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Neues Flugzeugmodell

Warum eine Boeing 797 Chancen hat

Eigentlich scheint es, als sei Boeing viel zu spät, um die Nische, welche die 757 hinterlässt, noch zu füllen. Doch das ist nicht weit genug gedacht.

Camil Valiquette

Nicht-offizielle Darstellung der Boeing 797: Noch ist unklar, wie der Jet wirklich aussehen soll.

Boeing ist spät dran. Weil der amerikanische Flugzeugbauer sich seit Jahren davor drückt, einen Nachfolger für die 757 anzukündigen, sprang Airbus schließlich in die Bresche. Die Europäer vermarkten den Airbus A321 Neo LR (Long Range) als Ersatz für Boeings Langstreckenflieger mit einem Gang.

Um den Nachteil wettzumachen, reagierte Boeing zunächst, indem sie die 737 Max 10 in Aussicht stellte. Sie solle gleiche Leistung wie der A321 Neo mit geringerem Verbrauch bieten, kündigte Verkaufschef Randy Tinseth kürzlich an. Doch trotzdem wird es immer wahrscheinlicher, dass die Amerikaner doch noch einen ganz neuen Jet lancieren. Einen so genannten Middle-Of-The-Market- oder MoM-Flieger oder eine Boeing 797, wie das Modell vermutlich heißen wird.

Eigentlich ist die Bandbreite abgedeckt…

Auf den ersten Blick scheint es absurd, noch einen neuen Flieger zu lancieren. Eigentlich wird die komplette Bandbreite an Sitzen angeboten, so die Analysten von Leeham News. Immerhin bietet bei Boeing die 737 Max 9 eine Kapazität von 220 Sitzen und eine Reichweite von rund 6500 Kilometern. Danach geht es beim Dreamliner mit 240 Sitzen und einer Reichweite von über 13.500 Kilometern weiter. Der Airbus A321 Neo LR fasst bis zu 240 Passagiere und fliegt dann bis zu 6100 Kilometer weit, dann geht es beim Airbus A330-800 mit 250 Passagieren und einer Reichweite von ebenfalls mehr als 13.500 Kilometern weiter.

Doch das, so Leeham News, ist nicht weit genug gedacht. Denn: Immerhin sollen die 757-Nachfolger die Passagiere über eine größere Strecke transportieren und damit auch über eine längere Flugzeit. Das hieße, dass man den Reisenden eine ähnliche Kabine bieten müsste, wie sie es von bisherigen Langstreckenflugzeugen gewohnt sind. Sitze für Business und Economy also, wie sie im A330 oder ähnlichen Fliegern eingebaut sind.

…aber auf den zweiten Blick…

Außerdem, so argumentieren die Analysten, bräuchte es unter Umständen auch mehr Toiletten. Denn: In der eng bestuhlten A321-Neo-Version von Airbus würden sich 80 Passagiere ein WC teilen. Normal wären für solche Strecken aber 40 Passagiere pro Klo.

Wendet man auf die neuen MoM-Flieger dieselben Standards an wie auf Langstreckenflüge – dazu gehört laut den Berechnungen auch ein Business-Class-Anteil von 15 Prozent –, dann passen deutlich weniger Sitze hinein. Es wird dann klar, wo die Marktmitte wirklich liegt. Der Airbus A321 Neo LR etwa fasst dann nur noch 153 Passagiere, die Boeing Max 9 142.

Zwei Gänge in der Boeing 797

Boeing hat mit der 797 also tatsächlich eine Chance – und scheint das ähnlich zu sehen wie die Leeham-Analyse. Denn: Der Flugzeugbauer plant – zumindest munkelt man das derzeit in der Branche – ein neues Flugzeug mit zwei Gängen. Die Sitze wäre in der Economy in einer 2-3-2-Konfiguration gehalten. Die neue Boeing soll zwischen 225 und 260 Sitze haben, aber in den Details noch entsprechend der Preisvorstellungen der Airlines angepasst werden. Bisher existiert das Flugzeug nur auf dem Papier.

Doch United Airlines hat bereits einen Blick auf die Pläne geworfen. «Was wir bisher gesehen haben, ist sehr, sehr interessant für uns», so ein Manager. «Wir hoffen, dass Boeing das Flugzeug bringt. Wir denken, es gibt einen Bedarf dafür.» Und auch vom Zwei-Gang-Konzept konnte der Flugzeugbauer die Airline überzeugen. «Wir dachten, Twin macht keinen Sinn, aber wir sind das durchgegangen und unsere Fragen wurden beantwortet», so der Manager. Noch in diesem Jahr könnte eine Entscheidung über die 797 fallen.



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