Airbus A320: Ein paar hundert Meter können einen großen Unterschied machen.

Warum tief fliegen nicht rentiert

«Warum fliegt man auf einem kurzen Flug in zehn Kilometern Höhe? Ginge es tiefer?», fragt Albert Steuri. Ein Linienpilot antwortet.

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/span>Sehr gerne würde ich manchmal tiefer fliegen. Den Flüssen und Feldern entlang, über die Dörfer und Wiesen, ab und zu noch ein, zwei Kreise über den Sehenswürdigkeiten drehen. Aber das rentiert nicht. Die Fluggesellschaften treffen kaum eine betriebliche Entscheidung, welche sich ökonomisch nicht auszahlt. Das gilt auch für die Flughöhe. Es gibt übrigens auch noch viel kürzere Flüge, welche auf 10 Kilometern Höhe durchgeführt werden – zum Beispiel Stuttgart -München.

In großer Höhe ist die Luft viel dünner als in Bodennähe. Dies bedeutet weniger Luftwiderstand, weniger Kerosinverbrauch und höhere Geschwindigkeit. Ein Pilot muss die wissenschaftlichen, physikalischen Hintergründe nicht im Detail kennen. Aber er sollte die Zusammenhänge in etwa verstehen. Ich versuche es einmal mit einer plakativen, einfachen Erklärung. Unser Flugzeug braucht einen aerodynamischen Druck, um fliegen zu können. Der Druck muss in etwa gleich sein – ob man in zwei oder in zehn Kilometern Höhe fliegt. Ein bildliches, fiktives Beispiel: Die Luft besteht aus Tennisbällen - sie stehen in diesem Fall für Luftmoleküle. Die unteren Schichten sind voller Tennisbälle. Sie sind jeweils einen Meter voneinander entfernt. Unser Flügel braucht 5 Tennisbälle pro Sekunde, um fliegen zu können. Er fliegt also 5 Meter pro Sekunde. In den oberen Schichten gibt es nur noch wenige Tennisbälle. Sie sind nun 10 Meter voneinander entfernt. Aber unser Flügel braucht immernoch 5 Bälle, um fliegen zu können. Es ist ihm völlig egal, wie weit diese auseinander sind. Deshalb legt der Flügel halt nun 50 Meter pro Sekunde zurück, um zu fliegen. Die Luft ist dünner. Der Flügel braucht aber denselben Druck. Deshalb ist er gegenüber dem Boden nun viel schneller.

Triebwerk auch effizienter

Durch verschiedene Faktoren (Temperatur, Luftdichte, Widerstand, und so weiter) ist auch unser Triebwerk effizienter. Nehmen wir beispielsweise einen Airbus A320 mit 68 Tonnen Gewicht. Auf 3 Kilometern Höhe verbraucht er etwa drei Tonnen Treibstoff pro Stunde. Auf 12 Kilometern Höhe verbraucht er noch 2,5 Tonnen. Das sind also insgesamt 500 Kilogramm weniger Verbrauch pro Stunde. Und dies rechnet sich sehr schnell, wenn man die abertausenden von täglichen Flugbewegungen kumuliert.

Da die Luft dünner ist und der Druck trotzdem etwa gleich bleiben muss, fliegt das Flugzeug schneller. Bezogen auf das obige Beispiel heißt dies: Auf drei Kilometern Höhe hat das Flugzeug, ohne Wind-Berücksichtigung, eine Geschwindigkeit über Grund von etwa 620 Kilometer pro Stunde. Auf zwölf Kilometern Höhe sind dies bereits um die 840 km/h. Der Unterschied ist markant und da lohnt es sich, etwas höher zu steigen. Auch wenn es nur um eine Stunde Flugzeit geht.

[image2]Was Sie schon immer übers Fliegen wissen wollten, aber bisher nicht zu fragen wagten: Ein Pilot einer großen Fluglinie beantwortet exklusiv für aeroTELEGRAPH die Fragen der Leser. Er bleibt dabei anonym, um unabhängig antworten zu können. Schicken Sie uns einfach eine E-Mail an pilot@aerotelegraph.com. Jede Woche wird eine der eingesandten Fragen beantwortet. Dabei wird der Name des Einsenders veröffentlicht. Ein Recht auf Beantwortung besteht nicht.

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