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200 Flugzeuge von Boeing

Wie IAG seine 737-Max-Order erklärt

Trotz Abstürzen und Groundings will die British-Airways-Mutter viele neue 737 Max. Die offiziellen Begründungen lassen den wohl wichtigsten Grund dafür ungenannt.

Boeing 737-8 und 737-10: IAG Aufteilung ist noch nicht bekannt.

Es ist ein riesiger Erfolg und Befreiungsschlag für Boeing: IAG hat eine Absichtserklärung über den Kauf von 200 Boeing 737 Max unterzeichnet. Es ist die erste große Order seit dem Grounding des Modells. Aber warum setzt der Luftfahrtkonzern, zu dem British Airways, Iberia, Level, Vueling und Aer Lingus gehören, auf einen Flieger, der zurzeit nicht mal abheben darf und dessen Image in der Öffentlichkeit deutlich angeschlagen ist?

In der IAG-Mitteilung wird Konzernchef Willie Walsh mit den Worten zitiert, die 737-8 und 737-10 – das Wort Max verwendet IAG nicht – würden «eine großartige Ergänzung» zur aktuellen Kurzstreckenflotte sein. Boeing verweist darauf, dass IAG zurzeit in diesem Bereich fast nur auf Flugzeuge der Airbus-A320-Familie setzte. Daher ziehe Walsh die 737 Max in Erwägung im Sinne von Diversifizierung, und um den Wettbewerb anzukurbeln.

Flieger zum Schnäppchenpreis?

Bei der Unterzeichnung des Vertrages bei der Luftfahrtmesse in Paris erklärte Walsh, eine diversifizierte Flotte mit effizienten Jets sei essenziell für die Zukunft von IAG. Zudem bestätigte er, was er in der Vorwoche bereits im Interview mit aeroTELEGRAPH erklärte: Er schätzt den Wettbewerb. «Teils scheint der Eindruck zu herrschen, dass wir immer ein reiner Airbus-Betreiber sein werden», so Walsh im Interview. «Aber das ist nicht gesund. Zwischen den Flugzeugbauern muss Wettbewerb herrschen.»

Der wohl wichtigste Grund dürfte aber der Preis sein. Boeing beziffert das Geschäft auf mehr als 24 Milliarden Dollar nach Listenpreisen. Bei Bestellungen dieser Größe sind schon in normalen Situationen hohe Rabatte üblich. Nach den Abstürzen und dem Grounding der 737 Max dürfte IAG allerdings in der Lage gewesen sein, den Preis noch deutlich weiter zu drücken, als üblich.  Boeing gibt die Flieger zum Schnäppchenpreis ab, erhält dafür aber einen riesigen öffentlichen Vertrauensbeweis – so könnte der Deal aussehen.

Walsh war selber im Max-Simulator

Dafür nimmt IAG ein Risiko in Kauf. So könnten etwa die Luftfahrtbehörden das Flugzeug erst später wieder zulassen, als von Boeing erhofft. Passagieren könnte auch mittelfristig das Vertrauen in den Flieger fehlen. Willie Walsh scheint dagegen zuversichtlich.

Zum einen dürfte der IAG-Konzernchef dabei auf den Faktor Zeit setzen. Die 737 Max werden nämlich erst ab 2023 an IAG geliefert. Zum anderen erklärte Walsh bereits im Interview mit aeroTELEGRAPH, dass er sich im Flugsimulator von den Fähigkeiten des Jets überzeugen ließ. «Ich hatte die Möglichkeit, in London Gatwick in einem 737 Max-Simulator zu fliegen und das MCAS im Betrieb zu sehen. Mit den Änderungen, die Boeing einführt – vorbehaltlich der Zustimmung der Aufsichtsbehörden – ist das Problem aus technischer Sicht gelöst», so der Ire. Er betonte nun auch in Paris mehrmals, dass er volles Vertrauen in Boeing und den Flieger habe.



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