Auf hoher SeeWie es zur Notwasserung eines Pilatus PC-12 kam

Im November 2020 musste ein Turbopropflugzeug im Pazifik notwassern. 22 Stunden trieb die Crew auf hoher See. Nun ist der Abschlussbericht zum Unfall erschienen.

Top-Jobs

Weeze

Verkehrsleiter vom Dienst (w/m/x)

Flughafen Niederrhein GmbH
Weeze
Feste Anstellung
Deutschland
Vollzeit
Top jobs
DERTOUR Logo

Virtuelle Reisebetreuung (m/w/d)

Reiseveranstalter
DERTOUR Destination Services AG
Home Office
Vollzeit
Top jobs
Sparfell Logo

CAMO Engineer f/m/d (full time) in Vienna (Austria)

Vienna
Feste Anstellung
Business Aviation
SPARFELL Luftfahrt GmbH
Österreich
Vollzeit
Top jobs
DERTOUR Logo

Reiseleiter (m/w/d)

Reiseveranstalter
DERTOUR Destination Services AG
Griechenland
Spanien
Portugal
Top jobs

Die Rettung kam erst nach 22 Stunden in Form des Containerschiffs M/V Horizon Reliance. Zuvor mussten der 25-jähriger Pilot und die 61-jährige Pilotin eine Nacht auf offener See bei hohem Wellengang auf einer Rettungsinsel mitten im Pazifik überstehen. Mit ihrem Pilatus PC-12 mussten sie aufgrund eines Motorschadens zuvor notwassern.

Die beiden wurden rund 1600 Kilometer östlich von Hawaii aufgegriffen. Jetzt ist der Abschlussbericht der Verkehrssicherheitsbehörde der USA zu dem Vorfall erschienen. Gestartet waren die beiden am 6. November 2020 vom Flughafen Santa Maria in Kalifornien, um den fabrikneuen Pilatus PC-12 von den USA nach Australien zu überführen. In einer ersten Etappe wollten sie in rund 10 Stunden bis zum Flughafen Hilo auf Hawaii fliegen. Ein weiterer Flug sollte dann bis nach Australien führen.

Zusatztanks für Überführungsflug

Nach der Auslieferung des PC-12 in die USA im April 2020 hatte eine Pilatus-Tochtergesellschaft das Flugzeug mit zusätzlichen Tanks in der Kabine ausgestattet, wie das National Transportation Safety Board NTSB schreibt. Zudem wurden zusätzliche Kraftstoffleitungen und ein Rückschlagventil in den linken Flügel eingebaut, damit das Cockpitpersonal bei Bedarf Kraftstoff aus den Zusatztanks in die Standardtanks pumpen konnte.

Schon am 2. November startete der erste Überführungsflug, musste aber nach kurzer Zeit abgebrochen werden, weil das neue, extra eingebaute Kraftstoffsystem keinen Kraftstoff aus den zusätzlichen Tanks pumpte. Der PC-12 wurde weiter modifiziert. Das endgültige System bestand aus zwei zusätzlichen Aluminiumtanks, zwei Umfüllpumpen, Umfüll- und Tankventilen sowie den dazugehörigen Kraftstoffleitungen und Knöpfen im Armaturenbrett.

Mehrere Startversuche scheiterten

Am 6. November startete die Turbopropmaschine Richtung Hawaii. Nach ungefähr vier Stunden Flugzeit war so viel Treibstoff verbraucht, dass die Maschine von Flugfläche 200 auf Flugfläche 280 steigen konnte, um insgesamt weniger Sprit zu verbrauchen. Nach etwa fünf Stunden war der erste Zusatztank fast leer und der zweite Tank noch etwa zur Hälfte voll.

