicz eingewiesen und trainiert wird.

Kratzer auf frischem Lack, hier sehr kleine: Geschehen leicht, etwa durch den Schlauch an der Spritzpistole.

In der Anwendungstechnik geht es um Fragen wie: Welche Düse benötigt die Spritzpistole bei einer bestimmten Farbe? Wie hoch muss der Durchfluss im Gerät sein? Wie viele Farbtöne sind nötig, um einen bestimmten Farbverlauf zu erzielen? Und wie funktioniert eine Ausbesserung, wenn einem Lackierer mal Schweiß in den frisch aufgetragenen Lack tropft, oder der Lackierpistolen-Schlauch die frisch lackierte Oberfläche touchiert?

Zwei Beispiele: Flugzeuge mit Lack von Mankiewicz

So entwickelt Mankiewicz Lacke, die auf und in Flugzeugen in der ganzen Welt unterwegs sind. Kunden sind Flugzeughersteller sowie alleine beim Lack fürs Äußere der Flugzeuge mehr als 100 Airlines, die sich schon für Lack von Mankiewicz entschieden haben. Eines der bekanntesten Beispiele: die Tim-und-Struppi-Sonderbemalung von Brussels Airlines.

Und auch auch die historische Lockheed Super Star von Lufthansa wurde mit Lack von Mankiewicz neu lackiert:

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