Lufthansa wird durchgeschüttelt: Wie bringt man wieder Ruhe in das Ganze?

FlugchaosUm diese Baustellen muss Lufthansa sich jetzt kümmern

Das Flugchaos trifft den deutschen Luftfahrtkonzern hart. Daran ist er auch selbst schuld. Um drei akute Baustellen muss sich die Führung von Lufthansa jetzt dringend kümmern.

Top-Jobs

Pilatus Logo

Teamleiter Montage & Support (a)

Pilatus Flugzeugwerke AG
Vollzeit
Top jobs
Schweiz
Feste Anstellung
Flugzeughersteller
Pilatus Logo

Leiter Zerspanung Kleinteile / Stv. Abteilungsleiter (a)

Pilatus Flugzeugwerke AG
Vollzeit
Top jobs
Schweiz
Feste Anstellung
Flugzeughersteller
k5 logo

Captain A320 (m/w/d)

K5-Aviation GmbH
München, Hamburg, Stuttgart
Feste Anstellung
Business Aviation
Deutschland
Vollzeit
Top jobs
logo-gi-group

Teamleiter (gn) am Flughafen Hamburg

Hamburg
Feste Anstellung
Gi Group Recruiting
Deutschland
Vollzeit
Top jobs

Es hätte ein richtig gutes Jahr werden können. Die Lufthansa-Gruppe hat gut Chancen, zusammen mit dem Reedereiriesen MSC die Kontrolle bei ITA Airways zu übernehmen. Mit dem Einstieg bei der italienischen Nationalairline könnte der deutsche Konzern seine Stellung im lukrativen Markt Italien markant festigen und die Konsolidierung in Europa weiter vorantreiben.

Zugleich wurden in vielen Ländern der Welt die Corona-Maßnahmen aufgehoben und die Menschen können wieder fliegen - und wollen es auch. Es sah ganz danach aus, als könnte Lufthansa die Krise schneller überwinden als befürchtet und die dunklen Tage, als der Konzern Milliardenhilfe vom Staat brauchte, vergessen machen. Doch es kam ganz anders.

Polizeieskorten fürs Personal

Lufthansa plagt wie die gesamte Luftfahrtbranche akuter Personalmangel. Das daraus resultierende Flugchaos überschattet alles. Am Wochenende eskalierte die Situation derart, dass die Fluggesellschaft in Frankfurt die Abfertigung zwischenzeitlich einstellen musste.

Die Stimmung war zuvor derart gereizt, dass die Mitarbeitenden am Check-in und Helpdesk mit Polizeieskorten aus dem Terminal eskortiert werden mussten. Schnell wurden noch Hinweise auf die Monitore eingeblendet: «Aufgrund zahlreicher Flugstreichungen bitten wir Sie, sich ab sofort eigenständig um eine Weiterreise mit der Bahn zu kümmern oder sich ins Hotel / nach Hause zu begeben. Umbuchungen oder Hotelbuchungen können heute nicht mehr vorgenommen werden.» Es waren Szenen der Verzweiflung.

Drei akute Baustellen

Angestellte sind ausgebrannt, die Fluggäste frustriert und das Management wirkt zwischenzeitlich ratlos. Was ist bloß mit Lufthansa los? Eine ganze Menge und das liegt zu einem großen Teil an externen Faktoren wie Streiks in vielen Ländern, überlasteten Flugsicherungen, überforderten Sicherheitskontrollen, hohen Krankenständen. Es liegt aber teilweise auch an Fehlern aus der Vergangenheit.

Das Management der Lufthansa Group ist gefordert wie selten zuvor. Und dieses Mal sind die Herausforderungen um einiges vielschichtiger als während der Pandemie. Um drei akute Baustellen muss sich die Führung von Lufthansa jetzt besonders dringend kümmern:

1. Rekrutierung

In der Branche herrscht Personalknappheit. Schuld ist daran die Corona-Krise, in der viele Mitarbeitende ausgestiegen sind und in sicherere, besser bezahlte Jobs mit besseren Arbeitszeiten gewechselt sind. Die Lufthansa-Führung ist daran teilweise mit schuld. Sie hat in der Krise die Personaldecke zu stark heruntergefahren und es zugleich verpasst, Gegensteuer zu geben, als sich die Engpässe abzeichneten. Neue Mitarbeitende zu finden, ist nach den neusten Schlagzeilen noch einmal schwieriger geworden. Dieses Problem muss die Führung nachhaltig lösen.