Die Besatzung hatten Bedenken, dass beim Entleeren des ersten Tanks Luft in den Motor gelangen könnte, weshalb ein Pilot den Zündschalter auf On stellte. Der andere Pilot schaltete die Kraftstofftransferpumpe des Zusatztanks aus. Etwa 20 Sekunden später ging der Motor aus. Die Piloten versuchten mehrfach, das Triebwerk wieder zu starten - letztlich ohne Erfolg. Beim letzten Versuch kam es zu einem «lauten, katastrophalen ‹Knall›», so die Untersuchung.

Erfolgreiche Notwasserung

In einer Höhe von etwa 8000 Fuß oder rund 2430 Meter entschlossen sie sich, alles für eine Notwasserung vorzubereiten. Sie legten die Sicherheitswesten und setzten einen Notruf ab. Gegen 15.20 Uhr pazifischer Standardzeit setzte der PC-12 mit ausgefahrenem Fahrwerk und voll ausgefahrenen Klappen auf dem Meer auf. Die beiden konnten das Flugzeug durch die Tür in eine aufgeblasene Rettungsinsel verlassen. Das Flugzeug trieb erst eine Weile auf der Meeresoberfläche, sank jedoch später.

Die Fachleute des NTSB vermuten, dass der Leistungsverlust des Triebwerks darauf zurückzuführen sein könnte, dass Luft aus dem Zusatzsystem in die Kraftstoffleitung gelangte - obwohl die im Rahmen der Modifikation installierten Ladedruckpumpen die Luft komprimiert und durch die Kraftstoffleitung gepresst haben sollten. Auch wird vermutet, dass sich während des Treibstofftransfers Eis in den Treibstofftanks gebildet hatte, das den Treibstofffluss zum Triebwerk behinderte, entweder weil der Treibstoff im Flügeltank zu zähflüssig war oder weil ein Ventil geschlossen war.

Keine abschließende Klärung

«Da das Flugzeug jedoch auf See verloren ging und nicht für eine Untersuchung nach dem Unfall zur Verfügung stand, konnte die genaue Ursache des Treibstoffmangels nicht ermittelt werden», heißt es im Abschlussbericht. Daher kann «ein vollständiger Verlust der Triebwerksleistung aufgrund von Treibstoffmangel aus Gründen, die auf der Grundlage der verfügbaren Beweise nicht ermittelt werden».

Mehr zum Thema

Notwasserung im Hudson River: Glück und viel Können.

Warum Notwasserung schwierig ist

Airbus A320 von Aer Lingus: Falsche Durchsage sorgt für Verwirrung.

«Bitte bereiten Sie sich auf eine Notwasserung vor»

Pilatus Aircraft hat am 12. Mai 2023 den 2000. PC-12 ausgeliefert.

Pilatus liefert PC-12 Nummer 2000 aus - und denkt schon an Nummer 4000

ticker-pilatus

Pilatus Aircraft eröffnet neues Werk in Spanien zur Erweiterung der Produktionskapazität

Video

An einem Airbus A321 Neo: GTF-Triebwerk von Pratt & Whitney.
Der Chef des weltgrößten Leasingunternehmens hat Ratschläge für Fluggesellschaften mit Triebwerken der neuesten Generation. Aengus Kelly warnt vor Problemen und Herausforderungen sowohl bei Kurz- als auch Langstreckenflugzeugen.
Timo Nowack
Timo Nowack
airbusa350edelweissbusinesssuite003
Alles neu bei Edelweiss: Die Schweizer Ferienfluglinie stellt ihre komplett neu entwickelte Airbus-A350-Kabine vor. Premium Economy, Business Suite und ein aufgewertetes Design sollen das Langstreckenerlebnis neu definieren – ohne die Ferien-DNA zu verlieren. Genau darin liegt die Chance. Und das Risiko.
Luca La Rocca
Luca La Rocca
united airlines airbus a321 neo nosewheel
Harte Landung in Orlando: Ein Airbus A321 Neo von United Airlines hat bei der Ankunft in Orlando eines der Räder des Bugfahrwerkes verloren.
Timo Nowack
Timo Nowack