Der Airbus A330-300 von Aeroflot: Hier trug er noch das Kennzeichen VQ-BMY.

Festgesetzter Airbus-JetWie Russland Aeroflots Airbus A330 aus Sri Lanka freipresste

Ein geleaster Airbus A330 von Aeroflot saß kürzlich in Sri Lanka fest. Die Eigentümerin wollte ihren Jet zurück haben. Am Ende flog er aber wieder nach Moskau. Nun werden Details dazu bekannt.

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Anfang Juni saß ein Airbus A330-300 von Aeroflot mehrere Tage in Sri-Lankas Hauptstadt Colombo fest. Ein Richter hatte das geleaste Flugzeug auf Antrag der irischen Celestial Aviation Trading, Tochter des Leasingriesen Aercap und Eigentümerin des Jets, festgesetzt.

Doch der Langstreckenflieger, der einst das Kennzeichen VQ-BMY trug und dann als Reaktion auf die westlichen Sanktionen in Russland illegal als RA-73702 registriert wurde, konnte schließlich doch nach Moskau zurückkehren. Grund war ein neues Gerichtsurteil, das sich auf einen Formfehler bei der Festsetzung des Flugzeuges berief.

Sechs Aufforderungen zur Rückgabe

Zudem gab es politischen Druck, als Aeroflot als Reaktion ihre Flüge nach Sri Lanka eingestellte. So erklärte das sri-lankische Tourismusministerium, die Entscheidung habe «schwerwiegende Auswirkungen auf die Gesamtwirtschaft und die Tourismus-Branche». Das Ministerium bat den Generalstaatsanwalt, zu intervenieren. All das war bekannt.

Doch nun berichtet die Zeitung Washington Post weitere Details dazu, wie der A330 festgesetzt und von Russland zurückerlangt wurde. Demnach hatte der Leasinggeber laut sri-lankischen Gerichtsdokumenten bereits zwei Tage nach dem Einmarsch Russlands in die Ukraine im Februar von Aeroflot zum ersten Mal die Rückgabe des Jets gefordert. Bis Mitte April folgten fünf weitere Schreiben mit Aufforderungen zur Rückgabe. Ohne Erfolg.

Fluggäste saßen schon im Flieger

Als der Flieger schließlich in Sri Lanka festgesetzt wurde, saßen die fast 200 Fluggäste von Flug SU289 von Colombo nach Moskau bereits im Flieger, als das Gericht den Abflug verhinderte. Sie mussten den A330 verlassen und wurden in Hotels untergebracht.

Danach stellte Aeroflot die für die Tourismusbranche von Sri Lanka wichtigen Flüge ein. Zudem behauptete sie laut der Zeitung, der Inselstaat habe Russland eine staatliche Garantie gegeben, dass russische Flugzeuge unbehelligt ein- und ausfliegen könnten.

Russland machte Druck mit Öl

Zudem drohte Russland damit, Sri Lanka, das gerade in die größte Wirtschaftskrise seit Jahrzehnten rutschte, von Öl- und anderen Energielieferungen abzuschneiden, so die Washington Post. Sie beruft sich dabei auf Informationen eines europäischen Beamten, der mit der Angelegenheit vertraut ist. Erst Ende Mai hatte es eine russische Öllieferung Sri Lankas einziger Raffinerie ermöglicht, zum ersten Mal seit mehr als zwei Monaten wieder zu arbeiten, wie die Nachrichtenagentur Bloomberg berichtete.

So forderten laut dem Blatt schließlich die Anwälte der sri-lankischen Regierung, die den staatlichen Flughafen vertraten, gemeinsam mit Aeroflot das Gericht auf, den Flieger freizugeben. Das Gericht kam der Aufforderung nach und stellte fest, dass die Anordnung zur Festsetzung nicht ordnungsgemäß zugestellt worden sei.

Direkter Kontakt mit Putin

Kurz drauf war der A330 wieder frei. Mittlerweile fliegt er vor allem zwischen Moskau und Yakutsk sowie Bischkek in Kirgisistan. In Sri Lanka hat sich die wirtschaftliche und politische Lage weiter zugespitzt. An vergangenen Wochenende stürmten Demonstrierende den Präsidentenpalast und Präsident Gotabaya Rajapaksa setzte sich auf die Malediven ab. In der Woche zuvor hatte Rajapaksa sich mit der Bitte um Unterstützung bei der Treibstoffversorgung noch an Russlands Präsidenten Wladimir Putin gewandt.

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