2. Mitarbeiterzufriedenheit

Der Personalengpass und das garstige Umfeld sorgt bei den Verbliebenen für zusätzlichen Stress. Die Unzufriedenheit im Lufthansa-Konzern steigt. Das ist brandgefährlich, es droht zusätzlicher Know-how-Abfluss. Es reicht nicht mehr, auf die grundsätzlich schwierige Situation in der Branche hinzuweisen. Es braucht fassbare Zeichen der Anerkennung der Mehrarbeit und nachvollziehbare Strategien zur Beseitigung der Malaise.

3. Produkt

In den letzten Jahren musste sich die Führung von Lufthansa drei Mal für schlechten Service entschuldigen. Jedes Mal konnte sie dabei auf die widrigen Umstände verweisen. Doch am Ende ist der Kundschaft egal, wer das Problem verschuldet hat. Sie hat für eine Leistung bezahlt und erwartet zu Recht den versprochenen Gegenwert. Und nach der dritten Entschuldigung wirken alle noch so gut gemeinten Beteuerungen nicht mehr wirklich glaubhaft. Jetzt braucht es glaubwürdige Zeichen und Taten.

In den letzten Monaten sind die Ticketpreise deutlich gestiegen. Das macht die Situation nicht einfacher. Wer für schlechteren Service mehr bezahlt, ist frustriert. Lufthansa riskiert gerade, Kundinnen und Kunden zu verlieren. An Konkurrenten, die es besser machen, aber auch an die Bahn und an den Individualverkehr. Dies gilt umso mehr, als der Konzern in der Pandemie die Kapazität stärker zurückgefahren hat als Mitbewerber und dadurch riskierte, dass einst treue Kundinnen und Kunden das Angebot der Mitbewerber kennen- und mitunter auch lieben lernen.

Die Mängel beim Produkt gehen über die aktuelle Krise hinaus. Lufthansa wollte sich als Fünf-Sterne-Airline positionieren, wurde diesem Anspruch aber nicht gerecht. Das liegt mitunter an ausgebliebenen Investitionen, zum anderen an teilweise veralteten Kabinen. Aber auch an ausgebliebenen Innovationen. Hier braucht es Korrekturen - am Anspruch oder am Angebot.

Mehr zum Thema

Airbus A320 von ITA Airways: Wer bekommt das Sagen?

Lufthansa und MSC wollen weniger für ITA Airways zahlen

Liegengeblieben Koffer in Zürich: Wo Berge sich erheben ...

Wie Sie im aktuellen Flugchaos am besten reisen

Boeing 747 von Lufthnasa im Jahr 2018: Der fünfte Stern ist weg.

Lufthansa muss den fünften Stern wieder abgeben

ticker-lufthansa

Lufthansa verkleinert Angebot nach Dresden und Leipzig

Video

condor flughafen zeichnen
Wer am Flughafen warten muss, kann einen künstlerischen Zeitvertreib ausprobieren. Zeichner Kevin Zych gibt eine kurze Videoanleitung dafür.
Timo Nowack
Timo Nowack
erdfall la guardia loch
Am New Yorker Flughafen LaGuardia ist nahe einer Start- und Landebahn ein tiefes Loch im Rollweg entdeckt worden. Viele Flüge mussten am Mittwoch gestrichen werden.
Timo Nowack
Timo Nowack
Snowbirds im Formationsflug: Die Flugstaffel fliegt ab 2030 mit Pilatus PC-21.
Über 50 Jahre setzten die Snowbirds auf heimische Strahlflugzeuge von Canadair. Nach der aktuellen Saison ist damit Schluss. Künftig werden die Pilotinnen und Piloten der kanadischen Kunstflugstaffel mit Flugzeugen von Pilatus begeistern.
Benjamin Recklies
Benjamin Recklies